(K)ein öffentlicher Raum?

Tore sollen Junkies und Dealer auf Bremens Discomeile aussperren

Müll, verschmierte Wände und leere Alkoholflaschen zieren den Platz „Auf der Brake“ neben dem Club „Tower“. - Foto: Seegers

Bremen - Von Nina Seegers. Der Platz „Auf der Brake” ist eine dunkle Schmuddelecke inmitten von Bremens Stadtzentrum – und das schon seit etlichen Jahren. Aber besonders in den vergangenen Monaten hat sich die Situation dort deutlich zugespitzt, denn aus der Schmuddelecke ist ein Drogenumschlagplatz geworden. Eine vom Bauressort geleitete Arbeitsgruppe will diesen bislang öffentlich zugänglichen Raum nun mit Toren verschließen.

„Auf der Brake“ ist schon lange eine Schmuddelecke und seit einigen Monaten offenbar ein beliebter Drogenumschlagplatz. Abschließbare Tore sollen in Zukunft Junkies und Dealer fernhalten. - Foto: Seegers

Vor den mit Graffiti verschmierten Wänden stehen große Mülltonnen, auf dem Boden liegen Müll, Zigarettenstummel und zerbrochene Bierflaschen. Es riecht nach Urin, und ein vermutlich drogenabhängiger Mann läuft schnellen Schrittes über den Platz, während er laut vor sich hin brüllt. Der rund 500 Quadratmeter große Platz ist nur ein Katzensprung vom Hauptbahnhof entfernt. Das Siemens-Hochhaus, der Club „Tower“, ein Imbissladen, eine Shisha-Bar und ein Café für Obdachlose der Inneren Mission umgeben diesen äußerst unwirtlichen Ort. Stadtplaner nennen diesen Hinterhof in ihrem Konzept zur Umgestaltung der Discomeile sogar „Angstraum”. Jens Tittmann, Sprecher des Bauressorts berichtet, dass sich derzeit eine Arbeitsgruppe – bestehend aus Stadtplanern, Hauseigentümern, dem Betreiber des „Tower” und der Inneren Mission – mit diesem Problem auseinandersetzt.

Die Arbeitsgruppe will den Platz, der von drei Seiten aus durch Tunnel zugänglich ist, mit Toren versehen. Denkbar wäre, dass die Innere Mission und der „Tower“ einen Schlüssel bekommen und die Tore während ihrer jeweiligen Geschäftszeiten für ihre Klientel öffnen könnten. Auch zwei öffentliche Toiletten könnte der Platz vertragen, damit die Leute ihre Notdurft nicht wie bisher in den Ecken des Platzes oder in den Tunneln zur Straße verrichten. „Im Herbst wollen wir den erarbeiteten Vorschlag der Deputation zur Abstimmung vorlegen, so dass wir hoffentlich bis Ende des Jahres eine Lösung haben”, sagt Tittmann.

Auch Olli Brock, Betreiber des Clubs „Tower“, ist Mitglied der Arbeitsgruppe. Seit 15 Jahren veranstaltet er hier Konzerte, vor sechs Jahren hat er den Club übernommen. „Der Platz war noch nie besonders einladend, aber seit etwa einem dreiviertel Jahr hat sich die Situation richtig zugespitzt“, sagt Brock. Junkies nutzten den Platz neuerdings als Rückzugsort, um sich dort ihre Spritzen zu setzen, erzählt Brock weiter. „Zum Teil 15 bis 20 auf einmal.“ Und in dem Tunnel, direkt vor dem Eingang des Clubs, liege ein beißender Uringeruch in der Luft. Brock vermutet, dass die große Baustelle am Hauptbahnhof Drogenabhängige verdrängt und diese deshalb auf den Platz hinter dem Club ausweichen. Bei den vielen Bands, die regelmäßig auftreten und auf dem Platz ihre Autos parken, mache das einen ganz schlechten Eindruck. „Der Hof muss dringend mit Toren abgesperrt werden, diese Maßnahme ist alternativlos“, fasst Brock zusammen. Andernfalls wolle er sich für die Veranstaltungsstätte nach anderen Räumlichkeiten umsehen.

Als Grund für mehr Junkies und Dealer Richtung Discomeile und Siemens-Hochhaus vermuten übrigens andere Bremer auch den Verdrängungseffekt durch verstärkte Kontrollen am Hauptbahnhof.

Lesen Sie auch: Straßensperrung an der Discomeile

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