Klimaneutral über die Meere

Von Honduras in die Hansestadt: Ökofrachtsegler „Avontuur“ bringt Kaffeebohnen

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Einsatz am Europahafen – mit Sackkarren entluden mehrere Dutzend Freiwillige die 69 Kilogramm schweren Säcke und schleppten sie auf Lastenräder, die die Bio-Bohnen letztlich ins Kaffeelager transportierten.

Bremen - Von Steffen Koller. „Wir können die Welt nicht ändern. Doch wir wollten ein Zeichen setzen“, sagte Kapitän Cornelius Bockermann am Sonnabend, als er und seine Crew nach fast 12 000 Seemeilen in acht Monaten endlich am Europahafen in Bremen festgemacht hatten. An Bord der „Avontuur“, dem weltweit größten Frachtsegler: Gut 20 Tonnen Kaffeebohnen, die aus Honduras in die Hansestadt gesegelt wurden.

Ein Projekt, das Schule machen und „etwas in den Köpfen anstoßen soll“. 90 Prozent des Welthandels werde über die Ozeane per Containerschiff bewältigt. Dadurch würden tonnenweise giftige Schweröle die empfindlichen Biosysteme belasten, so Bockermann.

Frachtsegler „Avontuur“ macht am Europahafen fest

 © Steffen Koller
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90.000 Frachter pro Jahr, die die schädlichen Schweröle verbrennen – und nur die wenigsten von ihnen könne man als umweltschonend, geschweige denn nachhaltig bezeichnen. Dass das Ganze auch anders geht, eben das zeigte der gebürtige Bremer und Kapitän des Ökofrachtseglers „Avontuur“.

Erster Bremer Biokaffee

Der 58-Jährige und seine 15-köpfige Crew haben seit langer Zeit wieder Kaffee per Segler nach Bremen gebracht. Aber nicht irgendwelchen Kaffee. Insgesamt befanden sich im Frachtraum des knapp 44 Meter langen Zweimastschoners 280 Säcke des ersten gesegelten Bremer Biokaffees „Slokoffie“, der klimaneutral von Honduras an die Weser transportiert wurde, hieß es von den verantwortlichen des Projekts „Timbercoast“.

So klimaneutral, dass sogar der Abtransport vom Schiff ins nahegelegene Lager ausschließlich mit Muskelkraft bewältigt wurde. Mehrere Dutzend Freiwillige hatten sich am frühen Sonnabendnachmittag – zum „Earth Day“ – am Europahafen in der Überseestadt versammelt, um die Bio-Bohnen zunächst mittels historischer Sackkarren an Land zu bringen. Dort angekommen, luden sie die etwa 69 Kilo schweren Säcke auf Lastenräder und transportierten die Ladung ins Kaffeelager. Mit Jubel, Klatschen, Umarmungen von Schaulustigen, Freunden und Familienangehörigen wurden das Projekt sowie die Rückkehr der Schiffscrew gefeiert.

„Wahnsinn, sowas sieht man sonst nur im Museum“

Kurz vorm Löschen der Ladung durften auch die mehreren hundert Interessierten auf die „Avontuur“ und sich im Inneren des 1920 erbauten Schiffes umschauen. „Wahnsinn“, sagte ein Mann, „sowas sieht man sonst nur im Museum.“ Andere waren von der Enge an Bord, den kleinen Details, technischen Daten und dem Zusammenleben auf dem Schiff fasziniert und ließen sich von Crewmitgliedern über das Leben auf den Ozeanen der Welt informieren.

Damit Projekte dieser Art auch in Zukunft weitergeführt und erfolgreich durchgesetzt werden, brauche es „Optimismus, Enthusiasmus und jede Menge Geld“, meinte Bockermann und fügte hinzu: „Die ersten beiden Sachen sind vorhanden. Geld muss man sich erarbeiten.“

Mit einem Augenzwinkern machte er klar: „Die ,Avontuur‘ ist auch nur ein Frachtsegler. Mit ganz normalem Antrieb. Wind“. Etwas zu viel gab es davon am Sonnabend zum Anlegen, meinte der Kapitän. „Doch nur so kann es vorangehen. Da haben wir schon andere Herausforderungen gemeistert.“

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