Zast bleibt im Fokus

Junger Flüchtling in Bremen vergewaltigt?

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Die Zast in Habenhausen ist seit einigen Tagen Thema in den Medien.

Bremen - Von Ralf Sussek. Das Sozialressort gerät zunehmend in Erklärungsnot: Erst die Bettwanzen in der Zentralen Aufnahmestelle (Zast) in der Steinsetzerstraße, nun ist es dort möglicherweise zu einem sexuellen Übergriff gekommen.

Darüber hatten heute Medien berichtet. Danach sei ein 15-Jähriger in der Zeit von Freitag bis Sonntag von einem weiteren Jugendlichen in der Erstaufnahmeeinrichtung vergewaltigt worden. Die Staatsanwaltschaft bestätigte, dass es den Anfangsverdacht der sexuellen Nötigung gibt. „Was tatsächlich passiert ist, ist noch unklar“, sagte Staatsanwaltschaftssprecher Frank Passade. Die Behörde prüft demnach den Anfangsverdacht gegen einen mutmaßlichen Täter, einen 17-jährigen unbegleiteten Flüchtling. Das mutmaßliche Opfer hatte die Tat beim Sicherheitsdienst der Zast angezeigt.

Sozialsenatorin Anja Stahmann (M.), Ressortsprecher Bernd Schneider (r.) und Abteilungsleiterin Heidemarie Rose erklärten heute die Situation in der Zast.

„Unmittelbar nach Bekanntwerden hat die Einrichtung in der Steinsetzerstraße sowohl Polizei als auch Staatsanwaltschaft eingeschaltet“, sagte am Nachmittag Ressortsprecher Bernd Schneider. Den Angaben zufolge sind die ursprünglich zwei beschuldigten Jungen in Jugendhilfeeinrichtungen außerhalb Bremens gebracht worden, der 15-Jährige in eine andere Unterkunft in Bremen. So werde sichergestellt, „dass die Jugendlichen in ihrer Einrichtung nicht wieder aufeinandertreffen“. Der 17-jährige Verdächtige soll in den nächsten Tagen richterlich vernommen werden. Dann müsse das Geschehen rechtlich gewürdigt werden, so Passade.

„Wir nehmen den aktuellen Vorwurf zum Anlass, gemeinsam mit dem Träger und den einschlägigen Beratungsstellen die präventiven Konzepte in den Einrichtungen zu prüfen und gegebenenfalls weiterzuentwickeln“, sagte Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz. Wie das aussehen könnte, sagte Stahmann nicht.

Ihren Angaben zufolge befinden sich 200 Jugendliche (statt der ursprünglich maximal 170) sowie 70 Erwachsene in der Zast. Das Asylheim muss, wie berichtet, komplett geräumt werden, um den Bettwanzenbefall zu beseitigen.Werden die Flüchtlinge in der Zast ausreichend betreut? Nach den Vorgaben des Sozialressorts soll sich ein Betreuer um sechs Jugendliche kümmern. Dass das immer so ist, konnte die Abteilungsleiterin im Sozialressort, Heidemarie Rose, nicht bestätigen. Die Träger hätten wegen der vielen neuen Flüchtlinge Probleme, ausreichend Personal zu finden, sagte sie. In der Nacht sind in der Asylunterkunft nur vier Sicherheitskräfte anwesend.

Die CDU hat Aufklärung über „katastrophale Zustände beim Umgang mit jugendlichen Flüchtlingen“ gefordert. Die Sozialsenatorin kündigte genau diese gestern an, und zwar in der „Sondersitzung einer Sozialdeputation der noch nicht konstituierten Bürgerschaft“ – ein Novum. Stahmann beklagte, dass es in der Deputation in den vergangenen Monaten „keinen Vorschlag von der Opposition“ gegeben hätte, der die Situation hätte verbessern können.

Im Laufe des Jahres sind bisher 410 unbegleitete Jugendliche nach Bremen gekommen. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 114.

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