„Sommermomente“: Kennerblick fürs Maritime

Schiffe schauen – Einblick in Seefahrtsgeschichte der Schlachte

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Der Lieblingsort von Heinrich Ortmann: die Teerhofbrücke. Hier sei der schönste Blick auf Bremen zu haben, erzählt er bei seiner Führung „Schiffe schauen an der Weserpromenade“.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Heinrich Ortmann zeigt in Richtung der Stephanibrücke und sagt: „Das ist die letzte Brücke vor Amerika. Brücken verbinden Menschen, aber sie behindern Schiffe.“ Die letzte Kneipe vor Amerika stehe in Bremerhaven. So dürften auch Seefahrer die Sache sehen.

„Schiffe schauen an der Weserpromenade“ ist ein zweistündiger Spaziergang mit Heinrich Ortmann, angeboten von der Touristik-Zentrale in Bremen, den wir heute in unserer Serie „Sommermomente“ vorstellen. Der 76-Jährige weiß sehr viel über die Weser und die zu sehenden Schiffe sowie alle Anlagen in der Umgebung und erzählt dies in einem angenehmen Plauderton.

Das „Moin“ ist den Deichbauern aus Holland zu verdanken

Ohne die Weser wäre Bremen nicht entstanden, so der Tourleiter. Und sie ist ein besonderer Fluss. „Die Weser hat 430 Kilometer Schifffahrtsweg. Er ist der einzige Fluss, der von der Entstehung bis zur Mündung in Deutschland liegt. In Bremerhaven hat er eine Mündungsbreite von 3600 Metern“, sagt Ortmann. „Für einen solchen Vorteil wurden in anderen Ländern Kriege geführt. Man muss niemanden fragen, ,Ich will raus‘ oder ,Ich will nach Haus‘.“

Ortmann blickt auf die Weser und erkennt sofort: „Wir haben gerade ablaufendes Wasser.“ Der Pegel sinkt also. Aus dem Wasser ragen Metallpfeiler. Ein ganzes Stück über der Wasseroberfläche sind gelbe Markierungen angebracht. „Bis dahin darf das Wasser steigen“, sagt Ortmann. Dann wäre die Weserpromenade allerdings kein guter Aufenthaltsort mehr. „Die ist drei- bis viermal im Jahr überschwemmt“, so Ortmann weiter. „Der normale Tidenhub macht 3,80 bis 4,20 Meter aus.“

Bei dieser Gelegenheit kommt Ortmann auf ein weiteres, sehr regionales Thema zu sprechen: das Grußwort „Moin“. Dies würden die Norddeutschen den Deichbauern aus Holland verdanken. „Das kommt vom holländischen ,Moi‘, was soviel heißt wie ,schön‘. Das haben die Vorgesetzten zur Begrüßung der Arbeiter gesagt“, so Ortmann.

Sperrwerke haben Bohlen ihrer Aufgabe beraubt

Die Tour führt eine Treppe zur Schlachte hinauf. An den Mauern seitlich des Aufgangs zeigt Ortmann Lücken. „Das sind Sperren, um Bohlen als Schutz vor Überflutung einzusetzen. Die werden allerdings nicht mehr gebraucht, da seit 1982 die Sperrwerke in den Nebenarmen der Weser in Betrieb sind“, erklärt er. Heute ist ein Geländer davor. An anderer Stelle zeigt er ein Stück an der Mauer, an dem die Steine heller sind. Ein zugemauerter Eingang.

Weiter geht es die Promenade entlang. „Sobald der Mensch ein Schiff betritt, verlässt er den Alltag“, sagt Ortmann. Genau in diesem Moment fährt das Passagierschiff „Gräfin Emma“ vorbei. Doch Schiffsflair ist auch in anderen Situationen für Besucher interessant, etwa bei Hochzeiten. Der Weg führt vorbei an der „Perle“, ehemals ein Passagierschiff, heute ein Hotelschiff. „Hier können 25 Leute feiern. Bei Hochzeiten schläft das Paar danach an Bord“, so der Tourleiter.

Alle Kabinen der 1906 gebauten „Alex“ noch intakt

Die Tour erreicht einen Lieblingsort Ortmanns: die Teerhofbrücke, erbaut 1993. In der Mitte bleibt er stehen. „Von dieser Brücke hat man den schönsten Blick auf Bremen“, sagt er. Auf der einen Seite liegen die Schiffe „Weserstolz“, „Admiral Nelson“ und das ehemalige Segelschulschiff „Alexander von Humboldt“. Der Weg führt erstmal zum Teerhof auf die andere Seite. „Auf dem Teerhof wurden früher Schiffe gebaut und kalfatert. Dabei werden Schiffsplanken abgedichtet, unter anderem mit Teer“, erklärt er. „Dafür braucht man Feuer, und das ist gefährlich für die Häuser der Stadt.“ Darum habe man diese Arbeiten auf der Teerhofinsel gemacht. Zurück geht es über die Brücke. Bald ist das „Pannekoekschip“, die „Admiral Nelson“ erreicht. Ein kurzer Abstecher, im Restaurant an Bord dominiert Piraten-Look. Gleich gegenüber dem Eingang schaut eine hölzerne Meerjungfrau den Besuchern entgegen. „Die hängt normalerweise vorne am Bug. Etwas Schönes soll bei der Fahrt vorausgehen.

Die Tour erreicht die „Alex“. Der Wasserspiegel ist im Vergleich zum Anfang der Tour stark gesunken. „Das Schiff wurde 1906 gebaut. 1988 wurde es bekannt als Werbe-Schiff für Beck's Bier“, sagt Ortmann. „Die grünen Segel sind jetzt aufgefaltet. Ein leichter Wind würde reichen. Dann würde es hier nicht liegenbleiben.“ Die Kabinen sind alle noch intakt. Auch der „Puma-Käfig“ ohne Fenster, aber mit Betten für acht Männer. Bei dieser Vorstellung ist es schön, an der frischen Luft zu sein.

Das nächste „Schiffe schauen an der Weserpromenade“ findet am Sonnabend, 12. August, um 16 Uhr statt. Treffpunkt: das Loriot-Sofa bei Radio Bremen an der Straße Diepenau. Kosten: 7,50 Euro. Infos unter 0421/3080010 und auf der Homepage bremen-tourismus.de.

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