Polizei-Nachwuchs kontrolliert

Kelle raus: „Gelbe Karte“

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Erster Bürgerkontakt mit einer Verwarnung: Angehende Polizisten halten ein Auto in der neuen Fußgängerzone Knochenhauerstraße in der Bremer Innenstadt an.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Das gibt die „Gelbe Karte“. Kelle raus, Zwei Männer in Polizei-Uniformen halten ein Motorrad an und erklären dem jungen Fahrer, dass er in einer Fußgängerzone gelandet ist. Die Straße ist nur frei für Radfahrer. Der Motorradfahrer nickt einsichtig. Die beiden Männer sind Polizisten in Ausbildung.

Heute springen sie ins kalte Wasser: Der erste berufliche Kontakt mit dem Bürger. Sie verteilen Ermahnungen, um nochmal ohne Sanktionen auf die Mitte Mai eingerichtete Fußgängerzone in der Knochenhauerstraße zwischen der Carl-Ronning-Straße und Kleine Hundestraße hinzuweisen.

Am Anfang der 150 Meter langen Fußgängerzone stehen auf beiden Seiten der Straße Schilder: „Fußgängerzone: Radfahren erlaubt.“ Auf der Fahrbahn ist nochmal riesengroß das runde Symbol „Fußgängerzone“ gemalt, umgeben von einem noch größeren weißen Quadrat. Dennoch fahren immer wieder Fahrzeuge ein. „Der Mensch neigt zur Bequemlichkeit. Er kürzt gern ab“, sagt Enno Smidt, stellvertretender Leiter des Reviers in der Innenstadt. „Die Fahrer müssen aber den kleinen Umweg hinnehmen.“

Kleinbus wird aufgehalten

Kelle raus. Ein Kleinbus wird aufgehalten. Eine kurze Erklärung. Der Fahrer nickt und nimmt die „Gelbe Karte“ mit. Ein angehender Beamter macht noch eine weite Bewegung mit dem Arm und deutet bei seinen Erklärungen die richtige Fahrtroute an. Dann legt der Kleinbus den Rückwärtsgang ein und fährt zurück, zur Carl-Ronning-Straße. Der Mann mit der Kelle geht an dem Auto vorbei und hält kurz den nachströmenden Verkehr auf.

Kelle raus. Eine Dame in einem großen Mercedes bekommt die „Gelbe Karte“, dann ein Auto mit fremden Nummernschild. Am Steuer ein Mann aus Polen. Alles läuft ruhig. Die Polizeianwärter machen ihren Job. Die Männer und Frauen in Uniform erleben weiterhin einen ruhigen ersten Kontakt zum Bürger, zumal es nur die „Gelbe Karte“ gibt, ein Warnhinweis. Vorne ist der „Bremer Schlüssel“ aufgedruckt. 

Auf der Rückseite stehen allerdings die möglichen Sanktionen für weitere Verstöße gegen das Fahrverbot in der Fußgängerzone: 20 Euro für Personenwagen, ab 3,5 Tonnen 75 Euro. Parken im Fußgängerbereich wird mit 30 Euro geahndet, 35 Euro für Parken mit Behinderung. Die Gefährdung eines Fußgängers im Fußgängerbereich macht 70 Euro. Diese Sanktionen werden ab nächster Woche verhängt. Dann dürften die Gespräche für die jungen Polizisten in Ausbildung anstrengender werden.

Freundlicher Kontakt zu Bürgern wichtig

„Wir haben den Bürgerkontakt in Rollenspielen geübt. Die Ansprache muss freundlich, aber auch auf Sicherheit bedacht sein“, sagt Christian Mohrig, Chefausbilder bei der Bremer Polizei. Ein bisschen Verständnis für die Angehaltenen hat er schon. „Am Anfang der Fußgängerzone steht ein ziemlicher Schilderwald und die Baustelle verwirrt auch“, sagt er. „Meist fahren Leute rein, die hier oft durchgefahren sind. Die achten nicht mehr auf die Schilder. Auch sie sind zur Aufmerksamkeit verpflichtet.“

Am Anfang des Einsatzes geht es allerdings kurz hoch her. Als Chefausbilder Mohrig und Revierleiter Smidt nach ihrer Ankunft aus dem Auto steigen, treffen sie auf zwei flüchtige Ladendiebe, verfolgt von weiteren Menschen. Auch die beiden erfahrenen Beamten nehmen die Verfolgung auf, ergreifen die Ladendiebe und liefern sie an der Wache ab. Dann sind sie schnell wieder da. „Das nennt man Beifang“, sagt Smidt. Gestohlen worden seien vor allen hochwertige Kosmetikartikel, ergänzt er.

29 Polizeianwärter, allesamt im zweiten Semester an der Hochschule für öffentliche Verwaltung an der Doventorscontrescarpe in Bremen, beginnen an diesem Tag ihre fachpraktische Studie mit erstem Bürgerkontakt. Sie durchlaufen mehrere Stationen in der Innenstadt und klären auch über Raub und Taschendiebstahl auf.

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