Der King of Pop wirbelt den Himmel durcheinander

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Der Kultstatus Michael Jacksons nimmt auch im Himmel kein Ende.

Bremen - Es ist der 22. Juni 2009 um 22:26 Uhr, als Michael Jackson im Paradies ankommt und die Welt von Weihrauch und Vaterunser durcheinanderwirbelt. Plötzlich dreht sich im Himmel eine Discokugel. Engel entdecken Lust und Liebe.

Kinder werden geboren. Die am Donnerstagabend im Neuen Schauspielhaus in Bremen uraufgeführte Pop-Komödie „Dangerous!“ zeigt auf überdrehte Weise, wie der Jackson-Kult im Jenseits weitergeht. Das Publikum reagierte auf die zweistündige Uraufführung mit verhaltenem Applaus. Im Gegensatz zu der Hochleistung der vier im Jacko-Stil singenden und tanzenden Schauspieler wirkte die Story vergleichsweise schwach.

Während Produktionen wie das Musical „Thriller“ die ungewöhnliche Karriere des Stars zelebrieren, setzt Autor und Regisseur Serge Weber auf eine frei erfundene Märchenwelt. Seine Idee: Welthits wie „The Way You Make Me Feel“ und „We Are The World“ turnen Engel Gabi, Engel Susi, Erzengel Christoph und sogar Beelzebub so an, dass sie die himmlische Rebellion wagen. Als die Vier schließlich mit dem Spaceshuttle auf die Erde reisen, wird die Sache gefährlich: „Dangerous!“.

Doch die Inszenierung endet dort ohne wirklichen Schluss. Auch wenn eine Sprecherstimme aus dem Off ein „Happy End“ ankündigt und noch einmal Jackson-Hits für gute Laune sorgen. Einzelne Szenen wirken überzogen und damit oberflächlich, etwa die immer wieder thematisierte Suche nach der verlorenen Nase des Megastars. Wenn dieser Michael-Jackson-Abend überhaupt funktioniert, dann nur durch all die guten, alten „Jacko“-Songs wie „Billie Jean“ sowie den ruckenden und zuckenden „Moondance“ der Engel.

Zudem werten originelle Regieideen die Szenenfolge auf. Da werden vier Stühle zum Coupé, dahinter eine farbige Lichtwand, davor eine Windmaschine. Liebe und Geburt sind in Kurzversion als Schattenspiel angedeutet. Intelligent auch der Einfall, Jacksons Anwesenheit im Paradies nur anzudeuten: Hier die Hand mit dem legendären Glitzerhandschuh, die aus einem Loch im Bühnenboden winkt. Dort der King of Pop, der an den gebärenden Engeln wie ein Schutzengel vorbeihuscht. Mehr nicht.

Der Schweizer Serge Weber, 1951 in Paris geboren, ist neben seinen Regiearbeiten in erster Linie Komponist und Musikproduzent. Für zahlreiche Inszenierungen des Choreographen Johann Kresnik hat er die Bühnenmusik geschrieben. Diese Zeit solch brachialen Polittheaters sei jetzt allerdings vorbei, sagte Weber vor der Premiere in Bremen: „Die Leute sehnen sich nach modernen Märchen.“ Sein Michael-Jackson-Abend sei aber auch aus der Wut heraus entstanden, dass viele Theater kaputt gespart würden und von der Schließung bedroht seien: „Ich wollte zeigen, dass man auch mit wenig Geld lebendiges Theater machen kann.“

Von Sabine Komm, dpa

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