Verdächtige nach Überfall frei: Staatsanwaltschaft wehrt sich gegen Kritik

„Es gab keine Haftgründe“

Bremen - Von Ralf SussekDie Bremer Staatsanwaltschaft wehrt sich gegen Kritik an ihrem Vorgehen nach dem Überfall auf eine Familie in Walle.

Wie berichtet, hatten vier junge Männer (18 bis 20 Jahre alt) eine türkische Familie in ihrem Haus überfallen, die Eltern (47 und 49) mit Kabelbindern gefesselt. Nachbarn alarmierten die Polizei. Als die Beamten eintrafen, flüchteten die vermummten und mit Messern bewaffneten Männer. Sie wurden festgenommen.

Laut Polizei sind die Verdächtigen mit „Gewalt- und Eigentumsdelikten“ aufgefallen. Und es hieß: Die Staatsanwaltschaft habe „keine Haftgründe gesehen“.

Folgerichtig stellte sie auch keine Anträge auf den Erlass von Haftbefehlen, sagte nun der Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft, Frank Passade, im Gespräch mit dieser Zeitung. „Die rechtlichen Voraussetzungen waren nicht gegeben.“

Die öffentliche Meinung war bislang eine andere: Der CDU-Politiker Wilhelm Hinners meint, es „erschüttert das Vertrauen in den Rechtsstaat“, dass die Verdächtigen „trotz ihrer Vorstrafen und der Brutalität noch am selben Abend auf freien Fuß gesetzt wurden“. Wann sonst, möchte man fragen. Und die Vorstrafen? Zwei Verdächtige sind laut Passade nicht vorbestraft, gegen einen läuft ein Strafverfahren wegen versuchten Automatenaufbruchs, einer war in eine Schlägerei verwickelt – also Straftaten auf einem ganz anderen Niveau als der nun vorgeworfene Raubversuch.

Horst Göbel von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) moniert, der Staatsanwalt habe Jugendstrafrecht angewandt. Hätte er Erwachsenenstrafrecht zugrunde gelegt – „die Kerle wären ins Gefängnis gegangen“, hieß es in Medien. Auf Nachfrage kritisierte Göbel die Bremer Besonderheit, bei Heranwachsenden (18 bis 21 Jahre) fast ausnahmslos Jugendrecht anzuwenden. Im Rest des Bundesgebietes ist das anders. Man müsse als Staat Signale aussenden und könne in solchen Fällen durchaus auch einen Haftantrag stellen, wenn dessen Erfolgsaussichten ungewiss sind, so Göbel.

Das sieht Passade anders. Es seien erst Haftgründe zu prüfen, dann die Frage nach dem Jugendrecht. Und: Es müsse klar zwischen Gesetz und Gefühl unterschieden werden. „Wir haben hier das Recht anzuwenden.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Karpfen werden umgesiedelt

Karpfen werden umgesiedelt

Impressionen vom Bremer Freimarkt 2021

Impressionen vom Bremer Freimarkt 2021

Dampftag im Kreismuseum

Dampftag im Kreismuseum

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Meistgelesene Artikel

3G-Regel fällt: Corona-Warnstufe 0 in Bremen ab Freitag

3G-Regel fällt: Corona-Warnstufe 0 in Bremen ab Freitag

3G-Regel fällt: Corona-Warnstufe 0 in Bremen ab Freitag
Bremer Einzelhändler haben Angst vor Verödung der Innenstadt

Bremer Einzelhändler haben Angst vor Verödung der Innenstadt

Bremer Einzelhändler haben Angst vor Verödung der Innenstadt
Freimarkt Bremen: Anfahrt, Parken und wichtige Fakten

Freimarkt Bremen: Anfahrt, Parken und wichtige Fakten

Freimarkt Bremen: Anfahrt, Parken und wichtige Fakten
Freimarkt in Bremen 2021 – diese Corona-Regeln gelten

Freimarkt in Bremen 2021 – diese Corona-Regeln gelten

Freimarkt in Bremen 2021 – diese Corona-Regeln gelten

Kommentare