Serie: „Mein Kunst-Stück“

Stephan Fritsch mit seinem surrealen Bild „What?!?“

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Eine wachsende Pinocchio-Nase in einem Jungengesicht – ein unerwartetes Element in „What?!?“ und typisch für die Werke von Stephan Fritsch.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „What?!?“ heißt Stephan Fritschs Bild, das er in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Das porträtierte Jungengesicht schielt erschrocken auf seine Nase. „Kleine Eingriffe“ nennt Fritsch die unerwarteten Elemente in seinen Bildern.

Die wachsende Pinocchio-Nase in „What?!?“ beschreibt eine surreale Situation. Das unterscheidet dieses Werk von Stephan Fritschs anderen Bildern, die sonst durch ganz realistische kleine Eingriffe in das Porträt Aufmerksamkeit erregen. Über ein Vierteljahr arbeitete Fritsch an dem 31 Zentimeter mal 37 Zentimeter großen Ölbild.

Obwohl Fritsch die Idee zu dem Bild schon lange im Kopf hatte, näherte er sich der endgültigen Version über viele Versuche an. Am Anfang standen zwei Fotosessions, in denen ein Freund seines Sohnes Modell stand. „Kinder haben einen ganz anderen Zugang zu Emotionen. Mit einem Erwachsenen hätte das Bild wahrscheinlich nicht funktioniert“, sagt der Künstler. Schatten, Farben und Licht setzt er durch etliche übereinanderliegende Lasurschichten. Insbesondere schwarze Lichtschatten seien die absolute Königsdisziplin, sagt Fritsch. Denn Schwarz setze sich aus vielen Farbtönen zusammen.

Seine Ideen kommen dem Meisterschüler spontan oder ergeben sich beiläufig, etwa wenn er in einem Café mit seinem Sohn ein Kartenhaus baut und er daraus später ein Motiv macht. Gerne baut Fritsch kleine Altmeisterzitate in seine Bilder ein. Manche Ideen seien allerdings so schwierig umzusetzen, dass er sie einige Zeit liegenlasse, solange, bis er eine Lösung finde und die Umsetzung funktioniere. Manche Dinge klappten aber auch einfach gar nicht. „Das ist halt so“, sagt Fritsch lakonisch. Dadurch, dass er meist an drei bis vier Bildern parallel arbeitet, haben die Bilder nicht nur genug Zeit zum Trocknen, sondern gewinnt er auch den nötigen Abstand zu seinen Arbeiten, um mit einem neuen Blick weiterzumalen.

Graffiti als Wegbereiter in die Kunst

Zur Kunst fand Fritsch über Graffiti. Die Spraykunst weckte sein Interesse an Klassikern der Moderne und die Lust, selbst Bilder auf Leinwand zu entwickeln. 2005 begann er, Kunst zu studieren. Die mögliche finanzielle Unsicherheit sei eine Konsequenz, die man tragen müsse, sagt der Wahl-Bremer: „Wenn man gut genug ist und viel arbeitet, dann funktioniert das.“

Man wolle ja kein europäischer Superstar werden, sondern nur davon leben. Und da hätte er es in der Malerei leichter als Kollegen anderer Kunstgattungen. Mit der Arbeit beginnt Fritsch früh am Morgen. Dann hat er Ruhe und Tageslicht. Wenn das bei der Arbeit fehle, könne es am nächsten Tag schon mal Überraschungen geben, erzählt er. Den Abend nutzt er gelegentlich, um zu zeichnen oder zu entwickeln. Die Herausforderung sei es, immer sensibel zu bleiben, Dinge aufzunehmen und so in die Malerei umzusetzen, dass sie nicht platt würden. Auch dürfe man sich nicht vom Markt verführen lassen. „Bilder, die sich besser verkaufen lassen, sind noch längst keine besseren Bilder.“

Kunst ist „moderner Luxus“

Ob wir Kunst brauchen? „Nein“, sagt Fritsch, „sie ist ein moderner gesellschaftlicher Luxus.“ Für ihn persönlich aber sei sie ein Muss.

Zu den Künstlern, die für Fritsch besonders bedeutend sind, zählen der italienische Frühbarockmaler Michelangelo Merisi, genannt Caravaggio (1571 bis 1610), und der flämische Maler Jan van Eyck (etwa 1390 bis 1441). Caravaggio hat für Fritsch „die Malerei neu erfunden“. Er malte perspektivisch, mit starken Kontrasten und voller Dynamik. Von van Eyck war Fritsch bei der Betrachtung des Genfer Altars beeindruckt. „Der ist ein völliger Wahnsinn, ein Erlebnis!“

Wenn Fritsch jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann gingen zwei Ölbilder von gebastelten Holzblumen als „zur Kenntnisnahme“, dass sie unsere Bundeskanzlerin ist, an Angela Merkel. „Eigentlich haben die Bilder keine Aussage“, sagt Fritsch, „vielleicht ist das ganz treffend.“

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