Bremer Kunststipendium: Ayse Yildirim aus Izmir im Haus der Bürgerschaft

Klar, exakt und unsichtbar

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Ayse Yildirim, die aktuelle Bremer Kunststipendiatin, in ihrer Ausstellung im Haus der Bürgerschaft. Die Arbeiten der Künstlerin sind dort bis zum 26. Juni zu sehen.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Das ist ja fast Fotografie. Aber es ist keine Fotografie.“ Bürgerschaftspräsident Christian Weber war schon auf der richtigen Spur, als er sich die Bilder ansah, die jetzt vor seinem Büro hängen. Der Sozialdemokrat eröffnete am Dienstag eine Ausstellung mit Arbeiten der türkischen Künstlerin Ayse Yildirim.

Sie lebt und arbeitet seit April in Bremen – im Rahmen des Bremer Kunststipendiums, das die Bürgerschaft und die Bremer Heimstiftung für jeweils drei bis fünf Monate an Künstler aus Bremer Partnerstädten vergeben. „Das ist ein Stück Lebendigkeit unserer Städtepartnerschaften“, sagt Weber. Ayse Yildirim stammt aus Bremens türkischer Partnerstadt Izmir.

Gerade in der gegenwärtigen politischen Situation sei es auch ein Zeichen, eine profilierte Künstlerin aus der Türkei in Bremen zu Gast zu haben, so Weber. Apropos – der Präsident kündigte an, dass eine „kleine“ Bremer Parlamentsdelegation vom 4. bis zum 8. Oktober nach Izmir fahren wird. „Um in dieser politischen Situation deutlich zu machen, wir stehen zu dieser Partnerschaft.“

Studium mit dem Schwerpunkt Malerei

Zurück zur Kunst. Ayse Yildirim wurde 1983 in Adiyaman geboren. Sie ging in Izmir zur Schule und studierte dort Bildende Kunst mit dem Schwerpunkt Malerei. Seit dem vergangenen Jahr arbeitet sie als freie Künstlerin. Als Kunststipendiatin ist sie noch bis Ende Juni in Bremen. Eine Reihe von Arbeiten, die hier entstanden sind, zeigt die Bürgerschaft bis zum 26. Juni.

Es sind Acrylbilder auf Leinwand. Bilder, die auf den ersten Blick grafisch wirken und in ihrer Flächigkeit an Fotografien erinnern, wie ja auch Weber angemerkt hat. Gebäudeflächen sind es – aber keine kompletten Bauwerke, sondern Details.

„Es ist zeitgenössische Architektur“, sagt die Kunsthistorikerin Dr. Katerina Vatsella, Kuratorin des Bremer Kunststipendiums. „Es könnte Dubai sein, es könnte die Bremer Überseestadt sein.“ Es sind, das sei verraten, Gebäude aus Izmir. Aber darum geht es gar nicht. „Es geht um das Zusammenspiel von Leere und Fülle“, sagt Vatsella, „von An- und Abwesenheit.“

„Ein großes Ganzes, das unsichtbar bleibt“

Und: „Es sind Blicke über eine hohe Mauer, hinter der ein Schornstein oder hohe Strahler zu sehen sind. Oder die obersten Etagen von Hochhäusern, mit Fassaden aus spiegelndem oder mattem Glas, Metall oder Sandstein, die in ihrer Klarheit und Exaktheit fast hyperrealistisch erscheinen.“ Das genaue Detail stehe dabei für „ein großes Ganzes, das im Bild unsichtbar bleibt“.

Yildirim habe „eine Präzision, eine Klarheit in der Farbigkeit, das ist schon eine besondere Begabung“, so Vatsella. Die Künstlerin nutzt dabei auch ungewöhnliche Techniken. Acrylmalerei auf Leinwand, Holz- und Linoldrucke treffen unter anderem auf die von Weber schon ins Spiel gebrachten Fotografien. So arbeitet die Künstlerin beispielsweise mit Fotos, die sie auf Folie für Röntgenbilder bringt. Diese bedruckten Folien wiederum übermalt sie dann zuweilen auch.

Menschen sind auf den im Haus der Bürgerschaft gezeigten Arbeiten nicht zu sehen, allenfalls zu erahnen. Ayse Yildirim malt aber auch figürlich, so Vatsella. „Teilweise tauchen präzise gemalte menschliche Gestalten in ihren Arbeiten auf, die in einem luftleeren Raum zu schweben scheinen.“ Auch das ist fast Fotografie. Aber auch noch mehr.

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