Diakonie kritisiert schleppende Umsetzung ambulanter Palliativversorgung / „Ernüchternde Zahlen“

„Kassen sind in der Pflicht“

Im Beerdigungskostüm vergangener Zeit stellt Dagmar Meyer aus Verden auf der Messe „Leben und Tod“ in Bremen ihren historischen Leichenwagen von 1890 vor. Die Messe ging gestern zu Ende.

Bremen - (epd) · Die ambulante palliative Versorgung sterbenskranker Menschen in Deutschland geht nach Auffassung der Diakonie zu langsam voran. Die Umsetzung eines entsprechenden Gesetzes aus dem Jahr 2007 sei schleppend, kritisierte Pfarrer Alexander Brodt-Zabka vom Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Zuge der Messe „Leben und Tod“, die bis gestern im Messezentrum stattfand.

„Die Kassen sind jetzt nach drei Jahren in der Pflicht, entsprechende Verträge abzuschließen“, forderte der Experte. Mit der Gesundheitsreform im April 2007 wurde die Versorgung sterbenskranker Menschen in der häuslichen Umgebung zu einer Regelleistung der gesetzlichen Krankenversicherung. In Bremen gehört diese „spezialisierte ambulante Palliativversorgung“ zu den Schwerpunktthemen der zweitägigen Messe „Leben und Tod“, mit rund 60 Ausstellern bundesweit die erste ihrer Art.

Die bisher verfügbaren Zahlen zur ambulanten Palliativversorgung seien ernüchternd, bilanzierte Brodt-Zabka. So seien im jährlichen Bericht des gemeinsamen Bundesausschusses lediglich 2 614 Menschen aufgeführt, die zwischen Januar und September 2009 entsprechende Leistungen in Anspruch genommen hätten. Nach Angaben der Deutschen Hospiz-Stiftung war der Gesetzgeber ursprünglich davon ausgegangen, dass ab 2010 eine flächendeckende Infrastruktur besteht, die jedes Jahr rund 80 000 Sterbende erreicht. Die Schuld an der schleppenden Umsetzung liege nicht allein bei den Kassen, sagte Brodt-Zabka. So seien erst Ende 2007 Richtlinien für die Umsetzung vorgelegt worden. Ihnen folgten im Juni 2008 Empfehlungen, in denen ohne Übergangsfristen sehr hohe Qualitätsanforderungen an ärztliches und pflegerisches Personal gestellt worden seien. Zudem machten die Koordination der neuen Leistung und die Aufnahme von Pflegeheimen in den entsprechenden Paragrafen die Aufgabe schwierig.

Palliativmedizin ist nach einer Definition der Weltgesundheitsorganisation die „ganzheitliche Behandlung von Patienten, die an einer fortschreitenden Erkrankung mit einer begrenzten Lebenserwartung leiden“. Im engeren Sinne wird darunter vor allem eine Schmerztherapie bei Schwerstkranken und Sterbenden verstanden, insbesondere bei Krebspatienten. Ziel ist es, die Lebensqualität unheilbar Kranker zu bewahren und ihnen ein Sterben in Würde zu ermöglichen.

Zur palliativen Versorgung zählen neben der Pflege und der ärztlichen Betreuung auch die psychologische, soziale und seelsorgerliche Unterstützung bis hin zur Sterbe- und Trauerbegleitung. Aktive Sterbehilfe lehnen die Vertreter der Palliativmedizin strikt ab.

Neben der ambulanten Palliativversorgung standen bei der Messe mit Kongress u.a. Fachvorträge wie die Ernährung am Lebensende und Humor in der Sterbebegleitung auf dem Programm.

WWW.

lebenundtod-bremen.de

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