Die Kämpferische   

„Bremer Frauen-Geschichten”: Pazifistin und Frauenrechtlerin Auguste Kirchhoff

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Nach der Pazifistin und Frauenrechtlerin Auguste Kirchhoff ist in Schwachhausen eine Straße benannt. 

Bremen - Von Nina Seegers. „Sie war eine der bedeutendsten Figuren in der Bremer Frauenbewegung, wehrte sich gegen vorherrschende Rollenklischees und setzte sich mutig über Konventionen hinweg. Auguste Kirchhoff war eine echte Kämpferin und hat es mehr als verdient, dass man ihr auch heute noch gedenkt. Ihr ist daher eine Folge unserer Serie „Bremer Frauengeschichten” gewidmet.

Als Auguste Christine Louise Kirchhoff 1867 in einem kleinen Dorf in Rheinland-Pfalz geboren wurde, hieß sie noch Zimmermann. Die Tochter eines Justizrates genoss eine gute Erziehung und besuchte in den 1880er Jahren eine Höhere Töchterschule. Mit 21 Jahren heiratete sie den Bremer Rechtsanwalt Gerhard Heinrich Kirchhoff, der später der Direktor des Bremer Landgerichts und Bremer Senator wurde. Das Ehepaar Kirchhoff wohnte zunächst in der Besselstraße, dann in der Roon- und schließlich in der Graf-Moltke-Straße.

Auguste Kirchhoff war also von Haus aus eine Bürgerliche und sollte es an der Seite ihres Mannes auch bleiben. Wie es sich für eine Frau aus gehobenen Kreisen gehörte, lud die fünffache Mutter regelmäßig zu gesellschaftlichen Anlässen in ihr Haus und veranstaltete Konzerte.

Kirchhoff untersteht Zensur

Der jungen Frau reichte das aber nicht. Sie interessierte sich schon früh für politische und soziale Fragen. Gleich nach der Geburt ihres jüngsten Kindes 1905 gründete sie so zusammen mit ein paar anderen Frauen den Verein Mütter- und Säuglingsheim, der unverheirateten Müttern nach der Geburt Hilfe bot. Viele gutbürgerliche Anwohner rümpften die Nase, als ein solches Heim an der Kirchbachstraße eröffnet wurde. Aber Kirchhoff wusste sich zu verteidigen: „Warum soll denn ein Fehltritt bei der Frau mit dem Ruin eines ganzen Lebens gestraft werden, während dem Mann bei gleichen Vergehen die ganze Welt mit ihren höchsten Ehrenämtern offensteht?“

Kirchhoff setzte sich nicht nur für benachteiligte Frauen ein, sondern ebenso für den Frieden. So gehörte sie zu denjenigen, die 1914 klar gegen den Ersten Weltkrieg waren. In einem Brief nannte sie den Krieg „Massenmord, ein Verbrechen“. Als sie 1915 an dem internationalen Frauenfriedenskongress in Den Haag teilnahm, berichtete sie anschließend darüber in der Bremer Tageszeitung – nicht ohne Folgen: Viele Bremer Frauen waren darüber so empört, dass sie Kirchhoff in einem Protestbrief einen Mangel an „vaterländischer Gesinnung“ unterstellten. Sie sammelten mehr als 100 Unterschriften für ihren Protestbrief und erwirkten damit, dass Kirchhoff der Zensur unterstand und sich nicht mehr öffentlich äußern durfte.

„Mensch sein heißt Kämpfer sein“

Für die Pazifistin und Frauenrechtlerin war das jedoch kein Grund, die Füße stillzuhalten. „Mensch sein heißt Kämpfer sein“, war ihr Motto. So bekämpfte weiterhin den Militarismus und Antisemitismus im Land. 1924 schrieb sie: „Wir müssen die Gefahren des Faschismus und des Hakenkreuzlertums für unsere Jugend und unser ganzes Volk erkennen und uns gegen diese Kreise richten, die an die Macht der Waffe, an die Macht der Gewalt glauben.“ Hätte sie damals schon gewusst, was der Faschismus im Land noch anrichten würde, wäre sie wohl verzweifelt.

Vom Tod ihres Mannes 1929 erholte sie sich damals nicht mehr wirklich. Nach langer Krankheit starb sie 1940. Ihr Grab befindet sich auf dem Riensberger Friedhof.

Mehr Frauen-Geschichten aus Bremen lesen Sie hier.

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