Auswanderung: Autorin legt Studie vor

Kapitän mit Monopol

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Repräsentative Pose: Auswanderer-Kapitän Heinrich Wieting (1815 bis 1868).

Bremen - Von Thomas Kuzaj · Maritimes: „Vater der Auswanderer“ wurde er genannt, der Bremer Kapitän Heinrich Wieting (1815 bis 1868). Etliche Passagiere haben in seiner Obhut Europa verlassen. Eine prächtig ausgestattete Neuerscheinung zeichnet nun ein umfassendes Bild seines Wirkens.

Seit 1840 und praktisch bis zu seinem Tod pendelte Wieting zwischen Bremerhaven und Charleston, South Carolina, USA. Zeitweilig hielt er sozusagen das Auswanderungs-Monopol für diesen Teil der Vereinigten Staaten. Auf 32 Seereisen brachte der Bremer mehr als 3 400 deutsche Auswanderer nach South Carolina. Wietings Wirken war prägend. Zu Beginn des Bürgerkriegs 1861 lebten allein in Charleston etwa 1 800 Deutsche.

Für die Bremer Reederei Gloystein & Söhne kommandierte Wieting, der aus Rönnebeck in Bremen-Nord stammte, die Auswandererschiffe „Johann Friedrich“ (1840 bis 1850), „Copernicus“ (1851 bis 1857) und „Gauss“ (1857 bis 1868).

Wer so viel Zeit auf See verbringt, hat vieles mitzuteilen. Telefon gab es noch nicht, E-Mails erst recht nicht, aber Briefe natürlich. Kapitän Wieting schrieb viele Briefe. Und bevor er einen davon verschickte, übertrug er ihn von Hand in ein Kopierbuch. Eines davon wurde vor Jahren zufällig auf einem Dachboden der ehemaligen Scheune des Heimatarchivs Blumenthal gefunden – und im Jahr 2007 zur Basis des Bands „Was fernern vorkömmt werde ich prompt berichten“ (Edition Temmen). Dieser Tage nun erschien im unter anderem auf maritime Themen spezialisierten Hauschild-Verlag die zweibändige Arbeit „Mit Kurs auf Charleston, S.C.: Kapitän Heinrich Wieting und die deutsche Auswanderung nach South Carolina im 19. Jahrhundert“. Mehr als zehn Jahre recherchierte die Berliner Autorin Dr. Andrea Mehrländer für diese in jedem Sinne umfassende Ausgabe von Wietings Briefen. Sie spürte verschollen geglaubte Quellen in den Vereinigten Staaten auf und wertete sie ebenso aus wie ein Kopierbuch, das ihr Frauke Wieting, eine Urenkelin des Kapitäns, zur Verfügung gestellt hatte. Es war der Forschung bisher nicht zugänglich gewesen. Die 1968 geborene Autorin, seit 2001 Direktorin der „Checkpoint-Charlie“-Stiftung, dokumentiert sämtliche Gloystein-Fahrten Wietings, kommentiert seine Briefe und ordnet sie historisch ein, präsentiert dazu auch Passagier- und Heuerlisten.

So wird ihr Werk, das als Band 13 und 14 der Reihe „Deutsche Maritime Studien“ des Deutschen Schiffahrtsmuseums erschienen ist, zu einer Quelle, die für Historiker, Soziologen und Familienforscher gleichermaßen interessant ist. Der erste Band hat 368 Seiten mit 193 Abbildungen, der zweite Band 288 Seiten mit 72 Abbildungen. Beide sind nur zusammen im Schuber erhältlich (Preis: 68 Euro).

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