Karo-Röcke und Feuershow

Kelly-Familie verzaubert 9.000 Zuschauer in der Stadthalle

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Feuer und Gitarrenriffs – diese Kombination der „Kelly Family“ kam auch beim Publikum in der Bremer Stadthalle an. Die rund 9 000 Zuschauer sangen nach fast drei Stunden Show noch aus voller Kehle mit. Unser Foto entstand bei einem anderen Konzert, da die Presse in Bremen nur vom anderen Ende der Halle fotografieren durfte.

Bremen - Von Steffen Koller. Die „Kelly Family“ ist groß geworden – das bewies die Band am Sonntagabend in der ausverkauften Stadthalle (ÖVB-Arena) in Bremen. Vor etwa 9 000 Zuschauern begeisterten Angelo, Joey und Co. das Publikum. Facettenreich bis zum Schluss, mit einer gehörigen Portion Liebe im Gepäck und Einlagen, die man so nicht erwartet hätte, machten die Kellys den Abend für viele unvergesslich.

In Partnershirts sitzen sie da, eingehakt schunkeln sie zu Hits, die auch Nicht-Kelly-Fans einen Ohrwurm ins Gedächtnis zaubern würden. Die Arme in die Höhe, die Hand des Sitznachbarn genommen – und schon geht sie ab, die wilde Fahrt auf eine Reise in die 90er Jahre. In Zeiten, in den wallende Mähnen noch „in“ waren und Karoröcke zum guten Ton gehörten.

Die Kelly-Famile ist erwachsen geworden. Weg vom Image einer Großfamilie, die mit einem klapprigen Bus durch die Welt tourte, zeigen Angelo, Jimmy, Joey, John, Kathy und Patricia Kelly sowie Gründungsmitglied Paul Kelly, dass sie es noch immer drauf haben.

Überflüssig: zurückklappbare Sitzschalen

Gleich zu Beginn der Show reißt es das Publikum aus den Sitzen. Wird bei „Can't stop the Love“ noch eifrig gekuschelt, schütteln eingefleischte Fans bei „Why why why“ kräftig ihre langen Haare, die – wie soll es anders sein – heute mal wieder offen getragen werden.

Schnell fragt man sich, warum es überhaupt Sitzplätze gibt. Wenn eine Erfindung an diesem Abend vollkommen überflüssig ist, dann sind es zurückklappbare Sitzschalen, die nur eines tun: stören und die Oberschenkel wund-rubbeln. Angekündigt als „das größte Comeback des Jahres“ rocken die Kellys zusammen mit ihrer vierköpfigen Band fast drei Stunden die Bremer Stadthalle. Und das Publikum wird auch nach der dritten Zugabe nicht müde, aus voller Kehle Songs wie „Fell in love with an alien“, „Nanana“, „We got Love“ mitzusingen.

Es ist lange her, dass die Kellys ganze Stadien füllten. Seit 1999 ging die Band nicht mehr auf Tour. Und dennoch haben sowohl Musiker als auch Fans nichts verlernt. Im Gegenteil. Spätestens als Angelo Kelly von einer Feuershow begleitet ein mehrminütiges Schlagzeugsolo auf die Bühne schmettert, sollte auch dem letzten Fan klar sein, dass man es hier nicht mehr mit den Hippies von damals zu tun hat. Zu sehr ist jeder gewachsen und hat sein eigenes Ding gemacht. Ob nun Extremsport oder einfache Solokarriere.

Eine große Portion Liebe

Und weil die Show „We got Love“ heißt, gibt es natürlich eine große Portion Liebe zu verschenken. Nach mehreren Zugaben und gefühlt unendlich langen stehenden Ovationen, werden Kinder auf die Bühne geholt. Fans sind ihren Idolen ganz nah, die Kellys schütteln Hände, ein Selfie hier, eine Umarmung dort.

Trotz aller Moderne bleiben die Kellys ihrer Herkunft treu. Traditionelle Instrumente, Karohosen und wallende Kleider sind zu sehen und zu hören. Den damaligen Tourbus gibt es heute wohl nur noch im Museum, am Sonntag hängt er, flankiert von riesigen Bildschirmen, als übergroßes Pappmaschee von Decke.

Die Kellys haben es geschafft – in mehrfacher Hinsicht. Sie haben sich von ihrem angestaubten Image emanzipiert, ohne dabei künstlich zu wirken. Eine authentische Show, handgemachte Musik, tolle Lichttechnik, ein großartiges Publikum – was will man mehr.

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