„Tina Turner – The Rock Legend“ im Musicaltheater hinterlässt gespaltene Eindrücke

Keine Zeit für Zauber

Tess „Dynamite“ Smith mimt in „Tina Turner – The Rock Legend“ den legendären Rockstar. Bei der Show im Musicaltheater am Richtweg waren rund 800 Zuschauer dabei. - Foto: Sussek

Bremen - Von Ralf Sussek. „Tina Turner – The Rock Legend“ wird als Musical angekündigt, aber das ist es sicher nicht. Es ist ein bisschen von allem: Theater, Chronik und Konzert. Dass Tina Turner nicht selbst auf der Bühne steht, merkt man zuweilen kaum. Tess „Dynamite“ Smith sei Dank. An ihr liegt es nicht, dass dieser Abend im Musicaltheater gespaltene Eindrücke hinterlässt.

Wir wagen den Vergleich: Das erste Konzert Tina Turners in der Berliner Waldbühne. Es ist der 31. Mai 1990, ein lauer Frühlingsabend in der Freiluftarena. Turner hat den – Verzeihung, Wortspiel – Turnaround geschafft, hat vor sechs Jahren ihrer dahinsiechenden Karriere einen Schub gegeben, den auch Optimisten nicht für möglich gehalten hätten. Ist jahrelang durch kleine Clubs getingelt, was nichts mit fehlender Qualität zu tun hat; die hat sie über die Jahre gehalten. Nur der kommerzielle Erfolg fehlt halt. Bis die Plattenfirma Capitol Records 1983 eine Coverversion des Al-Green-Hits „Let’s Stay – Together“ aufnimmt – und mit Top-Platzierungen in den Charts, zum Beispiel Platz sechs in England, belohnt wird. Ein Jahr später folgt dann das Album „Private Dancer“ mit der Single-Auskopplung „What’s Love Got to Do with It“.

Sechs Jahre später dann eben Berlin. Die Mauer ist vor ein paar Monaten gefallen. Ein politisches Erdbeben. Bringt Tina Turner auch deshalb die Waldbühne zum Beben? „Irgendwann stieg der Druck so, man musste einfach mitmachen“, sagt eine Frau, die bei diesem Konzert dabei war – und die ein bisschen was von dieser einmaligen Stimmung im Musicaltheater noch einmal erleben möchte.

Was ihr am Mittwochabend nicht gelingt. Eine solche, stetige Steigerung ist nicht zu spüren. Es dauert eine geschlagene Viertelstunde, bis Tess Smith zum ersten Mal die Bühne betritt. Die erste Hälfte der Vorstellung ist ein Warmlaufen, eine Aneinanderreihung von Spielszenen, die wichtige Stationen im Leben von Anna Mae Bullock, so ihr Geburtsname, wiedergeben. Ihr erster Auftritt, das Kennenlernen von Ike Turner, der ihr den Namen Tina Turner verpasst und den sie später auch heiraten wird. Eingestreut: Songs aus dieser Zeit, zwischen denen Tess rasant ihre Outfits wechselt. Einmal fordert „Tina“ ihr Publikum auf, aufzustehen, mitzugehen, aus sich herauszugehen. Das klappt richtig gut – und dann ist Pause. So kann kein Zauber entstehen.

Teil zwei der zweieinhalbstündigen Show ist dann das Konzert mit vielen Hits von Tina Turner aus ihrer Erfolgszeit. Da passen Aussehen, Mimik und Gestik von „Tess“ oft haargenau, ohne dass sie sich in die Gefahr einer reinen Kopie begibt. Wer sich nicht auf die Unterschiede konzentriert, kann sich zeitweise dem echten „Tina“-Gefühl hingeben. Bis das dann wieder unterbrochen wird und er bei einem kurzen Trip in die Vergangenheit erfährt, dass Tina Turner noch immer Weltrekordhalterin ist (Solokünstlerin mit dem größten Konzertauftritt 1988 im Maracanã-Stadion in Rio vor 188 000 Menschen). Und auch beim legendären, in der Waldbühne einst alle Dämme brechenden „Nutbush City Limits“ fehlt es dann schlicht am originären Crescendo, das sich eruptiv Erleichterung verschafft. So taugt der Abend nicht für das große Gefühlsrevival, wohl aber für schöne Erinnerungen an eine große Künstlerin.

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