Mitarbeiter auf vier Beinen

Therapiehund „Carlo“ ist in Jugendpsychiatrie am Klinikum Ost im Einsatz

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Labrador-Rüde „Carlo“ in Aktion. Sein Arbeitsplatz ist die geschützte Station der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Klinikum Ost. 

Wenn „Carlo“ arbeitet, trägt er ein Geschirr, das ihn als Mitarbeiter des Klinikums Bremen-Ost ausweist. Denn „Carlo“ ist kein Mitarbeiter wie jeder andere: Er ist ein dreijähriger brauner Labrador-Rüde, der kürzlich seine zehnmonatige Ausbildung zum Therapiehund erfolgreich abgeschlossen hat.

Bremen – „Carlos“ Arbeitsplatz ist die geschützte Station der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Klinikum Bremen-Ost („Kiju“). Immer dabei ist seine Halterin Kerstin Douglas (45), die hauptamtlich Klinikpflegeleiterin in der „Kiju“ ist.

Ausbildung von „Carlo“ war anstrengende Zeit

Heute arbeitet „Carlo“ mit Anna (Name geändert). Die 17-Jährige leidet unter schweren Depressionen, hat einen Selbstmordversuch hinter sich. Als Kerstin Douglas und „Carlo“ auf die Station kommen, blickt sie auf und lächelt. „Schon für dieses Strahlen in den Augen hat sich alles gelohnt“, sagt die 45-Jährige. Auch sie hat mit der Ausbildung ihres Hundes eine anstrengende Zeit hinter sich. „Die Intensität dieses Projektes habe ich ein wenig unterschätzt“, räumt die vierfache Mutter lachend ein. Frauchen musste neben Arbeit und Familie viel Theorie büffeln, der Labrador zunächst sehr viele Tests absolvieren. Neben der praktischen Prüfung musste Hundeführerin Douglas noch eine 15-seitige Hausarbeit schreiben und ein Trainingsvideo drehen, das bei einer Therapieeinheit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie entstand.

Patientin Anna erlebt Freude am Leben in der Natur

Anna streichelt „Carlo“ inzwischen zaghaft. Dann geht es raus auf die Wiese. Ballspielen steht auf dem Plan. Der Vierbeiner rast hin und her, holt den Ball, bringt ihn zu Anna. „Aus“, sagt diese leise, um an den Ball zu kommen. Aber so einfach akzeptiert „Carlo“ das nicht. „Sei mal strenger und bestimmter“, rät Douglas. Und siehe da, „Carlo“ lässt den Ball fallen. „Er hört auf mich“, ruft Anna. Sie lächelt wieder. Ohne es zu merken, trainiert Anna ihr Selbstbewusstsein, erlebt Selbstwirksamkeit – und einfach auch Freude am Leben draußen in der Natur. Nach etwa zehn Minuten endet das Spiel. Anna darf den Hund an der Leine zurück auf die Station führen. Auch hier ist eine klare Ansage erforderlich. Nicht leicht für die in sich gekehrte junge Frau. Sie streichelt dem Hund über den Kopf. „Carlo“ schaut zu seiner Halterin – und geht brav mit.

Klinikpflegeleiterin Kerstin Douglas mit ihrem Hund und Mitarbeiter „Carlo“. Foto: KERSTIN HASE

Zurück im Büro, legt „Carlo“ sich in sein Schlafzelt. Er ist erschöpft. „Das sah nicht nach viel aus, für den Hund ist das aber eine hohe Konzentrationsleistung“, sagt Kerstin Douglas. Er müsse sich auf jedes Gegenüber einstellen, sich einlassen und sich zwischendurch immer wieder bei seiner Hundeführerin rückversichern, dass alles richtig ist. „Therapiehunde dürfen nicht schreckhaft sein, müssen auch in Stresssituationen ruhig bleiben, dürfen nie aggressiv werden, auch wenn es laut wird oder jemand sie bedroht“, so Douglas. Dann müsse er von sich aus die Situation verlassen und zu ihr kommen.

„Carlo“ kann vielen Patienten helfen

Dreimal in der Woche darf „Carlo“ für zehn bis 15 Minuten mit Patienten arbeiten. Wenn ein Spaziergang ansteht, auch mal ein wenig länger. Mehr Arbeitseinsätze erlaubt das Tierschutzgesetz nicht. „Was wir gemeinsam machen, hängt von den Krankheitsbildern der Patienten ab“, erklärt Douglas. Während Patienten mit Depressionen mit Hilfe des Hundes eher wieder Freude und Aktivität spüren sollen, könne der Hund sehr unruhigen jungen Menschen helfen, zur Ruhe zu kommen. Dazu reichten oft einfach einige innige Streicheleinheiten. „Carlo“ genießt sie, die Patienten genießen sie.

Kein Wunder, dass der Labrador auf der Beliebtheitsskala der Therapeuten ganz oben steht. 

stb

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