Ein Klamauk voller Wortwitz

„Zickenzirkus“ feiert Premiere im Packhaustheater

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Eine Idee von Bloggerin Jennifer: Mundspreizen sorgen für ein künstliches Lächeln und lassen Glückshormone fließen. Im Bild: Fe (Vera Marhold, v.l.), Elke (Heidi Jürgens), Jennifer (Anna-Katharina Fecher) und Panagiota (Marlitt Werner).

Bremen - Von Martin Kowalewski. Es ist viel los auf einem geschlossenen Schrottplatz: Buchhalterin Elke (Heidi Jürgens) sucht verzweifelt ein Ersatzteil: Ein Kratzer ist auf dem Auto ihres Mannes. Schauspielerin Panagiota (Marlitt Werner) will dort in Ruhe eine Vorsprechrolle üben. Sie wird gestört von Jennifer (Anna-Katharina Fecher), die zwar kaum einen fehlerfreien Satz rauskriegt, aber drei Jahre nach den Geschehnissen der Komödie „Tussipark“ eine erfolgreiche Bloggerin geworden ist.

Sie will einen alten Zirkuswagen kaufen, doch in diesem lebt schon jemand: Felicidade (Vera Marhold), kurz Fe. Sie arbeitet als „Erektionsabbautechnikerin“, ein Euphemismus für „Prostituierte“. Der Schrottplatz folgt der Tiefgarage. Mit „Zickenzirkus“ hatte die Nachfolgeinszenierung zu „Tussipark“, ebenfalls aus der Feder von Christian Kühn, am Donnerstagabend Premiere im ausverkauften Packhaustheater. Der an Wortwitz reiche und kurzweilige Klamauk kam hervorragend an.

Nicht auf der Bühne, aber durchaus handlungstreibend sind die Partner der Frauen. Fe hat einen Arbeitskollegen als Freund in einer lockeren Beziehung. Panagiota ist die Affäre eines verheirateten Mannes, mit dem sie früher schon zusammen war. Aufgrund der Affäre glaubt sie, ihrem Mann noch wichtig zu sein. Doch der ändert an seiner Ehe nichts. Jennifers Mann ist Chef in einem Möbelhaus. Ein guter Fang? Ein Telefonat bringt die Wahrheit ans Licht: Er war bei Fe.

Bernd, Ehemann von Elke, interessiert sich eher für Bier und Flips-Tüten als für seine Frau. Das Eheleben brachte Elke offensichtlich so weit zu glauben, das Leben als Single sei nicht nur freier, sondern mache auch schlank. „Wenn Du Single bist, guckst Du, was im Kühlschrank ist und gehst ins Bett. Wenn Du verheiratet bist, guckst Du ins Bett. Wenn Du siehst, was drin ist, gehst Du zum Kühlschrank.“

„Zickenzirkus“ bis 3. Februar

Bestenfalls hängt Bernd an seinem Auto. Elke bringt es auf den Punkt: Sie müsse schon entführt werden, um die Geschichte mit dem Kratzer ins Positive zu wenden. Da helfen ihre drei Weggefährtinnen nach und täuschen eine Entführung vor. Bernd interessiert das überhaupt nicht. Die Unzulänglichkeiten der Männer wirken unerträglich. Doch Fe hat eine Idee: Man-Sharing soll helfen, mit den Männern etwas Positives anzufangen.

Die vier Schauspielerinnen füllen die Rollen gekonnt. Die schlagfertige Fe ist eine Rolle mit Tiefgang, die Vera Marhold mit Coolness und einer sich im Laufe des Stückes erklärenden Ruhe verkörpert. Fes Leben neben der Norm hat einen ernsten Hintergrund: Sie leidet an einem Aneurysma, einer Venenerweiterung im Gehirn. Jeder Tag kann ihr letzter sein. Sie hat eine Liste mit Lebenswünschen fast durchgearbeitet.

Anna-Katharina Fecher zeigt eine Jennifer, die natürlich-unschuldig und immer wieder unmöglich ist: Sie rappt herrlich kräftig ohne einen Ton zu treffen und missversteht Dinge immer wieder eindeutig zweideutig.

„Zickenzirkus“ läuft zunächst bis zum 3. Februar 2018 im Packhaustheater im Schnoor. Karten gibt es unter anderem in den Geschäftsstellen unserer Zeitung.

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