Kabarettist Bill Mockridge findet den „ultimativen Jungbrunnen“

Laufen, lernen, lieben

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„Auch in einer alten Kirche kann man die Glocken läuten lassen“ – so sieht Bill Mockridge (68) das Thema Sex im Alter.

Bremen - Von Steffen Koller. Erfrischend ehrlich, selbstironisch, frech: Der Kabarettist Bill Mockridge (68) gastierte am Montagabend auf dem Theaterschiff und machte mit seinem mehr als zweistündigen Programm „Alles frisch?!“ all denen Mut, die die Grenze von 60 Jahren überschritten haben oder bald überschreiten werden – intime Details inklusive.

Eigentlich hätte Bill Mockridge allen Grund gehabt, mürrisch und wie ein waschechter Pessimist die Bühne des Theaterschiffs zu betreten. Mit seinen 68 Jahren hat er, wie er selber sagt, rein statistisch gesehen nur noch 14 Jahre zu leben. 82 Jahre – das ist die durchschnittliche Lebenserwartung eines deutschen Mannes. Doch Mockridge, der vielen auch aus der Serie „Lindenstraße“ bekannt sein dürfte, ist nicht durchschnittlich. In seinem Programm, das auf seinem Buch „Je oller, je doller: So vergreisen Sie richtig“ basiert, geht er das Thema Altern mit Witz, Charme und reichlich intimen Details auf den Grund.

Kein Thema wird ausgelassen. Ob Sex, Sport, Falten, Diäten oder Mode. Bill Mockridge – oder der „grobe kanadische Klotz“, wie ihn seine Frau nennt – findet zu jedem Thema eine Anekdote, lässt dabei kein Auge trocken und spricht aus, was viele denken – und sich trotz jahrelanger Aufklärungsarbeit nur nicht trauen zu sagen. Damit trifft der 68-Jährige den Nerv der rund 80 Zuschauer, die zum Großteil die „Schallmauer“ der 60 Jahre durchbrochen haben oder nah dran sind, sie zu knacken. Doch Mockridge scheint den „ultimativen Jungbrunnen“ gefunden zu haben. Er nennt ihn die „fünf Ls“: laufen, laben, lernen, lachen und lieben.

Für viele ein Tabu, gibt Mockridge freizügig und mit einem Augenzwinkern Einblicke in sein Sexualleben. Seine Lieblingsposition im Bett? „Sie oben, er oben und vorne der ,Tatort’.“ Das Publikum quittiert diese Weisheiten mit lautem Lachen, immer wieder sind zustimmende Worte zu vernehmen. „Ja, genau. Genauso läuft’s!“, ist aus einer Reihe mit sechs Damen zu hören. Mockridge springt umher, gestikuliert wild mit den Armen. Er sitzt kurz, dann rennt er zur anderen Seite der Bühnenbretter. Er hat Spaß und lässt sich diesen nicht vermiesen. Er hat Falten, na klar, wer hat die nicht. Aber für ihn sind es „Landkarten des Lebens“. „Da ist viel los im Gesicht“, sagt er trocken. Sein Bauch – Mockridge nennt ihn „Feinkostbeule“ – hängt ein wenig, aber egal.

Der gebürtige Kanadier wirkt frisch, jugendlich und nicht wie ein Greis, der sich seinem „Schicksal“ ergeben hat. Und sollte sich die Statistik tatsächlich bewahrheiten, dann ist das halt so. Mockridge wird es mit Humor nehmen. Das Publikum wird es ihm danken.

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