„Katzenjammer“ macht Konzert im Pier 2 zur fulminanten Party

Wild, weiblich, mitreißend

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Die Mädels von „Katzenjammer“ – hier Marianne Sveen (l.) und Solveig Heilo – sorgten im Pier 2 für Furore.

Bremen - Von Ulla Heyne. Musik aus Norwegen – wer damit schwermütige Töne und getragene Melodien verbindet, hat die Rechnung ohne den skandinavischen Exportschlager „Katzenjammer“ gemacht. Der ist energiegeladen, druckvoll, lebensbejahend – und vor allem weiblich. Seit zehn Jahren stehen sie gemeinsam auf der Bühne. Am Donnerstagabend gaben sich die vier Multi-Instrumentalistinnen im nahezu ausverkauften Pier 2 die Ehre.

Doch zunächst gehört die Bühne Sievert Hoyem. Mit eindringlichem Sprechgesang, unter anderem bei „Into the Sea“, und einem gefühlvollen Cover von „Black Gold“, der Trailermelodie zu „Occupied“, verschont er vorerst die Tanzmuskeln und stimmt auf das ein, was die folgenden knapp zwei Stunden über die Bühne fegen wird: Vier Powerfrauen, die mit großer Bühnen- und Lichtshow Lebenslust pur versprühen.

Von Anfang an nehmen sie die Zuschauer mit ihren „Klassikern“ wie „Rock

Paper Scissors“ mit auf eine musikalische Reise durch drei Alben und zehn Jahre Bandgeschichte. Die wilde Melange aus Folk-Rock, Balkan und Jazz, die perfekt harmonierenden, hymnischen vierstimmigen Gesänge, die Spielfreude, die das Konzert zur Party macht – dieses Erfolgsrezept funktioniert immer noch. Gespielt wird sie auf so vielen Instrumenten, dass die Helfer kaum nachkommen beim Reichen von Trompete, Mandoline und natürlich dem Markenzeichen, der mit Katzenkopf bemalten Bass-Balalaika. Die werden von Anne Marit Bergheim, Solveig Heilo, Turid J. Honerud und Marianne Sveen munter untereinander ausgetauscht.

Katzenjammer spielen im Pier 2

Erst bei Ansagen wie der von Marianne Sveen zum Song „Lady Grey“ merkt man den Tiefgang: Das als Gute-Laune-Musik daherkommende Stück, übrigens das erste, das die damalige Pflegerin in einem Seniorenheim vor 14 Jahren auf der Gitarre schrieb, thematisiert die biografischen Erlebnisse mit einer Alzheimer-Patienten. Vielleicht ist es diese Mischung aus Optimismus und gelebter Erfahrung (denn die Damen sind beileibe alle nicht mehr die 18 Jahre alt, die sie scherzhaft vorgeben), die das altersgemischte Publikum auch jenseits der Festivalbühnen begeistert.

Wenn Solveig Heilo in etwas holprigem Deutsch lacht: „Bremen, Ihr seid der Hammer!“, und Sveen selbstbewusst alle erdenklichen Körperpartien kreisen lässt, dann fliegen ihnen die Herzen zu – und Texte und Töne allemal, die die meisten hier sowieso auswendig kennen.

Das neue Album „Rockland“, kommt, wie der Name verrät, etwas rockiger daher als die Vorgänger „Le Pop“ und „A Kiss before you go“. Unverkennbar bleibt der Sound, wie etwa in „Curvaceous Needs“ durch das charakteristische Banjo, und auch im eher ruhigeren Mittelteil mit Nummern wie „My own Tune“ und „My dear“ bleibt das Quartett sich klanglich treu.

Nicht erst, als zum fulminanten Finale zu „A Bar in Amsterdam“ Konfettikanonen schießen und überdimensionale Luftballons über die Köpfe der Menge herabschweben, wird der Abend zum gigantischen Kindergeburtstag für die diesem Alter längst Entwachsenen.

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