Stadtteilgenossenschaft Hulsberg: „Traum ist aus“ / Klinik klärt Bedarfe

Bremen: Keine Wohnungen im Bettenhaus

Von der Abrissliste gestrichen? Das neungeschossige Bettenhaus auf dem Gelände des Klinikums Mitte (hinten) wird womöglich für den Klinikbetrieb erhalten bleiben. Die Stadtteilgenossenschaft jedenfalls sieht ihren Traum von einem „Leuchtturm-Wohnprojekt“ geplatzt. Im Ärztehaus (im Vordergrund) ist vor wenigen Wochen der Betrieb aufgenommen worden. Es ist der erste Neubau im „Neuen Hulsberg-Viertel“.
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Von der Abrissliste gestrichen? Das neungeschossige Bettenhaus auf dem Gelände des Klinikums Mitte (hinten) wird womöglich für den Klinikbetrieb erhalten bleiben. Die Stadtteilgenossenschaft jedenfalls sieht ihren Traum von einem „Leuchtturm-Wohnprojekt“ geplatzt. Im Ärztehaus (im Vordergrund) ist vor wenigen Wochen der Betrieb aufgenommen worden. Es ist der erste Neubau im „Neuen Hulsberg-Viertel“.

Bremen – „Der Traum ist aus.“ Peter Bargfrede, Margot Müller und die von ihnen gegründete Stadtteilgenossenschaft Hulsberg müssen von ihren Plänen abrücken, im Bettenhaus auf dem Areal des Klinikums Bremen-Mitte ein „vertikales Dorf“ zu bauen und zu bewohnen.

Die Verwirklichung des „Leuchtturm-Wohnprojekts“ sei letztlich auch Corona zum Opfer gefallen. Das Bettenhaus solle weiterhin für klinische Zwecke genutzt werden. Das haben Bausenatorin Maike Schaefer (Grüne) und Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) laut Bargfrede in einer Videokonferenz den Vertretern der Stadtteilgenossenschaft mitgeteilt. Demnach fehle im rund 300 Millionen Euro teuren Klinik-Neubau Raum für eine Bildungsakademie und eine pandemiefähige Station. Kostenkalkulationen hätten den Angaben zufolge zudem ergeben, dass ein Umbau des Bettenhauses für diese Zwecke kostengünstiger zu realisieren sei als der Umbau eines anderen Bestandsgebäudes. „Das kann ich so nicht bestätigen“, sagte Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts, auf Nachfrage. „Aktuell sind die Bedarfe der Klinik-Holding Gesundheit Nord noch nicht abschließend geklärt und daher auch die weitere Verwendung für das Bettenhaus nicht.“

Das neungeschossige Bettenhaus mit einer Nutzfläche von 7 500 Quadratmetern sollte ersten Plänen zufolge abgerissen werden und dem Neubau eines Parkhauses weichen. Bargfrede und Müller riefen dann eine Stadtteilgenossenschaft ins Leben, mit dem Ziel, das Bettenhaus zu erhalten und in jenem Zentralgebäude der Klinik ein „attraktives, bezahlbares und sozial gemischtes Wohnbauprojekt“ zu schaffen. Von bis zu 100 Wohnungen war die Rede.

Keine Wohnungen im Bettenhaus:
Weitere Kliniknutzung?

Abgerissen wird das Bettenhaus vorerst wohl nicht. Das heftet sich die Genossenschaft auch als ihren Erfolg auf die Fahne. „Der Erhalt kommt dem Klinikum Mitte und der Allgemeinheit zugute“, sagt Bargfrede. Die Genossenschaft will ihren Traum immer noch Wirklichkeit werden lassen – sie hat sich im Neuen Hulsberg-Quartier, das auf dem Klinikgelände entstehen soll, zwei andere Baufelder ausgeguckt. Zunächst erwarten Bargfrede und Co. einen Ausgleich für ihre finanziellen Vorleistungen. 72 000 Euro seien bislang unter anderem für Architektenleistungen, Wirtschaftlichkeitsberechnungen und Schadstoffgutachten investiert worden, heißt es.

Ein Teil der Hulsberg-Genossenschaft ist derweil bereits abgewandert – ins Stiftungsdorf Ellener Hof der Bremer Heimstiftung. Dort sollen knapp sechs Millionen Euro in ein das Projekt „Casa Colorida“ gesteckt werden, ein Mehrgenerationshaus mit 25 Wohnungen. Von denen ist lediglich eine noch zu vergeben, heißt es. Der Baubeginn wird fürs nächste Frühjahr angepeilt.

Keine Wohnungen im Bettenhaus:
Alternative „Casa Colorida“

Zurück ins geplante Neue Hulsberg-Viertel. Auf den freiwerdenden Klinikflächen sollen in den nächsten Jahren Stück für Stück auf 14  Hektar rund 1 100 Wohnungen entstehen. Diverse Grundstücke hat die federführende Grundstücksentwicklungsgesellschaft Klinikum Bremen-Mitte (GEG) verkauft, weitere Flächen sind im Verkaufsverfahren. „Wir arbeiten aktuell am nächsten Verkaufsverfahren für Baugemeinschaften“, sagte GEG-Geschäftsführer Florian Kommer.

Auf der Abrissliste: „Haus 10“, in dem heute unter anderem die Dermatologie untergebracht ist.

Im Spiel sind bereits vier bekannte Bremer Projektentwickler. Als Bietergemeinschaft „Vier Quartier“ haben sich die Gebrüder Rausch, Interhomes, die Specht-Gruppe und Stefes den Zuschlag für das „St.-Jürgen-Quartier“ gesichert, ein großes Wohnungsbaugebiet zwischen St.-Jürgen-Straße und Am Schwarzen Meer. Das Grundstück hat eine Größe von etwa 29 000 Quadratmetern. Zudem sollen im denkmalgeschützten „Haus 8“ auf dem Klinikareal (zuletzt: Augenklinik und Urologie) unter anderem eine Markthalle und ein Designhotel entstehen.

Keine Wohnungen im Bettenhaus:
Abrisspläne werden konkret

In weiteren Gebäuden (Pharmakologie, Frauenklinik, Patientenfahrdienst) soll den Plänen zufolge noch bis Sommer 2021 Klinikbetrieb herrschen. Dann werden diese Gebäude und der Bunker an der St.-Jürgen-Straße abgerissen. Die ersten Bewohner des St.-Jürgen-Quartiers sollen Weihnachten 2025 in ihren neuen Häusern feiern können, hieß es bei der Projektpräsentation im Januar dieses Jahres.

Von Jörg Esser

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