Zehn Jahre Bundesraat för Nedderdüütsch: Lobbyarbeit für das Plattdeutsche

Im Kindergarten anfangen

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Der Bundesraat för Nedderdüütsch tagt beim Institut für niederdeutsche Sprache im Schnoor. ·

Bremen - Von Thomas KuzajImpulse geben, Ideen von einem Bundesland ins nächste tragen, dem Plattdeutschen eine Stimme geben, die auch gehört wird – seit zehn Jahren kümmert sich der Bundesraat för Nedderdüütsch um eben diese Dinge.

Lobbyarbeit mit Legitimation soll es sein. Dr. Reinhard Goltz, Geschäftsführer des Instituts für niederdeutsche Sprache im Schnoor, ist Sprecher des Bundesraats för Nedderdüütsch. Er sagt: „Es geht darum, langsam, aber kontinuierlich die Stimme des Plattdeutschen in die Politik einzubringen.“ Politik für Platt zu machen, das hat es lange nicht gegeben. Wie kam es vor zehn Jahren dazu, dass damit begonnen wurde?

Nun, der Grund liegt in Europa. Während Europa politisch und wirtschaftlich zusammenwachsen soll, wird regionale Identität besonders betont. Regionalsprachen gehören zu dieser regionalen Identität, sind deren Ausdruck. Goltz: „Die Idee, dass man für eine Sprache, für ein Kulturgut Politik macht, ist relativ neu. Ausgelöst wurde sie sicher durch die EU-Sprachencharta.“

Die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen, so ihr Name in voller Schönheit, wurde 1999 in Deutschland Gesetz. Die Charta verpflichtet Deutschland dazu, Sprachen wie das Plattdeutsche zu pflegen, zu fördern und zu schützen. Der Bundesraat för Nedderdüütsch achtet darauf, dass diese Verpflichtung eingehalten wird – nicht allein auf Bundesebene, sondern auch in den Ländern. Denn: „Kulturpolitik ist Angelegenheit der Länder.“

Und so steht der Bundesraat för Nedderdüütsch in Kontakt mit den jeweiligen Ministerien. „Politik machen kann man am besten über Strukturen“, sagt Goltz denn auch. Der Bundesraat selbst hat sich auch eine klare Struktur gegeben.

Jedes Land, in dem Platt gesprochen wird, schickt zwei Delegierte in den Rat – Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Hinzu kommen zwei Vertreter des Plautdietschen, einer preußischen Form des Niederdeutschen, die von vielen Spätaussiedlern aus Russland gesprochen wird. Der Bundesraat för Nedder düütsch trifft sich dreimal jährlich in Bremen, um Grundlegendes zu besprechen. So hat der Rat Thesen zur Kultur-, Bildungs- und Medienpolitik formuliert.

Apropos Bildung  – als Erfolg gilt, dass Hamburg 2010 Plattdeutsch als Unterrichtsfach in der Schule eingeführt hat. Der Bundesraat för Nedderdüütsch wünscht sich dies auch für andere Bundesländer. „Bildungspolitik ist zentral“, sagt Goltz. Klar – vielerorts wird das Plattdeutsche heute nicht mehr in der Familie weitergegeben. Während es in manchen Landstrichen sehr verbreitet ist, fehlt diese Präsenz in den Großstädten. Zukünftige Platt-Sprecher müssen auf neue Weise gewonnen werden, und gerade Kinder beschäftigen sich gern mit Sprachen. Mehrsprachigkeit gilt als „Ressource der Zukunft“. Gegenwärtig gebe es Gespräche mit den Kindergärten des Roten Kreuzes in Schleswig-Holstein, sagt Goltz.

Großen Handlungsbedarf sieht er auch noch in einem ganz anderen Bereich: „Wir sind jetzt dran am Thema Plattdeutsch in der Pflege. Da muss mehr passieren, als bisher geschehen ist.“

http://www.bundesraat-nd.de

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