Neue Perspektiven

Innenstadt-Experte fordert mehr Pep für Bremer City

Leerstand an der Obernstraße. Die nun drohenden Schließungen von Galeria Kaufhof, Karstadt Sports und Zara lassen weitere Leerstände in der Bremer Innenstadt befürchten. Der Senat will mit einem „City-Gipfel“ neue Perspektiven für die City finden.
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Leerstand an der Obernstraße. Die nun drohenden Schließungen von Galeria Kaufhof, Karstadt Sports und Zara lassen weitere Leerstände in der Bremer Innenstadt befürchten. Der Senat will mit einem „City-Gipfel“ neue Perspektiven für die City finden.
  • Thomas Kuzaj
    vonThomas Kuzaj
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Kammern, Kaufleute und Gewerkschaften, dazu Bau-, Wirtschafts- und Finanzressort sowie die Bürgerschaftsfraktionen – alle sollen an einen Tisch. Mit einem „City-Gipfel“ will Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) gegen den Niedergang der City ankämpfen.

  • Galeria Kaufhof, Karstadt Sports und Zara kündigten jetzt Schließungen in der Bremer Innenstadt an
  • Der Senat will mit einem „City-Gipfel“ neue Perspektiven für Bremens City finden
  • Innenstadt-Experte Olaf Orb spricht im Interview jetzt über die Entwicklung der Innenstadt

„Die Ankündigung des Innenstadt-Gipfels ist das richtige Signal – und es ist dringlich“, so Jens Ristedt, Vorsitzender der City-Initiative. „Das ist das richtige und von der Innenstadtwirtschaft dringend erwartete Signal“, sagt Handelskammer-Präses Janina Marahrens-Hashagen. Mit der Wirtschaft unabgestimmte Projekte wie der Rückbau des Walls zu einer Einbahnstraße oder eine geplante drastische Erhöhung der Parkgebühren hätten deutlich gemacht, dass die City nur Hand in Hand zukunftsfest gemacht werden könne.

Im Interview äußert sich Olaf Orb, Innenstadt-Experte der Bremer Handelskammer, zur City-Entwicklung.

Was erwarten Sie von dem „City-Gipfel“, den der Senat angeregt hat?

Es ist richtig, dass Bürgermeister Bovenschulte die Innenstadt nun zur Chefsache macht. Die Handelskammer sieht in dem geplanten City-Gipfel eine Chance, die Entwicklung der Innenstadt und die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft auf eine neue Basis zu stellen. Die Corona-Krise hat die ohnehin schwierige Situation in der Innenstadt weiter verschärft. Dies macht eine enge Zusammenarbeit von allen Beteiligten unbedingt notwendig. Alleingänge bringen uns an dieser Stelle nicht weiter.

Welche Maßnahmen wären kurzfristig nötig, um die Attraktivität der Innenstadt zu erhalten?

Worauf es im Moment ankommt, ist ein Gesamtkonzept zur Sicherung und Stärkung der Innenstadt. Viele Einzelhandelsgeschäfte, Hotels und Gastronomiebetriebe sind angesichts der Corona-Krise massiv in ihrer Existenz bedroht; sie brauchen dringend Unterstützung und Perspektiven. Daher muss alles dafür getan werden, die Stadt für private und öffentliche Investitionen attraktiver zu machen. Es muss jetzt vorrangig um investitionsfreundliche Rahmenbedingungen und innovative urbane Konzepte, um ein kluges Leerstandsmanagement, um eine höhere Besuchsfrequenz, eine verbesserte Aufenthaltsqualität und ein zukunftsweisendes Mobilitätskonzept für eine gute Erreichbarkeit der Innenstadt mit allen Verkehrsträgern gehen.

Was ist auf lange Sicht wichtig?

Neben einer Erhöhung der Erlebnis- und Aufenthaltsqualität sind gute Mobilitätsangebote für Innenstadtbesucher aus entfernteren Stadtteilen und aus der Umlandregion enorm wichtig. Zu nennen sind hierbei eine Attraktivierung der Regio-S-Bahn, bessere Park-and-Ride-Angebote sowie die zügige Schaffung alternativer Stellplatzangebote in guter fußläufiger Entfernung zur Kern-Altstadt. Bremens Innenstadt muss den Anspruch, Oberzentrum der Metropolregion Nordwest zu sein, mit guter Erreichbarkeit und einem breiten Einkaufserlebnis untermauern.

Was wird in Zukunft neben dem Einzelhandel für eine attraktive City entscheidend sein?

Es wird auf Aufenthaltsqualität und eine attraktive Mischung ankommen. Weser und Wallanlagen sind enger mit der Einkaufsinnenstadt zu verknüpfen. Gastronomie, Kultur sowie Freizeit- und Dienstleistungsangebote müssen zusammen mit dem Einzelhandel mehr Anlässe bieten, die Bremer Innenstadt zu besuchen – oder gar gleich hier zu wohnen. Die Bremer Innenstadt muss durchmischter, belebter und bewohnter wirken. Vor allem aber muss sie ihre Ambitionen selbstbewusst nach außen tragen. Hierzu gehört an der einen oder andere Stelle auch mutige Architektur.

Die Handelskammer hat die geplante Einbahnstraßenregelung für den Wall scharf kritisiert. Kritiker wie der Weinhändler Ralph Saxe (Grüne) forderten die Kammer daraufhin zu mehr politischer Zurückhaltung auf. Wie sehen Sie das?

Beim geplanten Rückbau des Straßenzuges Am Wall zu einer Einbahnstraße haben wir uns als Handelskammer rein fachlich zur verkehrlichen Erreichbarkeit des Standortes Innenstadt geäußert – eine Sachfrage, die die Wirtschaft unmittelbar betrifft. Das ist schließlich eine Kernaufgabe der Kammer, dass wir uns für einen prosperierenden Wirtschaftsstandort stark machen.

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