Nach 33 Jahren verlässt Uta Bernsmeier das Bremer Focke-Museum

Keramik zum Sprechen bringen

„Bewusstsein für Materialien“ – die Kunsthistorikerin Uta Bernsmeier in ihrem Büro im Focke-Museum.
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„Bewusstsein für Materialien“ – die Kunsthistorikerin Uta Bernsmeier in ihrem Büro im Focke-Museum.

Bremen – Glas, Silber, Keramik. Die schönen Dinge sind es oft, mit denen die Kunsthistorikerin Dr. Uta Bernsmeier im Focke-Museum zu tun hat. A ngewandte Kunst, das ist der Bereich, den sie dort als Oberkustodin betreut. Seit 33 Jahren ist Bernsmeier am Focke-Museum in Schwachhausen, sie hat die Entwicklung des Hauses in dieser Zeit mitgeprägt, Ausstellungen kuratiert, Bücher veröffentlicht. Ende Januar geht sie in den Ruhestand.

Vasen, Pokale, Schalen – zu den schönen Dingen erzählt Bernsmeier gern Geschichten. Dabei geht es nicht um „schöne“ Geschichten, es geht um Zusammenhänge, um Kontextualisierung. Dadurch bringt Bernsmeier Glas, Silber und Keramik zum Sprechen – indem sie die schönen Dinge erzählen lässt von gesellschaftlichen Entwicklungen, von Kunst- und Geschichtsepochen.

Ja, gerade das sei das Reizvolle an der Arbeit in einem kulturhistorischen Museum mit einem derart breiten Spektrum, wie das Focke-Museum es bietet, sagt Bernsmeier. Angewandte Kunst und Geschichte, diese beiden Erzählstränge würden sich wieder und wieder verbinden in diesem Haus. Unter welchen Bedingungen ist ein kunstvoll gearbeitetes Glas entstanden? Wer konnte über einen aufwendig gefertigtes Möbelstück verfügen? Wem diente ein silberner Pokal zur Repräsentation – und zu welchem Anlass?

Angewandte Kunst mit historischen Fragen verbinden

Sozial-, kultur- und wirtschaftshistorische Fragestellungen kreuzen sich mit Bernsmeiers Arbeitsbereich. Angewandte Kunst lässt sich dadurch auch in die Gegenwart holen. Ein weiterer Aspekt kommt hinzu: „Ein Bewusstsein für Materialien und Herstellungsprozesse zu vermitteln.“ Bildende Künstler und Kunsthandwerker seien einst als gleichrangig angesehen worden. Die getrennte Betrachtung sei „relativ neu, sie begann mit der Akademisierung“, so Bernsmeier. „Bauhaus und Werkbund waren dann die Gegenströmungen dazu.“

Wie aber kommt eine Kunsthistorikerin dazu, ein ganzes Arbeitsleben der Angewandten Kunst zu widmen? „Dazu bin ich bei meinem Volontariat in Stuttgart gekommen, dort habe ich mich sehr intensiv mit der Kunst um 1800 beschäftigt.“ Die Zeit der Französischen Revolution, des erstarkenden Bürgertums. „Die Rückbesinnung auf klassische Formen der Antike als Ausdrucksträger einer freien Gesellschaft“, sagt Uta Bernsmeier.

Dann hörte die Kunsthistorikerin von der Stelle am Focke-Museum in Bremen. Gebürtig aus dem westfälischen Münsterland sei sie gerne in den Norden gegangen, sagt Bernsmeier. Bremen habe sie damals auch schon gekannt. „Ich mag die Stadt und das Umland sehr.“

Bernsmeier erforscht das Werk von Auguste Papendieck

In Stuttgart sei sie beglückwünscht worden, als die erzählte, sie gehe nach Bremen. Der Grund: „Sie werden die Arbeiten von Auguste Papendieck kennenlernen!“ Die Keramiken der Bremer Töpferin, die von 1873 bis 1950 lebte, hat Bernsmeier dann sehr gut kennengelernt. Das Focke-Museum besitzt mehr als 150 Arbeiten der Künstlerin. Vom Entwurf bis zur Ausführung machte sie in ihrer Werkstatt am Achterdiek (Horn) alles selbst, alles allein. In ihrer Eigenständigkeit gab die Bremerin dem Kunsthandwerk wichtige Impulse. Uta Bernsmeier hat Papendiecks Wesen und Wirken grundlegend erforscht; Höhepunkt: Ausstellung und Buch im Jahr 2014.

„Der Keramiker muss mit dem Feuer fühlen“, sagte Bernsmeier, als sie damals durch die Ausstellung führte. Ein charakteristischer Satz. „Wenn Feuer im Spiel ist, dann wirken auch die Elemente mit; man muss das Material kennen“, sagt sie im Gespräch heute – und meint damit Dinge, für die es in der digitalisierten Welt „keine Entsprechung“ gebe. Und das wiederum zeige, wie sich die Anforderungen an die Wissensvermittlung im Museum wieder und wieder verändern. Eine der Fragen heute: „Was kann ein Digital Native damit anfangen?“

Es sind Fragen, die Uta Bernsmeier auch weiterhin beschäftigen werden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei mir nichts auf dem Schreibtisch liegt.“ Unter anderem plant sie, Beiträge für den Blog des Focke-Museums zu schreiben. Und sonst? Bernsmeier antwortet mit einem Zitat der Schriftstellerin Rahel Varnhagen von Ense (1771 bis 1833): „Ich lasse das Leben auf mich regnen.“

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