Firmengeschichte begann vor 175 Jahren

„Verschwunden“: Die Ursprünge der Bremer Werft AG „Weser“

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Die Portalkräne waren Wahrzeichen: Modell der Werft aus der Zeit um 1980, zu sehen im Focke-Museum.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Anno 1872 gründeten 18 Bremer Kaufleute die – so die Schreibweise – Actien-Gesellschaft „Weser“, kurz AG „Weser“. Bremen sollte Anteil haben am Aufschwung des Schiffbaus im Zuge der industriellen Revolution und der Gründung des Deutschen Reiches. Die Werft AG „Weser“ – heute ist sie Thema unserer Serie „Verschwunden“.

Wobei wir etwas weiter zurückgreifen, runde Jahrestage und Jubiläen sind ja stets beliebt. Die AG „Weser“, sie war das Nachfolgeunternehmen der „Eisengießerei und Maschinenbau-Anstalt Waltjen & Leonhardt“, die Johann Carsten Hinrich Waltjen und Heinrich Leonhardt im Jahr 1843 gegründet hatten. Und eben das liegt nun genau 175 Jahre zurück.

Der Industrielle Carsten Waltjen (1814 bis 1880) gehörte zu den Mitgründern der neuen Werft. Eigentlich hatte er Architekt werden wollen. Doch es kam anders. Die Industrialisierung hatte sein Interesse geweckt. Er lebte für einige Zeit in England, dem „Mutterland“ der Industrialisierung.

Mit seinem Freund Leonhardt gründete er dann an der Stephanikirchenweide (heute Teil der Überseestadt) die Fabrik, in der die verschiedensten Dinge aus Eisen produziert wurden – Dampfheizungen ebenso wie Stahlbrücken und Schwimmtore (etwa für die Schleuse zum Neuen Hafen in Bremerhaven). Und schließlich – genau: ab 1847 – auch Schiffe. Eisenschiffe.

Mit ihnen begann das Zeitalter des modernen Schiffbaus. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts aber setzte sich schließlich Stahl gegen Eisen durch, das sich deutlich besser für Schiffe eignet, weil es elastischer ist.

Kurz nach 1900 nach Gröpelingen

Praktisch mitten in diese Entwicklung fiel die Umwandlung der „Eisengießerei und Maschinenbau-Anstalt“ im Jahr 1872. Waltjen wurde dann Mitglied im Aufsichtsrat der neuen Bremer Werft AG „Weser“. Die Kaufleute, die Bremen am absehbaren Schiffbau-Boom beteiligt sehen wollten, hatten sich für Waltjens Unternehmen entschieden, weil es an der Weser lag – günstig für eine Werft. Unternehmenszweck war laut einer zeitgenössischen Zeitungsannonce der „Bau eiserner Schiffe, Dampfschiffe, Dampfmaschinen, Maschinentheile“. Mit „th“, versteht sich. Ihren ersten größeren Auftrag bekamen die Bremer von der Kaiserlichen Marine, die Kanonenboote bestellte.

Der Rest ist, wie es immer so schön heißt, Geschichte. In den Jahren 1901 bis 1905 verlagerte die AG „Weser“ ihren Betrieb nach Gröpelingen, wo es viel mehr Platz gab. Die Werft und ihre Arbeiter sollten Gröpelingen über Jahrzehnte prägen.

Im Lauf ihrer Geschichte baute die Werft etwa 1 400 Schiffe, darunter den legendären Schnelldampfer „Bremen“ (1929) für den Norddeutschen Lloyd (NDL) und in den 50er Jahren Tanker für den griechischen Reeder Aristoteles Onassis.

Werftenkrise erreicht Gröpelingen

In den 80er Jahren aber erwischte die Werftenkrise Gröpelingen – mit voller, unerbittlicher Wucht. Die Schließung der Traditionswerft in seinem Heimatstadtteil Gröpelingen 1983, das war die bitterste Stunde, die Hans Koschnick (SPD, 1929 bis 2016) als Bremer Bürgermeister erlebt hat. Dichtgemacht – obwohl die zum Krupp-Konzern gehörende Werft, so Koschnick noch Jahre später, „von allen die produktivste und rationalste war“. Dass der Senat die Schließung nicht hatte verhindern können, machte ihm schwer zu schaffen.

„1843 bis 1983 – Die Werft wird 140 Jahre alt, Killer machen sie jetzt kalt!“ Das stand auf Transparenten, mit denen die Belegschaft gegen die Schließung protestierte. In ihrer eigenen Sicht hat die Werft sich, was ihre Gründung angeht, immer gern auf 1843 berufen, nicht auf 1872. So ergab sich einfach eine längere Tradition. Bis 1983.

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