Für mehr Klimaschutz

„Die Umwelt ist mein Leben“: In Bremen demonstrieren 31.000 Menschen

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Die beiden 13-jährigen Schülerinnen Vanessa (l.) und Zoé verhalten sich seit dem Wirbel um Greta nach eigenem Bekunden umweltbewusster.

Bremen - Von Viviane Reineking. Scorpions-Sänger Klaus Meine zufolge steht der Song „Wind of Change“ für Hoffnung auf Frieden in der Welt, für den Zusammenhalt in Europa. Auch die Demonstranten der großen Klimademo am Freitag in der Bremer City verbinden mit dem bekannten Lied von 1991 Hoffnung – vor allem auf eine wirkungsvollere, gerechte Klimapolitik. Der Ohrwurm erklingt aus den Boxen, viele pfeifen mit. Von 40.000 Menschen sprechen die Organisatoren von „Fridays for Future“ Bremen um Frederike Oberheim und Julius Schlichting. Von bis zu 31.000 Teilnehmern geht die Bremer Polizei aus.

Pünktlich um 10 Uhr setzt sich der Tross vom Hauptbahnhof in Bewegung. Langsam geht es über die Bürgermeister-Smidt-Brücke in Richtung Neustadt. Über Langemarckstraße, Westerstraße, Wilhem-Kaisen-Brücke und Domsheide erreichen viele tausend Teilnehmer zur Abschlusskundgebung den Marktplatz, da stehen noch viele tausend auf der Brücke. Die Polizei sperrt währenddessen den Innenstadtbereich großräumig ab – nichts geht mehr währenddessen in Sachen Autoverkehr.

Mit ihrer gesamten Klasse der Oberschule Findorff sind Vanessa und Zoé (beide 13) zur Klimademo gekommen, sie wollen „unsere Erde noch lange behalten“. Bei einer Veranstaltung von „Fridays for Future“ sind sie das erste Mal dabei. Seit Greta für den Klimaschutz demonstriere, hätten sie ihr Verhalten etwas verändert, so die Achtklässlerinnen. Weniger Plastik, keine Glasflaschen, so wollen die Schülerinnen zum Schutz des Klimas beitragen.

Mehr als 30.000 Menschen, so schätzt der Veranstalter, haben an der Bremer Klimademo vom Bahnhof durch die Neustadt bis zum Marktplatz teilgenommen. Laut Polizei waren es in der Spitze 31.000 Teilnehmer.

Ein paar hundert Meter weiter hinten im Demonstrationszug gehen Flora (14) und Rieke (15) von der Waldorfschule Bremen. Sie streiken bereits zum dritten Mal. Seit einem Jahr isst Flora vegetarisch. Erst wegen der Tiere, nun aber auch, „weil ich mittlerweile weiß, dass es auch für die Umwelt besser ist“. Ansonsten setzen die beiden auf Seife statt Duschgel in Plastikbehältern, wiederverwertbare Obstnetze statt Plastiktüten und mal ein T-Shirt mit Ökosiegel. Selbstkritisch merken sie aber an: „Natürlich kann man eigentlich immer noch mehr machen.“

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Ins Flugzeug steigt Frauke Röhrs nicht mehr ein – dem Klima zuliebe. Zu streiken, das sei nicht mehr nötig, hatte die Ärztin aus dem Bremer Umland nach den Demos der 80er Jahre eigentlich gedacht. Doch alles habe sich anders entwickelt: „Es ist elementar, dass die Menschen etwas tun.“ Am Freitag hat sie sich extra freigenommen, ist bereits zum vierten Mal innerhalb kurzer Zeit bei einer Klimademo.

Voller Adrenalin, aber glücklich: die Organisatoren der Bremer Klimademo, Frederike Oberheim (v.l.), Julius Schlichting und Mitja Huth.

Die Stimmung ist insgesamt freundlich, friedlich, rücksichtsvoll, das ist zu spüren. Viele unterschiedliche Vereinigungen sind der Einladung von „Fridays for Future“ Bremen gefolgt, darunter Umweltschutzverbände und Gewerkschaften. Einen Tag Urlaub genommen haben sich auch Hubert (60) aus der Neustadt und Klaus-Dieter (61) aus Syke, Gewerkschafter der IG Metall.

Engagiert sich bei „Scientists for Future“: Wissenschaftlerin Anna Pagnone.

„Die Umwelt ist mein Leben“, sagt italienische Doktorandin Anna Pagnone. Vor Kurzem ist die ehemalige Wissenschaftlerin vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven für das Klima zu Vegetarierin geworden. „Schmelzendes Meereis, lange Dürren im Sommer – ein bisschen Angst vor der Zukunft habe ich. “ Die 28-Jährige, die sich bei „Scientists for Future“ engagiert, sagt: „Das Thema, die Bewegung, hat eine wie Greta als Symbol gebraucht.“ Die Organisatoren sind derweil begeistert vom Erfolg ihrer Demo:

Die beiden 13-jährigen Schülerinnen Vanessa (l.) und Zoé verhalten sich seit dem Wirbel um Greta nach eigenem Bekunden umweltbewusster.

Am späten Mittag gegen 14 Uhr hat sich die Demo aufgelöst, haben Touristen in Bremens guter Stube längst wieder freie Sicht auf Roland, Rathaus und Dom. Hochzeitspaare lassen bei Sonnenschein Bilder von sich machen. Nur wenige Demonstranten verharren noch auf dem Marktplatz. Einer von ihnen crasht mit einem Schild in der Hand ein Hochzeitsfoto. Die Aufschrift: „Make love, not CO2!“

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