Steigende Patientenzahlen in Kliniken

Hochbetrieb in den Bremer Notaufnahmen

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Immer mehr Menschen lassen sich in Bremens Notaufnahmen behandeln – eine Herausforderung für Ärzte und medizinisches Personal. 

Bremen - Von Viviane Reineking. Immer mehr Menschen suchen die Notaufnahmen der Krankenhäuser in Bremen auf. Längst nicht bei allen handelt es sich aber tatsächlich um einen Notfall, heißt es aus Bremer Kliniken und von der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen. Lange Wartezeiten auf Facharzttermine und Bequemlichkeit gehören ihrer Meinung nach zu den Gründen für steigende Patientenzahlen.

In der Zentralen Notaufnahme (ZNA) des Diakonie-Krankenhauses in Gröpelingen werden nach Angaben von Sprecher Ingo Hartel jährlich etwa 36.500 Patienten behandelt – „Tendenz steigend“. Vor zehn Jahren waren es noch rund 10.000 weniger. „Nicht alle Patienten sind so schwer erkrankt, dass sie unbedingt eine Notaufnahme aufsuchen müssen“, so Hartel. Rückblickend, so schätzt er, wären etwa 30 Prozent der Patienten bei einem Haus- oder Facharzt gut aufgehoben gewesen.

Gründe sieht der Diako-Sprecher unter anderem in langen Wartezeiten auf Facharzttermine: „In der ZNA kann man komplett durchgecheckt werden, was sonst mehrere Facharzttermine erfordern würde“, so Hartel. Mit Kopfschmerzen, Erkältungen und Bienenstichen müsse man nicht unbedingt in einer Notaufnahme behandelt werden, gleiches gelte für Beschwerden wie Rückenschmerzen, die bereits länger vorhanden seien. Dennoch werde jeder Patient, der in die ZNA komme, behandelt.

„Manchester-Triage-System“ (MTS) im Diako

Um einzuschätzen, welche Behandlung von Patienten Priorität hat, arbeitet das Diako seit 2011 mit dem sogenannten „Manchester-Triage-System“ (MTS). Mit diesem standardisierten Verfahren werde der eintreffende Patient beispielsweise nach Symptomen zu Lebensgefahr, Schmerzen, Blutverlust, Bewusstsein und Krankheitsdauer eingeschätzt und entsprechend einer von fünf Dringlichkeitsstufen zugewiesen, erklärt Hartel. Diesen Gruppen seien jeweils maximale Wartezeiten zugeordnet. Sie reichen den Angaben zufolge von „sofort“ und keiner Wartezeit über „dringend“ und 30 Minuten Wartezeit bis hin zu „nicht dringend“ und zwei Stunden Wartezeit.

Am Klinikum Bremen-Mitte arbeitet die Notaufnahme mit einem ähnlichen System zur Ersteinschätzung von Patienten. Während im Jahr 2010 rund 29.000 Menschen Hilfe in der Notaufnahme suchten, kamen im vergangenen Jahr 36.000 Patienten, wie Dr. Klaus Peter Hermes, Leiter der Notaufnahme, auf Nachfrage unserer Zeitung sagt. Ausgelegt sei die ZNA, die 2002 gebaut wurde, allerdings nur auf 22.000 Aufnahmen pro Jahr. Besonders hoch sei der Patientenzustrom zwischen 17 und 21 Uhr, so der Mediziner. Dann würden nicht nur die räumlichen Kapazitäten nicht ausreichen: „So viel Personal können wir gar nicht vorhalten“, so Hermes. So gehe es allen Notaufnahmen des Klinikverbundes Gesundheit Nord (Geno), aber auch allen anderen, die noch nicht neu gebaut hätten.

Mitte: 40 Prozent ZNA-Patienten keine Notfälle

40 Prozent der Patienten, die in die ZNA des Klinikums Mitte kämen, seien keine Notfälle für die Notaufnahme, so Hermes. Auch er macht eine gewisse Anspruchshaltung bei einigen Patienten aus. Längst nicht alle hätten Verständnis für längere Wartezeiten. „Oft ist das Personal der Fußabtreter.“ Viele kämen, weil sie sich eine schnellere Behandlung als beim Facharzt erhofften, die Notfallnummer des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116 117 sowie dessen Praxen nicht kennen würden oder überhaupt keinen Hausarzt hätten.

In den vergangenen zehn Jahren sind auch die Zahlen in der Notfallambulanz am St.-Joseph-Stift in Schwachhausen gestiegen. Wie eine Sprecherin mitteilt, gab es 7147 Fälle im Jahr 2007, für 2017 rechnet die Klinik mit knapp 17.000 Patienten. In die Notaufnahme des Rot-Kreuz-Krankenhauses in der Neustadt kommen ebenfalls mehr Patienten: Ihre Zahl sei von 2015 auf 2016 um zehn Prozent gestiegen, so Sprecherin Dorothee Weihe.

Vielen sei die seit 2012 existierende Nummer des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes noch nicht bekannt, bestätigt auch Christoph Fox, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen. Zudem gingen manche lieber abends nach der Arbeit in eine Klinik, als sich tagsüber einen Arzttermin zu holen. Außerdem sei das Aufsuchen der Notaufnahme kostenlos und nicht reglementiert. Manch einer käme gar mit Halsschmerzen und einem gebrochenen Zehennagel in die Notaufnahme, so Fox. „Und nicht zuletzt ist Bequemlichkeit im Spiel, wenn der Rettungswagen, der über 112 gerufen wird, als Taxi missbraucht wird.“

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