„Bauen für Bremen – Architektur in der Hansestadt“: Faulenstraße 17

Kapitänshaus mit Chemie

+
Das einstige Kapitänshaus an der Faulenstraße stammt aus dem Jahr 1790. ·

Bremen - Von Thomas KuzajLinks irgendein Haus neueren Datums, rechts schäbige Plakatwände und Parkplätze, dahinter der Fernmeldeturm von 1961 – und mittendrin? Ein grünes Bauwerk mit Schaufenster im Erdgeschoss und Sprossenfenstern in den darüberliegenden Etagen.

Ein Bauwerk, das gar nicht so recht in diese Umgebung passen möchte. Dabei gibt es als einziges Haus weit und breit eine Vorstellung davon, wie es an der Faulenstraße früher einmal ausgesehen hat. In einer Zeit, als dieses Gebäude hier noch nicht aus dem Rahmen fiel.

Anno 1790 – oder vielleicht zutreffender: um 1790 – wurde das Haus Faulenstraße 17 für einen Kapitän gebaut. Der Hafen Bremens lag in jenen Tagen an der Schlachte, nicht weit entfernt also. Erst im 19. Jahrhundert sollte sich der Schwerpunkt der Hafentätigkeit und Handelsschifffahrt verlagern – ins neu gegründete Bremerhaven zum Beispiel.

Bis ins 20. Jahrhundert hinein prägten Kontore der Reedereien und Schiffsmakler das Faulenquartier, etwa in der Straße Geeren, die zwischen Faulenstraße und Weser liegt. Der Schriftsteller Rudolf Lorenzen, in Bremen aufgewachsen, hat diese Zeit – unter anderem – in seinem Roman „Alles andere als ein Held“ (1959) festgehalten.

Zurück an die Faulenstraße 17, eine Adresse, die nicht für Maritimes, sondern für etwas ganz anderes bekannt ist – für Chemikalien und Drogerieartikel. Seit 1902 nämlich, seit nunmehr 110 Jahren also, ist die von Hermann Zinke gegründete Drogerie in dem einstigen Kapitänshaus eine Ablaufstelle auch für Kundschaft, die von außerhalb Bremens kommt. Zinke gründete sein Geschäft mit 21 Jahren. Ein Schwerpunkt des Geschäfts lag damals – wie heute – auf chemischen Produkten.

Das Giebelhaus mit der Drogerie hat als einziges Bauwerk an der Faulenstraße den schweren Luftangriff in der Nacht vom 18. auf den 19. August 1944 einigermaßen unbeschädigt überstanden. Es war die Nacht, in der der Bremer Westen brannte, die Nacht, in der weite Teile eines bis dahin gewachsenen bremischen Stadtbilds unwiederbringlich zerstört wurden.

Das Haus Faulenstraße 17 blieb. Seit 1973 steht es unter Denkmalschutz. In der Denkmaldatenbank des Landeskonservators wird es als Wohnhaus geführt und den Epochen Barock und Rokoko zugeordnet.

http://www.denkmalpflege.bremen.de

http://www.hermann-zinke.de

Das könnte Sie auch interessieren

Furcht vor Brexit-Chaos: EU will May helfen - aber wie?

Furcht vor Brexit-Chaos: EU will May helfen - aber wie?

Fotostrecke: Werder feiert Weihnachten

Fotostrecke: Werder feiert Weihnachten

Schnelle Rennen auf Salz und Sand

Schnelle Rennen auf Salz und Sand

Dramatische Lage im Jemen: Alle zehn Minuten stirbt ein Kind

Dramatische Lage im Jemen: Alle zehn Minuten stirbt ein Kind

Meistgelesene Artikel

Bremer Weihnachtsmarkt: Alle Infos zu Anreise, Öffnungszeiten & Co.

Bremer Weihnachtsmarkt: Alle Infos zu Anreise, Öffnungszeiten & Co.

Frau im Koma: 47-Jähriger soll Spritzen ausgetauscht haben

Frau im Koma: 47-Jähriger soll Spritzen ausgetauscht haben

Feuer in Lesum: Zwölf Menschen im Krankenhaus

Feuer in Lesum: Zwölf Menschen im Krankenhaus

Prostituiertenschutzgesetz: Bislang 115 Anmeldungen

Prostituiertenschutzgesetz: Bislang 115 Anmeldungen

Kommentare