SERIE VERSCHWUNDEN: Das Operettentheater der Nachkriegszeit

„Juxbaron“ im Parkhaus

Das Parkhaus am Hollersee auf einer historischen Ansichtskarte. Und ohne „Juxbaron“. 
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Das Parkhaus am Hollersee auf einer historischen Ansichtskarte. Und ohne „Juxbaron“.
  • Thomas Kuzaj
    vonThomas Kuzaj
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Bremen – Hier traf der „Graf von Luxemburg“ auf den „Juxbaron“ – und das gleich in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Da sollte und wollte das Bremer Operettentheater mit leichter Muse für Heiterkeit und Amüsement sorgen. Inzwischen ist es längst verschwunden – und heute Thema unserer gleichnamigen Serie.

Der „Graf von Luxemburg“, der „Juxbaron“ und all die anderen fröhlichen Gesellen traten im Parkhaus am Hollersee im Bürgerpark auf. Eine Adresse, die seit Jahrzehnten schon für Unterhaltung stand – und nun eben war das Operettentheater hier eingezogen.

Das erste Parkhaus war schon in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts am Hollersee errichtet worden, da war der Bürgerpark noch ganz jung. Zur großen „Nordwestdeutschen Gewerbe- und Industrieausstellung“ folgte 1890 ein neues, noch festlicheres Parkhaus – mit Kuppel und Türmen im Stil der Zeit. Und mit Gartenkonzerten.

Charakteristischer Kuppelbau

1907 brannte dieses Parkhaus ab. Es musste komplett neu gebaut werden. Dieser Neubau wurde 1914 fertig – mit großer Kuppel an zentraler Stelle. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Parkhaus durch Bomben beschädigt. Die Amerikaner nutzten es zunächst als Offizierscasino, verließen das desolate Bauwerk aber schnell wieder.

Nachdem einige der Kriegsschäden schließlich beseitigt waren, da war sie dann frei, die Bühne für das Bremer Operettentheater. Zu sehen gab es im Kuppelbau am See Revuen und – eben – Operetten. Der „Graf von Luxemburg“ etwa trat täglich um 18.30 Uhr in Erscheinung, wie auf einem zeitgenössischen Plakat zu lesen ist. „Fünf Minuten vom Hauptbahnhof“ – auch damit warb das Operettentheater. Und mit dem Hinweis, dass es mit den „Straßenbahnlinien 5 und 6“ zu erreichen sei – nach damaliger Linienführung, versteht sich.

Top-Grafiker entwirft Plakate

Die Plakate für das Bremer Operettentheater gestaltete ein Großer seiner Zunft – der Bremer Werbegrafiker Heinz Fehling (1912 bis 1989). Er kannte sich gut aus mit und in der Unterhaltungsbranche, schließlich war er der Hausgrafiker des legendären Bremer Varietés „Astoria“. Mit seinen Werbemotiven sollte er zudem einer der einflussreichsten Plakatgestalter der Nachkriegsjahre werden, sein Spektrum reichte vom Bier bis zum Borgward.

Eines der Fehling-Plakate für das Operettentheater wirbt für die Produktion „Hand aufs Herz – Eine Revue aus unseren Tagen in 18 Bildern“. Autor: Hans Günther Oesterreich (1910 bis 1990), auch eine bremische Legende. Oesterreich hatte schon in den 30er Jahren mit Fehling zusammengearbeitet (vor seiner Flucht aus NS-Deutschland). Gemeinsam mit dem US-Offizier Edward Harriman hebt er 1945 Radio Bremen praktisch aus der Taufe. Oesterreich moderiert, schreibt, führt Regie. Er singt und erledigt Verwaltungskram. Und er gibt dem jungen Sender auch den Namen „Radio Bremen“. Die Hörfunkserie „Die Familie Meierdierks“ (ab 1952) wird zu seinem größten Erfolg.

Parkhaus wird zum Luxushotel

Das alles spielt, bevor die große Zeit des neuen Mediums Fernsehen beginnt. Die Tage des Operettentheaters im Parkhaus am Hollersee sind dennoch bald gezählt. „Viele Aufführungen waren gut besucht, doch stellte das Operettentheater am 1. März 1949 seinen Betrieb ein“, heißt es im „Großen Bremen-Lexikon“ des Historikers Herbert Schwarzwälder (1919 bis 2011).

Und dann? Dann kommt (unter Bremer Unternehmern) die Idee auf, das Parkhaus zu einem Hotel umzubauen. Die charakteristische Kuppel des Mittelbaus bleibt erhalten, flache Flügelbauten schließen sich an: 1956 öffnet das Park Hotel im Bürgerpark, elf Jahre nach Kriegsende findet der Luxus hier ein Zuhause. Nun kommen auch echte Grafen und Barone in den Kuppelbau, keine Bühnen- und Juxfiguren mehr.

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