Weg mit den Klischees

100 Tagen im Amt: Bremens Frauenbeauftragte setzt sich drei Schwerpunkte

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Bettina Wilhelm ist seit 100 Tagen Frauenbeauftragte in Bremen. 

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Sie kommt aus dem wirtschaftlich florierenden Baden-Württemberg und ist jetzt seit 100 Tagen im armen Bremen Landesfrauenbeauftragte: Bettina Wilhelm. Die 53-Jährige hat sich inzwischen einen Rundumblick über die „Bremische Zentralstelle für die Verwirklcihung der Gleichberechtigung der Frau“, so der offizielle äußerst sperrige Name ihres Arbeitsplatzes, verschafft. Und sie weiß, dass sie auf „dicke Bretter“ stößt, trotz der gute Vorarbeit ihrer langjährigen Vorgängerin Ulrike Hauffe.

Drei Schwerpunkte hat sich Wilhelm gesetzt, wie sie im Gespräch mit Journalisten erzählt. Sie will mehr Mädchen für die bei Jungen beliebten MINT-Berufe (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) begeistern, einen Landesaktionsplan Gewalt gegen Frauen und Mädchen erstellen sowie die Unterstützung für Asylbewerberinnen in die Stadtteile transferieren.

Frauenbeauftragte? Wird diese denn heute überhaupt noch gebraucht? Aber ja, bekräftigt die 53-jährige Schwäbin entschieden und hat auch gleich ein paar Argumente parat. Vom starken Wirtschaftswachstum Bremens profitierten alleinerziehende Frauen gar nicht, im Gegenteil, bei ihnen sinke die Erwerbsquote. Da will Wilhelm in der Wirtschaft und beim Thema Kinderbetreuung nachhaken. Sexuelle Belästigung von Frauen, auch das sei weiter ein Thema. Wilhelm: „Jede dritte Frau ist von Gewalt betroffen. Da gibt es viel zu tun.“ Aber Gleichstellung, müsste die nicht auch für Männer gelten, sind sie denn nicht inzwischen öfter mal benachteiligt? Hier kann sich Wilhelm durchaus eine Erweiterung ihrer mit 14 Frauen (elf Stellen) eher kleinen Behörde vorstellen. Doch das müsse die Politik entscheiden, dazu bräuchte es auch einen größeren Finanzrahmen. Wilhelm: „Jetzt sind wir politisch gewollt explizit für Frauen zuständig.“

Schon in Familie und Kita ansetzen

Und da gibt es reichlich zu tun, betont die gelernte Erzieherin. Das sind zum Beispiel die MINT-Berufe, die bei Mädchen auf wenig Begeisterung stoßen. Wilhelm will ein ressortübergreifendes Gesamtkonzept und den Schulterschluss mit der Wirtschaft. Um Geschlechterrollen klischeefrei zu halten, will die Frauenbeauftragte schon in Familie und Kita ansetzen. Rosa für Mädchen und Blau für Jungen? Das ist nicht das Ding der 53-Jährigen. Ein zwanghaftes Umsteuern der Interessen aber auch nicht. Sie lässt kleinen Mädchen ihren Prinzessinnentraum, „wenn denn Prinzessinnen auch auf Bäume klettern“, sagt Wilhelm lachend. Momentan sieht sie eher eine Rückwärtsentwicklung hin zu Klischees. Von klein auf an, aber auch im Beruf will die Schwäbin Mädchen mehr an MINT-Fächer heranführen.

Thema Gewalt gegen Frauen und Mädchen – da fehlt Wilhelm ein Landesaktionsplan. Sie will die Ansätze von Behörden und Initiativen bündeln, Einzelmaßnahmen miteinander verknüpfen.

„Dicke Bretter“ gilt es auch bei Migrantinnen zu bohren, weiß Wilhelm. Sie will die Hilfe für Frauen, die es bisher in den Asylunterkünften gab, in die Stadtteile bringen, dorthin, wo die Flüchtlinge nun wohnen. Bewusst ist ihr, wie sie sagt, dass da auch Parallelgesellschaften zu „knacken“ sind.

Erzieherin und Bürgermeisterin

Bettina Wilhelm (53), geboren in Stuttgart, ist seit 1. November 2017 Frauenbeauftragte in Bremen. Die Diplom-Pädagogin und Diplom-Sozialpädagogin ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter (27 und 29 Jahre alt). Zuletzt war sie Erste Bürgermeisterin von Schwäbisch Hall (seit 2009) und damit Stellvertreterin des Oberbürgermeisters. Sie leitete das Dezernat für Bildung, Jugend, Soziales, Integration, Sport, Kultur, Tourismus, Stadtmarketing, Gleichstellung, bürgerschaftliches Engagement, Städtepartnerschaften, Ortschaften. In den 80er Jahren arbeitete Wilhelm als Erzieherin, in den 90er als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Sozialwesen in Esslingen, später als Dozentin am Institut für soziale Berufe in Schwäbisch Gmünd. Weitere Stationen waren Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft Frauen und Gleichstellung des Landes Baden-Württemberg, Frauenbeauftragte in Ludwigsburg (2000 bis 2005), Abteilungsleiterin Pädagogik und später Leiterin des Geschäftskreises Kultur und Soziales in Kirchheim unter Teck. 

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