Kabuki, Kimono und Kinderzimmer

Ausstellung „Cool Japan – Trend und Tradition“ im Übersee-Museum

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Eine als Manga-Figur verkleidete Puppe im Bremer Übersee-Museum. Manga-Ursprünge finden sich bereits in der illustrierten Literatur der Edo-Zeit. Die neue Ausstellung schlägt einen Bogen von dieser Periode bis in die Populärkultur der Gegenwart.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Emojis auf dem Smartphone, Sushi im Supermarkt – japanische Populär- und Alltagskultur ist auch bei uns allgegenwärtig. In einer neuen Ausstellung sucht das Bremer Übersee-Museum jetzt die Spuren dieses Phänomens und schlägt dabei einen spektakulären Bogen in die japanische Geschichte. Die Schau mit dem Titel „Cool Japan – Trend und Tradition“ beginnt am Sonnabend, 4. November. Sie dauert bis zum 1. Mai 2018.

Kuratorin Dr. Renate Noda, Leiterin der Abteilung Völkerkunde und von Haus aus Japanologin, konnte aus dem Vollen schöpfen. Das Übersee-Museum hat eine große Japan-Sammlung. Vieles lagerte im Depot, wurde für „Cool Japan“ restauriert. 800 Objekte sind nun in den Schaukästen und Inszenierungen der Ausstellung zu sehen. „Zu 90 Prozent eigene Exponate“, so Professorin Wiebke Ahrndt, die Direktorin des Übersee-Museums. Das ist ein ungewöhnlich hoher Wert.

Einige Exponate aus der Gegenwart hat Noda während der Ausstellungsvorbereitung bei Japan-Reisen angekauft. Und von den zehn Prozent Leihgaben stammen etliche Stücke „aus den Küchen und Kinderzimmern der japanischen Community in Bremen“, wie Ahrndt sagt. Auch über die Japan-Gemeinde hinaus wären die Museumsleute in vielen Wohn- und Kinderzimmern fündig geworden: Unterhaltungselektronik und Computerspiele, Mangas (Comics) und Animes (Zeichentrickfilme) – seit Jahren setzt Japan Trends und ist vielerorts präsent.

Bild aus einer Anleitung zum Anlegen einer Samurai-Rüstung von 1735 – in friedlicher Zeit musste das erklärt werden. - Foto: Kuzaj

Bei der Konzeption der Ausstellung sei sie von der Idee ausgegangen, „ein junges Publikum“ zu erreichen, sagt Kuratorin Noda. Die moderne japanische Populärkultur habe seit den 90er Jahren einen Siegeszug um die Welt angetreten – eben mit all den Mangas, Animes, Videospielen. Noda stellt dem Zeitgenössischen die historischen Wurzeln der japanischen Populärkultur gegenüber – womit wir in der Edo-Zeit wären, die von 1600 bis 1868 dauerte.

Edo ist der frühere Name der japanischen Hauptstadt Tokio. Die Edo-Zeit war „eine Periode des Friedens“, so Noda, in der große Teile der japanischen Populärkultur ihre Wurzeln haben. In der langen Friedensperiode wuchs nämlich eine blühende Bürgerkultur. Edo war schon im 18. Jahrhundert eine Millionenstadt. Das Bürgertum traf hier auf die Samurai, den Kriegeradel – aber die letzte kriegerische Periode lag ja vor der Edo-Zeit. Also stürzte man sich gemeinsam ins Vergnügen. „So entstand Populärkultur“, sagt Noda.

Zum Beispiel am Theater. Darsteller des stark stilisierten No-Theaters wurden in den Samurai-Stand erhoben. Die bürgerliche Kultur entwickelte das Puppentheater und das Kabuki-Theater, die sich beide an ein breites Publikum richteten.

Mangas und Animes als „Fenster zur Identität“

So eine Vorstellung im Kabuki-Theater dauerte „den ganzen Tag“, sagt Noda. Immerhin gab es zwischendurch auch etwas zu essen. Alle Rollen wurden von Männern gespielt. Insbesondere die Darsteller der weiblichen Figuren wurden „umjubelt wie Stars heute“.

Von der Samurai-Rüstung über historische Holzschnitte bis hin zu Mangas der Gegenwart – die Ausstellung bietet viel fürs Auge. Prachtvoll wirkende Kimonos hier, eine kostbare Akupunkturpuppe aus dem 17. Jahrhundert dort; dann wieder zeitgenössische Street-Fashion, ein Pachinko-Spielautomat (lange Zeit so etwas wie Japans „Nationalspiel“) und humanoide Roboter – deren Design zuweilen an Mangafiguren erinnert.

Weltweit präsent: Computerspiele aus Japan, deren Optik längst auch die Sehgewohnheiten im Westen mitprägt. - Foto: Kuzaj

In den Mangas und Animes sieht Noda ein „Fenster zur japanischen Identität – sie spiegeln Träume, Ängste und Hoffnungen der modernen japanischen Gesellschaft“. Zugleich stehen sie in der Tradition des Landes, optisch wie inhaltlich. Schon in der Edo-Zeit beliebte Gruselgeschichten zum Beispiel leben im kollektiven Gedächtnis Japans weiter – heute eben in Horrorfilmen, Mangas und Animes.

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