Frühchen-Tod: Hygiene-Experten kritisieren Handling und Sparmaßnahmen

„Klinik hat zu spät reagiert“

Bremen - Das Klinikum Bremen-Mitte hätte nach Ansicht eines Hygiene-Experten früher auf Infektionen mit multiresistenten Keimen reagieren und die Frühchen-Station schließen müssen. Anfang November 2011 war die Abteilung nach dem Tod von drei Babys geschlossen worden, Doch bereits zwischen Januar und März waren bei sieben Kindern Keime aufgetreten.

„Das ist sehr auffällig“, sagte Prof. Thomas Eikmann gestern im Untersuchungsausschuss der Bremer Bürgerschaft, der den Tod der Kinder untersucht. Auf der Frühchenstation wurden von April an Babys mit Klebsiella-Bakterien infiziert, drei starben.

Eikmann kritisierte den Umgang des Krankenhauses mit dem Ausbruch der Infektion. „Man muss sagen, dass das Handling nicht sehr professionell war.“ An verschiedenen Gegenständen auf der Station seien sehr hohe Keimbelastungen nachgewiesen worden. Dies hätte deutlich früher zur Schließung der Station führen müssen.

Klaus-Dieter Zastrow vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene und Eikmann betonten, dass als Krankenhaushygieniker ein Mikrobiologe nicht infrage komme. „Wenn der Mikrobiologe nicht Arzt ist, ist das undenkbar, weil er völlig überfordert ist“, sagte Zastrow. Das Klinikum Bremen-Mitte hatte einen promovierten Diplom-Biologen als Hygieniker eingesetzt.

Der Untersuchungsausschuss will in den nächsten Wochen weitere Zeugen anhören und das Klinikum besuchen, um sich einen Eindruck von der vor wenigen Tagen wiedereröffneten neonatologischen Station zu verschaffen. Die Station war nach den tödlichen Infektionen im November geschlossen worden, um sie komplett zu desinfizieren und umzubauen.

Nach Zastrows Angaben wies die alte Station erhebliche Mängel auf. So seien Teppichböden nicht mehr erlaubt und alle Einrichtungsgegenstände müssten desinfizierbar sein. Beide Experten äußerten sich positiv über die Maßnahmen, die in der Klinik vor der Wiedereröffnung in dieser Woche umgesetzt wurden.

Sparmaßnahmen sind nach Ansicht Zastrows ebenfalls eine der Ursachen für die tödliche Infektionswelle auf der Frühchenstation am Klinikum Bremen-Mitte. Am Personal und bei der Hygieneorganisation sei gespart worden, sagte der Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Vivantes-Kliniken Berlin am Rande der Sitzung. Zudem gebe es zu wenig Personal auf der Frühgeborenen-Station.

Optimal wäre die Zuständigkeit einer Kraft für zwei bis drei Kinder. In Bremen sei aber ein Pfleger für mehr als vier Babys zuständig gewesen. „Das ist die Kernproblematik“, betonte Zastrow. „Wenn Sie da zu wenig Leute haben, machen Sie Fehler.“ · lni/dapd

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