Steigende Frachtraten und unpünktliche Schiffe

Bremer Spediteure: „Keine Entspannung in Sicht“

Ein Frachtschiff mit vielen Containern.
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Kapazitäten schrumpfen: Für die Bremer Spediteure wird es immer schwieriger und vor allem immer teurer, Ladung auf den großen Containerschiffen zu platzieren.

Die Bremer Spediteure klagen weiter über aus den Fugen geratene Seefrachtmärkte. Vor allem hapert es an der Zusammenarbeit mit den Containerlinienreedereien.

Bremen – Verstopfte Häfen, verzögerte Schiffsabwicklungen und immer wieder neue Unsicherheiten durch neue Corona-Varianten. „Ein bewegtes Jahr nähert sich seinem Ende“, sagt Oliver Oestreich (Lexzau, Scharbau), der Vorsitzende des Vereins Bremer Spediteure (VBS), am Freitag in einem virtuellem Pressegespräch. Es gebe „Herausforderungen, die keiner bisher so erlebt hat“. Und die Spediteure leiden seit Beginn der Pandemie unter dem „Diktat der Reeder“, ergänzt Carsten Hellmers (Alexander Global Logistics).

Die Nachfrage nach Containerstellplätzen an Bord der Schiffe übersteigt das Angebot. Und auf dem Markt fehlen unter anderem Leercontainer. Die Kapazitäten seien um 12,5 Prozent geschrumpft, sagt Oestreich. Das sei so, als würde eine große Reederei wegfallen. Auch Fahrpläne werden nicht immer eingehalten. Etwa eines von drei Schiffen kommt pünktlich, heißt es bei den Spediteuren. Die anderen Frachter haben schon mal bis zu acht Tagen Verspätung. Da seien Spannungen mit Kunden programmiert. Außerdem seien die Frachtraten explodiert. „Spediteure zahlen Seefrachtraten in nie gekannter Höhe und bekommen dafür Leistungen, die noch nie so schlecht waren“, fasst Oestreich die derzeitige Gemengelage zusammen.

Die Reedereien machten 2020 Gewinne von 150 Milliarden Euro, in den 20 Jahren davor waren es insgesamt 109 Milliarden Euro. „Das sind in einem Jahr 50 Prozent mehr Gewinne als in den zwei Jahrzehnten davor“, sagt Oestreich. Allerdings verbuchten auch die Spediteure ein gutes Jahr. „Die Intensität der Arbeitsbelastung“ sei aber ein „sehr hoher Preis für ein gutes Ergebnis“.

Hohe Preise, schlechte Leistungen

Für 2022 prognostizieren die Marktforscher ein Plus von 5,2 Prozent im Seeverkehr. Die finanzwirtschaftlichen Folgen der Pandemie seien noch nicht absehbar, verweist Oestreich unter anderem auf das spannungsgeladene Verhältnis der USA und China. Das nächste Jahr werde wieder ein „Verkäuferjahr“, fährt er fort. Das heißt: „Die Reedereien werden auch 2022 die Raten dominieren.“

Noch etwas stößt den Spediteuren sauer auf. Es ist das Vorpreschen von Reedereien (Beispiel: Hamburg Süd), die nur noch Direktverlader mit Fracht auf ihre Schiffe lassen und die Spediteure quasi von Bord stoßen.

VBS-Geschäftsführer Robert Völkl spricht von einer „Diskriminierung der Speditionen“. Und diese Ausschluss-Praxis schade letztlich der verladenden Wirtschaft und damit dem Mittelstand. Außerdem wollen die Reeder selbst verladen. Oder maritimer und wirtschaftlicher ausgedrückt: Die Reeder wollen ihre Wertschöpfungskette vertikal ausdehnen. Zu Lasten der Spediteure, versteht sich.

„2022 wird ein Verkäuferjahr“

Viele Kunden setzen seit Beginn der Pandemie verstärkt auf Luftfracht. „Die Kunden schwenken auf Lufttransport um“, sagt Philip Herwig (Röhlig Logistics). Doch der Frachtraum sei durch den pandemiebedingten Wegfall der Passagiermaschinen immer noch begrenzt und noch „lange nicht wieder auf Vorkrisenniveau“. Und alle verfügbaren Frachtmaschinen seien in der Luft und gut bestückt. „Da ist noch keine Entspannung in Sicht.“

Ein weiteres Thema, das die Spediteure beschäftigt, ist die geplante oder zumindest immer mal wieder angedachte Kooperation der deutschen Seehäfen Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven. Die ist aus Sicht der Spediteure wünschenswert und auch notwendig. Oestreich verweist darauf, wonach nicht nur Rotterdam, sondern auch Antwerpen die deutschen Häfen längst abgehängt hat. So werden aktuellen Zahlen zufolge im belgischen Nordseehafen 100 000 Standardcontainer (TEU) mehr verladen als in den Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven zusammen. Oestreich: „Die Position der norddeutschen Häfen erodiert.“

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