Unternehmensberater Philipp Riederle zu Gast beim Siemens-Wirtschaftsforum

Jung, erfolgreich, wortgewandt

Kam auf Einladung des Bremer Siemens-Chefs Franz-Wilhelm Löbe (rechts) zum Wirtschaftsforum ins Atlantic Grand Hotel: Unternehmensberater Philipp Riederle. Foto: KOLLER

Bremen - Von Steffen Koller. Er wurde als „Vermittler zwischen den Generationen“ angekündigt, hat als Jugendlicher seine erste Firma gegründet, ist zweifacher Buchautor und stand am Donnerstagabend beim Siemens-Wirtschaftsforum als Hauptredner auf der Bühne – und das mit gerade einmal 24 Jahren. Philipp Riederle kann man getrost als Senkrechtstarter bezeichnen. Und als jemanden, der die Bedürfnisse der „Generation Z“ sehr gut zu kennen scheint. Jetzt ließ er auch das Bremer Publikum daran teilhaben.

Viele Probleme sind auch im 21. Jahrhundert analoger Natur. Da hilft keine Digitalisierung, keine „Smart City“, kein W-Lan. Wenn Jörg Schulz, Staatsrat des Bremer Wirtschaftssenators, im Stau steckt, weil die Polizei großangelegte Kontrollen durchführt, dann muss Riederle eben warten. Und mit ihm die etwa 150 Gäste, die am Donnerstagabend ins Atlantic Grand Hotel gekommen sind. Und es heißt: improvisieren. Den Abendplan etwas um-, aber nicht vollkommen über den Haufen werfen. In etwa so muss man sich auch die Denkweise von Philipp Riederle vorstellen. Er, aufgewachsen in Zeiten der Digitalisierung, mit Smartphone statt Walkie Talkie, hat bereits mit 13 Jahren seinen ersten Podcast ins Netz gestellt. „Youtube“ feierte da gerade einmal den dritten Geburtstag und „iPhones“ waren nur in den USA erhältlich.

„Denn sie wissen, was sie wollen – wie die digitale Generation die Berufswelt revolutioniert“ – unter dieser Überschrift referierte Riederle, gebürtiger Münchner, rund eine Stunde auf dem Podium. Und seine Thesen waren dabei alles andere als zurückhaltend. Wenn heute jemand behaupte, die „Generation Z“ (etwa ab Jahrgang 1995) würde ausschließlich in einer virtuellen Welt leben, dann sei das schlicht falsch. „Alles Vorurteile“, so Riederle. Die „virtuelle Welt“ sei „schon immer Teil der realen Welt“ gewesen – zumindest für all diejenigen, die damit aufgewachsen seien. Im Umkehrschluss, so Riederle, sitze vor ihm eben auch die „letzte analoge Generation“. Diesen Paradigmenwechsel zu verstehen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen, sei die Quintessenz, um in Zeiten digitaler Transformation auch als Unternehmen weiter erfolgreich zu sein.

Mehr als 400 Firmen hat Riederle nach eigenen Angaben bereits beraten – und vielen habe er erstmal begreifbar machen müssen, dass die „neue“ Generation anders ticke. „Wir konnten schon immer machen, was wir wollten“, sagt Riederle. Jeder kann mit jedem auf der Welt in Kontakt treten, jeder hat Zugriff zu fast allen Informationen, und jeder kann seine Meinung öffentlich kundtun. Für den 24-Jährigen drei zentrale Unterschiede zur analogen Generation. Für Unternehmen, aber auch für Schulen, sei dieses Wissen enorm wichtig. Medienkompetenz schulen, Ausbau von Breitbandkabeln, aktualisierte Ausbildungsberufe: All das sind Themen, die laut Riederle zum Teil verschlafen wurden. „Chef sein heißt heute nicht mehr vorzumachen und zu gucken, ob es richtig nachgemacht wird.“ Chef zu sein, das bedeute vielmehr, Angestellte um sich zu haben, die in ihren Bereichen besser sind als der Vorgesetzte. „Sonst kann man sie doch ersetzen.“

Heute sei es Einzelpersonen möglich, dass zu erreichen, was Firmen in Jahrzehnten aufgebaut haben – innerhalb weniger Tage und mit geringsten Mitteln. „Alles steht auf dem Prüfstand“, mahnt Riederle. „Es hat niemand gesagt, dass es einfach wäre“, sagt der Unternehmensberater und schickt eine abschließende Forderung hinterher: „Habt keine Angst.“

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