Junge Flüchtlinge: Wohlfahrtsverbände fordern bessere Integrationsmöglichkeiten

„Das muss schneller gehen“

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„Nur eine Notmaßnahme“: Zelt-Unterkunft auf dem Stadtwerder.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Höheres Tempo und größere Anstrengungen bei der Aufnahme und Integration unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge fordern die Bremer Wohlfahrtsverbände und der Kinderschutzbund. Sie äußerten sich gestern auch mit Blick auf die gegenwärtig laufenden rot-grünen Koalitionsverhandlungen.

„Unser Fokus liegt auf der Frage, wie wir mit den Jugendlichen umgehen“, sagte Arnold Knigge, Vorstandssprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (LAG). „Der Zuzug wird anhalten, die allermeisten Jugendlichen werden bei uns bleiben. Und die allermeisten wollen integriert werden.“ Doch der Weg in Richtung Integration sei zu lang.

„Die jungen Menschen brauchen hier eine Zukunft“, so Dr. Carsten Schlepper, Vorsitzender des Kinderschutzbunds in Bremen. „Wir brauchen Schul- und Ausbildungsplätze.“

„Derzeit fehlt es in Bremen vor allem an geeigneten Unterkünften, intensiver Betreuung und dem zeitnahen Zugang zu Deutschkursen sowie schulischem und beruflichem Lernen“, heißt es in einer Erklärung der LAG.

Und weiter: „Über Wochen sind viele junge Flüchtlinge nach ihrer Ankunft daher in Massenunterkünften weitgehend sich selbst überlassen, haben nichts zu tun, können nichts lernen. Damit steigt das Risiko, den Einstieg in unsere Gesellschaft zu verpassen und unter negative, womöglich kriminelle Einflüsse zu geraten.“

So dauere es zu lange, bis junge Männer vom Erstaufnahmeheim in eine der beiden Clearingstellen (Stresemannstraße und Berckstraße) verlegt werden. Die Clearingstellen sind dem Wohnen in WGs und Einzelwohnungen vorgeschaltet. „Die Verfahren zur Schaffung neuer Plätze müssen beschleunigt werden“, fordert Knigge. Als Beispiel nannte er das alte Zollamt in der Überseestadt. „Das muss schneller gehen.“ Die Wohlfahrtsverbände wollten in Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden „50 bis 60 zusätzliche Plätze“ schaffen. Unterkünfte in Zelten wie auf dem Stadtwerder könnten „nur eine Notmaßnahme“ sein.

Zudem müsse schneller über Amtsvormundschaften entschieden werden. Gegenwärtig dauere das bis zu sechs Monate lang. Knigge: „Das ist untragbar.“ Die Wohlfahrtsverbände fordern die rot-grünen Verhandlungspartner auf, das Jugendamt mit mehr Personal auszustatten.

Mit Blick auf eine Gruppe junger Flüchtlinge, die durch Straftaten aufgefallen ist, lehnten LAG und Kinderschutzbund gestern einmal mehr die für diese Jugendlichen geplante geschlossene Einrichtung ab. Knigge: „Man löst keine Probleme, indem man Jugendliche wegschließt, sondern man schafft neue.“

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