1000 Schüler zeigen vollen Einsatz

„Hand aufs Herz“: Kleine Retter, großer Ehrgeiz

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Der Splitter im Auge ist stabilisiert und der Körper gewärmt. Celina aus Neustadt am Rübenberge mimt das Unfallopfer, Lena (l.) und Aleyna haben gerade die Wärmefolie angelegt.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Das sieht äußerst böse aus: Ein riesiger Nagel hat sich durch die Hand der Sechstklässlerin Anna-Noelle gebohrt. Doch sie hat Glück. Vier ihrer Mitschüler – Finn, Carsten, Fynn und Lilya – aus den sechsten und siebten Klassen am Gymnasium Buxtehude sind Schulsanitäter und greifen sofort ein. Sie arbeiten konzentriert und unbeirrt, obwohl um sie herum viel Trubel herrscht. Dennoch gut, dass es sich „nur“ um eine Übung handelt.

Rund 1000 Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 10 aus Bremen und Niedersachsen zeigten am Montag an 50 Stationen ihr Können im Bereich Erster Hilfe beim Schülerwettbewerb „Hand aufs Herz“ in der Halle 7 auf der Bürgerweide.

Jetzt die Ruhe bewahren: Der Nagel bleibt drin, muss aber stabilisiert werden, ohne dass der Arm allzu sehr bewegt wird. Die Schüler wickeln einen Verband um den Arm und schützen Anna-Noelle mit einer goldfarbenen Folie vor Unterkühlung. Bald ist es geschafft. Schiedsrichterin Ronja ist zufrieden. Die Schulsanitäter hätten eine Sache gerne noch besser gemacht. „Wir hätten den Nagel gerne noch stabilisieren wollen, aber wir haben in der Ausrüstungstüte keine Kompressen gefunden“, sagt Carsten. Kein großes Manko, etwas später zeigt sich, es waren Kompressen drin, aber die müssen irgendwie verdeckt gewesen sein. Schiedsrichterin Ronja gibt den Tipp, die Unfallstelle gut abzusichern und beispielsweise zu gucken, ob gefährliche Gegenstände auf dem Boden herumliegen. Die Schüler nicken. Sie alle finden, die Übung hat Spaß gemacht.

Notfall: Ein Splitter im Auge

Nebenan ist wieder Erste Hilfe gefragt. Die Geschichte hinter der Übung: Im Werkunterricht ist ein Stück Holz gebrochen. Eine Schülerin hat einen Splitter ins Auge bekommen. An der Übung nehmen vier Schüler der Jahrgangsstufen 7 und 8 aus Neustadt am Rübenberge teil. Als „Unfallopfer“ stellt sich Celina zur Verfügung. Sie ist ruhig, während ihre Mitschülerinnen Lena, Jari und Aleyna ihr vorsichtig einen Verband über die Augen legen. Später sagt sie: „Der Verband hat nicht irgendwie wehgetan und saß ganz angenehm.“ Auch sie wird mit der Folie vor Auskühlung geschützt. Das muss zur Übung auch bei 30 Grad sein.

Wettbewerb „Hand aufs Herz“: Ein großer Nagel steckt in der Hand von Anne-Noelle. Finn hält ihren Arm stabil, von hinten kommt schon die Wärmefolie.

Schiedsrichterin Annika Runge hat einen geschulten Blick. Die Kinderkrankenschwester aus Schwanewede ist sichtlich zufrieden. Doch einen kleinen Tipp hat auch sie: „Ihr hättet mehr mit ihr reden können. Das beruhigt. Ihr habt mehr über sie gesprochen als mit ihr.“ Runge ist von den Fähigkeiten der Schüler in diesem Jahr begeistert: „Die haben viel drauf“, sagt sie. „Auch die Kleinen sind keineswegs unsicher. Sie nehmen es sehr ernst. Und es stört sie wenig, dass die Situation gespielt ist. Die Älteren sind da manchmal etwas scheuer.“

Der Klassiker: die Herz-Lungen-Reanimation

Übung drei ist ein Klassiker: die Herz-Lungen-Reanimation. Eine vierte Übung hat nichts mit Erster Hilfe zu tun, wohl aber mit Gefahren im Alltag. In einem durch Wände abgetrennten Bereich hat die Polizei eine Ampelquerung aufgestellt. Die Teilnehmer sollen die Übung nicht vorher sehen. Schülerin Sarah Kolbert aus Bremerhaven tritt ein, bekommt ein Handy gereicht. Sie hat 120 Sekunden, um die Ampel zu überqueren und eine Nummer anzurufen. Sie drückt den Ampelschalter. Als sie „Grün“ hat, guckt sie nach links und rechts, geht über die Ampel und widmet sich dem Handy erst, als sie auf der anderen Seite angekommen ist. Der Schiedsrichter ist hochzufrieden. Andere telefonieren früh und schauen nicht richtig oder gucken fast gar nicht.

Sven Broska, Geschäftsführer beim Veranstalter Unfallkasse Freie Hansestadt Bremen, ist von der Courage der Schüler begeistert. „Wenn was passiert, auch außerhalb der Schule, dann greifen sie ein“, sagt er. Nachdem im vergangenen Jahr Pause war, soll der Wettbewerb „ziemlich sicher“ nächstes Jahr fortgesetzt werden.

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