Hilfe mit Öko-Faktor

„Klimawerkstadt“ will verbinden – ohne zu bekehren

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Das Reparatur-Café der „Klimawerkstadt“ ist beliebt: Elektrogeräte aller Art werden von ihren Besitzern unter Anleitung repariert. Die „Klimawerkstadt“ ist jetzt auf Landesebene mit dem Deutschen Nachbarschaftspreis ausgezeichnet worden.

Bremen - Von Tido Davids. „Vegane Aufstriche zu machen, das ist noch kein Klimaschutz“, sagt Mechtild Villmow. Die 67-Jährige engagiert sich ehrenamtlich in der „Klimawerkstadt“. „Aber eben ein Anfang“, fügt die Rentnerin hinzu.

Mitten in der Bremer Neustadt hat sich die „Klimawerkstadt“ ein Ziel gesetzt: Klimaschutz in den Alltag zu integrieren. Durch Workshops, Vorträge und Kleiderbörsen soll das ökologische Bewusstsein geschärft werden. „Wir wollen alltagsnah über Klimaschutz informieren“, sagt Jürgen Schlösser. Der 51-Jährige gehört, genau wie Mechtild Villmow, zum Team der „Klimawerkstadt“.

„Klimaschutz braucht neue Kommunikationsformen. Wir wollen Theorie und Praxis miteinander verbinden – ohne zu bekehren“, so Schlösser weiter.

Eröffnet wurde das Projekt Anfang 2018. Dahinter steckt der Verein „Kultur-Pflanzen“. Derzeit arbeiten rund 40 Ehrenamtliche bei der „Klimawerkstadt“ mit. Die einen spenden regelmäßig Geld oder Kleider, die anderen bieten in der Fahrrad- und Holzwerkstadt ihre Hilfe an. Besonders beliebt ist das Reparatur-Café: Jeden Mittwoch von 17 bis 20 Uhr werden Gebrauchsgegenstände aller Art repariert. Selbstverständlich unter fachkundiger Anleitung von Ehrenamtlichen. Aber manchmal hilft auch keine Reparatur mehr: „Einige der Geräte sind eigentlich ein Fall für den Recycling-Hof“, gibt Mechtild Villmow zu. Zusätzlich dazu gibt es drei Arbeitsplätze mit Nähmaschinen, eine kleine Bibliothek und einen Material-Fundus. Neben Stoffbahnen finden sich dort Elektroersatzteile, Pinsel und andere Hilfsmittel. „Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe an. Ein kostenloser Dienstleister sind wir nicht“, sagt Schlösser.

Das Konzept überzeugt: Eine Expertenjury hat die „Klimawerkstadt“ mit dem Reparatur-Café auf Landesebene mit dem Deutschen Nachbarschaftspreis ausgezeichnet. Am Montag empfing Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) daher die Verantwortlichen im Rathaus. Die Auszeichnung ehrt Projekte, die sich für ihr lokales Umfeld engagieren und damit zu einer guten Nachbarschaft beitragen. Das Preisgeld beträgt 2000 Euro. Bei der Preisverleihung am 24. Oktober in Berlin besteht zudem die Chance, einen der drei Hauptgewinne in Höhe von 5000 bis 10.000 Euro zu gewinnen. Dieses Geld wird auch dringend benötigt. Bisher wurden die laufenden Kosten zu 95 Prozent vom Bundesministerium für Umwelt getragen. Die dafür notwendige Projektförderung ist jedoch im August dieses Jahres ausgelaufen.

„Selbstverständlich freuen wir uns über das Preisgeld, aber letztlich entspricht das nur einem Tropfen auf dem heißen Stein“, so Mechtild Villmow. Glücklicherweise hat eine Post-Lotterie angekündigt, die Mietkosten für ein weiteres Jahr zu übernehmen. „Außerdem erfordert das Stellen von Förderanträgen einen gewissen finanziellen Eigenanteil – das kostet neben Geld vor allem Zeit“, sagt Villmow.

Für die Zukunft hofft die „Klimawerkstadt“ auf weitere ehrenamtliche Helfer – sei es durch Spenden oder Arbeitskraft. Denn „die Klimawerkstadt ist zu einer echten Stadtteil-Institution geworden – mit dem Reparatur-Café als unser Aushängeschild“, betont Schlösser. Wer nichts zu reparieren hat, kann auch einfach nur vorbeischauen, um die Neustadt und ihre Bewohner besser kennenzulernen.

Kontakt: Klimawerkstadt, Westerstraße 58, Bremen, Telefon 0421/69 90 9502

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