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„Ich muss seine Erinnerung verteidigen“: Marina Litwinenko zu Gast in Bremen

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Marina Litwinenko und Boris Reitschuster während des Gesprächs im Swissôtel. - Foto: Koller
Marina Litwinenko und Boris Reitschuster während des Gesprächs im Swissôtel. © Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Seit fast zwölf Jahren kämpft sie für Gerechtigkeit, dafür, dass die Mörder ihres Mannes endlich zur Rechenschaft gezogen werden. Am Mittwochabend war Marina Litwinenko, die Witwe des 2006 getöteten Ex-Agenten Alexander Litwinenko, auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) im Bremer Swissôtel zu Gast. Im Gespräch mit dem langjährigen „Fokus“-Korrespondenten in Moskau, Boris Reitschuster, sagte sie: „Ich muss seine Erinnerung verteidigen.“

Das Bild ging um die Welt: Abgemagert liegt Alexander Litwinenko im November 2006 in einem Londoner Krankenhaus. Seine Augen schauen apathisch in die Kamera, die Haut des damals 44-Jährigen ist gelblich verfärbt, der Kopf kahl. Wenige Tage später stirbt er. Was zu diesem Zeitpunkt noch nicht feststeht: Der ehemalige Agent des russischen Geheimdienstes wurde mit Polonium-210 vergiftet, einer radioaktiven Substanz, die bereits in winzigen Mengen tödlich ist – und laut Marina Litwinenko ganz bewusst gegen ihren Mann eingesetzt wurde. „Man wollte einen unerklärlichen Tod schaffen“, sagte sie während der Veranstaltung „Das System Putin“ im Bremer Swissôtel.

Marina Litwinenko, heute 56 Jahre alt, haben die mutmaßlichen Täter nicht in die Irre geführt. Sie ist sich sicher: „Wir haben starke Beweise.“ Starke Beweise dafür, dass ihr Mann vergiftet wurde. 2006 mischten, das ergaben unabhängige Untersuchungen, die zwei früheren KGB-Mitarbeiter Andrei Lugowoi und Dmitri Kowtun, das Gift in grünen Tee, den Alexander Litwinenko später zu sich nahm. Sie sprach von einer „großen Operation“ in London, geplant vom Kreml. Alle drei hatten sich damals im Londoner „Millennium Hotel“ getroffen. Das legen die unzähligen Kameras nahe, die in Englands Hauptstadt auch damals schon installiert waren. Bis heute wurden die mutmaßlichen Täter nicht angeklagt. Das werde sich auch nicht ändern, solange Russlands Präsident Wladimir Putin an der Macht sei. „Putin wird niemanden ausliefern. Nichts wird sich ändern.“

Die zierliche Frau mit durchdringendem Blick hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Nicht nur, um den Tod ihres Mannes aufzuklären. Es gehe, das betonte sie mehrmals, auch darum, Veränderungen in Russland selbst ins Laufen zu bringen. „Ich bin nicht gegen Russland. Ich bete für eine helle Zukunft.“ Doch ohne dass die Wahrheit benannt werde, werde sich in Russland auch nichts verändern. Dabei dürfe man Russland und Putin nicht gleichsetzen. „Russland“, unterstrich Marina Litwinenko, seien „die Menschen, die Kultur, das Volk.“ Putin hingegen müsse man „gesondert betrachten.“ Ob sich ihrer Meinung was ändern würde, wenn die russische Opposition an die Macht käme, wollte ein Mann aus dem Publikum wissen. Litwinenkos kurze Antwort: „Wir haben keine echte Opposition. Alle oppositionellen Parteien sind unter Putins Kontrolle.“ Selbst wenn Russlands Präsident morgen tot wäre, würde sich nichts zum Guten wenden. „Es ist das System, nicht Putin.“

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