SERIE MEIN KUNST-STÜCK Martin Michael Krone und „Der Sprungturm“

Von der Kelle zur Kunst

„Der Sprungturm“ heißt das Werk von Martin Michael Krone, das er in unserer Reihe „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es handelt sich um ein bearbeitetes Foto des Stadionbad-Sprungturmes. Foto: MESTER

Bremen - Von Christiane Mester. Das Motiv ist ein beliebtes Ausflugsziel, das viele Bremer kennen. Nur ist der dargestellte Sprungturm des Stadionbads für den Betrachter nicht deckungsgleich mit dem inneren Bild von diesem Ort. Die verfremdete Farbgebung stellt die gewohnte Ansicht infrage. Mit seinem Werk „Der Sprungturm“ ist Martin Michael Krone Teil unserer Serie „Mein Kunst-Stück“.

Der Blick fällt unweigerlich auf den Sprungturm; es ist der Mittelpunkt des Bildes und wirkt fast hyperrealistisch. Auf der Suche nach dem Erwartbaren, dem Blau des Wassers, wird das Auge irritiert. Der horizontale Streifen in der Bildmitte mutet an wie eine Schwimmbahn – aber das kann nicht sein. Die Draufsicht auf das vermutlich kühle Nass zieht zwangsläufig die sicher geglaubte Frontalansicht des Turms in Zweifel. Das auf Logik fixierte Gehirn gerät in einen Konflikt, der aufgelöst werden will: Wurden hier zwei Bilder zu einem verschmolzen? Und ist es eigentlich gemalt oder ein Foto? Das sind Fragen, die Krone häufig zu hören bekommt. „Es ist ein Fotodruck auf Leinwand“, verrät der 58-Jährige, der hauptberuflich in einem Architekturbüro arbeitet und nebenbei mit anderen Künstlern die Galerie „Tunnelblick“ in der Bremer Innenstadt betreibt. Sein Interesse für die Kunst habe er auf Umwegen entwickelt.

Krone hat in seinem bisherigen Leben drei Studiengänge absolviert und eine Berufsausbildung gemacht. Zunächst studierte er Chemie und Biologie, weil er mal „ganz groß in den Naturschutz“ einsteigen wollte, wie er seine Fächerwahl begründet. Dann, viele Jahre später, begann Krone noch ein Architekturstudium, das er wiederum erst nach Abschluss einer Maurerlehre zu Ende führte. Es war die handwerkliche Arbeit auf den Baustellen, die ihn vor zehn Jahren zur Fotografie brachte. Angefangen hat es mit Vorher-Nachher-Bildern, mit denen er seine Arbeit dokumentierte oder festhielt, wo in einer Wand die Leitungen verlaufen. Mit der Zeit wurde aus dem Notwendigen eine Freude. „Da war plötzlich die Lust am Fotografieren“, erzählt Krone, wie er von der Kelle zur Kunst kam.

Die Kamera schweifte immer öfter ab. Eine halbfertig verputzte Wand, grob freigelegte Rohre oder die wirren Kabelenden eines Stromanschlusses wurden zu Motiven. Auch der Blick weit oben vom Gerüst hinunter in die Tiefe fiel ihm plötzlich als besonders auf – vor allem Strukturen und das Spiel mit Perspektive reizen ihn, erklärt Krone, welche Momente ihn zur Kamera greifen ließen. Besonders mag er es, wenn das fertige Bild zur Denkaufgabe für den Betrachter wird. So wie „Der Sprungturm“, für den er künstlerisch einen Schritt weiter ging.

Es war ein sonniger Tag im Jahr 2012, als Martin Michael Krone den Deich am Weserstadion entlangradelte und das Stadionbad vor ihm auftauchte. „Mich hat das Blau einfach angezogen“, beschreibt er, was ihn auf die Bremse treten ließ. Durch die groben Maschen des Zauns schoss er ein schnelles Foto. Viel darüber nachgedacht habe er nicht. „Ich habe das Bild mit nach Hause genommen, ohne zu wissen, dass ich da überhaupt hin will“, sagt er mit einem Fingerzeig auf das fertige Werk. Es war dieser eine Abend am Computer, der ihn dahin brachte. Krone fing an, sich mit der digitalen Bildbearbeitung zu beschäftigen.

„Ich saß am Rechner und habe einfach rumprobiert“, berichtet er. Ziemlich ziellos sei das verlaufen. Sozusagen aus Spaß an der Freude „ein bisschen an den Reglern rumgemacht und über Spiegelung oder Farbintensität und Kontraste versucht, was rauszuholen“. Ganz zum Schluss habe er alles ins Negativ verkehrt. „Das war der Augenblick, in dem für mich alles stimmig war“, sagt er. Und mit diesem Wissen stimmt auch für den Betrachter das Abbild des Sprungturms wieder mit dem wahrhaftigen Ort überein. „Das Rote da unten, das ist das Wasser“, löst Krone das Rätsel auf.

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