Kampf gegen Rockerkriminalität endet nicht mit Vereinsverboten

Geldwäsche ohne Kutte

Ein Mitglied der Rockergruppe „Hells Angels“ nimmt an einem Protestkorso teil. Experten für Rockerkriminalität aus Deutschland und den Niederlanden sind gestern zu einer Fachtagung in Bremen zusammengekommen. Archivfoto: dpa
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Ein Mitglied der Rockergruppe „Hells Angels“ nimmt an einem Protestkorso teil. Experten für Rockerkriminalität aus Deutschland und den Niederlanden sind gestern zu einer Fachtagung in Bremen zusammengekommen. Archivfoto: dpa

Bremen - Von Sönke Möhl. Stiernackige und tätowierte Rocker, die auf-einander einprügeln und ganze Stadtteile in Angst und Schrecken versetzen: Bis vor wenigen Jahren war das ein wiederkehrendes Bild in deutschen Großstädten.

Inzwischen hat der Staat den Kampf gegen „Hells Angels“, „Mongols“, „Bandidos“ und „Gremium MC“ aufgenommen und zumindest an der Oberfläche auch gewonnen. Gerade bestätigte das Bundesverwaltungsgericht die Praxis, Rockern wegen ihrer allgemeinen Unzuverlässigkeit auch legal erworbene Waffen und Waffenbesitzkarten wegzunehmen.

Bremen war über Jahre besonders betroffen und hat 2010 begonnen aufzuräumen. Dabei konnte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) aber oft genug nur auf Hilfskonstruktionen setzen. Das Vereinsrecht bot den Hebel, „Hells Angels“ und „Mongols“ zu verbieten, über das Baurecht konnte das Clubhaus abgerissen werden. Noch 2011 hatte es blutige Straßenschlachten zwischen den beiden Gruppen gegeben.

Was bleibt, ist die organisierte Kriminalität. „Allein das Vereinsverbot führt nicht dazu, dass sie aus dem Drogenhandel aussteigen“, sagte Mäurer bei einer Fachtagung gestern in Bremen. „Dass sie im Dunkelfeld weitermachen, wissen wir.“ Es werde weiter intensiv ermittelt.

Inzwischen gebe es Rocker ohne Kutte und Strohmänner, die zum Beispiel die Geldwäsche zu illegalen Rockergeschäften erledigen, berichtete Rita Bley von der Hochschule für Öffentliche Verwaltung in Bremen. Innerhalb der Organisationen sei Gewalt an der Tagesordnung, es gebe Drohungen und Einschüchterungen. Niemand wage es, eine Anzeige nach einer Körperverletzung zu erstatten. Sie wisse das aus der Auswertung von Telefonüberwachungen von 57 Straftaten mit 21 Tätern. „Ich war erstaunt, was sich zeigt.“ In das Milieu einzudringen sei für Wissenschaftler sehr schwierig.

Rockerkriminalität ist ein länderübergreifendes Phänomen. So sei die holländische Gruppe Satudarah längst in Deutschland tätig, sagte der niederländische Kriminaldirektor Bert Westland, der seit 2012 beim Bundeskriminalamt tätig ist. „Wir sind hier, um voneinander zu lernen.“ Nur so könne die Polizei mit den Kriminellen Schritt halten. Nach Mäurers Angaben gibt es bisher aber keine Hinweise, dass der russische Rockerclub „Night Wolves“ bereits in Bremen aktiv geworden ist.

Nach Zahlen des Bundeskriminalamts gibt es bundesweit etwa 9000 Rocker. Bei der Organisierten Kriminalität hatte 2013 jedes achte Verfahren einen Bezug zu Rockern. Der Kampf des Staates gegen Rockerclubs reicht schon weit zurück. Bereits 1983 verbot das Bundesinnenministerium die „Hells Angels“ in Hamburg. Die ersten Motorradrocker hatten sich in den USA organisiert. 1948 taten sich Kriegsveteranen in Kalifornien zu den „Hells Angels“ zusammen, 1966 entstanden in Texas die „Bandidos“. Eine deutsche Gründung aus dem Jahr 1972 ist „Gremium MC“.

dpa

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