Jugendliche und das Smartphone: Fachtag zum Thema „Mediensucht“

Auch mal abschalten

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Smartphone in Kinderhand: Um Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen ging es gestern bei einem Fachtag im Lidice-Haus.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Nun mach‘ das blöde Handy doch endlich mal aus.“ – „Nö.“ – Kinder verbringen viel Zeit mit Smartphones. Onlinespiele, Netzwerke, unentwegtes Tippen und Wischen: Eltern kann das in den Wahnsinn treiben. Ist das nötig? Ab wann wird‘s wirklich gefährlich? Mit Fragen wie diesen beschäftigte sich gestern ein Fachtag zum Thema „Mediensucht“.

„Immer und überall online zu sein, erfordert ein neues gesellschaftliches Denken sowie neue Regeln und Kompetenzen“, sagt der Bremer Medienpädagoge Markus Gerstmann. Gerstmann arbeitet im „Service-Bureau Jugendinformation“ (Grünenstraße), das zur gemeinnützigen Jugendbildungsstätte Lidice-Haus auf dem Stadtwerder gehört und zum mittlerweile neunten Mal zu einem „Mediensucht“-Fachtag geladen hat.

Gedacht war der Tag für „Multiplikatoren“, sagt Sabine Heimann, pädagogische Mitarbeiterin im „Service-Bureau Jugendinformation“. So gehörten Lehrer und Suchtberater zu den Teilnehmern, die aus Bremen und Niedersachsen gekommen waren. Referenten sprachen über Themen wie „Selbstoptimierung und Selbstbestätigung durch Apps“ und den Umgang der Eltern (und älteren Geschwister) mit digitalen mobilen Medien – und deren (oftmals unbewusste) Vorbildfunktion dabei.

Zu den Referenten gehörten aber auch Jugendliche. Zehntklässler berichteten über ihre Erfahrungen mit den allgegenwärtigen Smartphones. Dabei kamen differenzierte Einschätzungen zur Sprache. Handy in der Schule erlauben oder nicht? Im Unterricht nicht, so die Auffassung der Schüler. In der Pause schon.

Und es wird durchaus nicht alles in der schönen neuen Welt der digitalen Kommunikation für toll gehalten. Ein Beispiel war gestern „What‘s app“. Es gibt eine „What‘s-app“-Klassengruppe, berichteten die Schüler. Viele seien da aber schon wieder ausgetreten, weil‘s ihnen zu viel wurde.

Message für die Erwachsenen: Jugendliche sind durchaus in der Lage, ihre Mediennutzung zu steuern. „Die Jugendlichen an sich haben kein Problem“, sagt Sabine Heimann. Oft gehe es darum, den Eltern zu erklären, „was die Jugendlichen da überhaupt machen“. Sie halten Kontakt, knüpfen Netzwerke, entwickeln ihre Identität. In Spielen probieren sie sich aus, stellen sie sich Herausforderungen. Vieles, was früher ohne Medien ging, wird heute ganz selbstverständlich digital gemacht. Damit tun Erwachsene sich oft schwer. „Es ist gut, wenn die Eltern die Perspektive der Jugendlichen einnehmen können“, so Heimann.

Solange die Schule und familiäre Pflichten nicht vernachlässigt werden, solange soziale Kontakte nicht ausschließlich online gepflegt werden, ist alles in Ordnung – Faustregeln der Experten. Und: Eltern sollten mit ihren Kindern „Regeln für die Mediennutzung aushandeln, nicht vorgeben“, sagt Heimann.

Was aber, wenn die Mediennutzung exzessiv wird, die Kinder lustlos und gereizt wirken, womöglich unter Symptomen wie Schlafstörungen und Appetitlosigkeit leiden? Dann, so raten die Fachleute, ist es an der Zeit, sich Beratung und Hilfe zu holen – etwa bei der „(Esc)ape“, einer Ambulanz für junge Menschen mit Suchtproblemen. Oder eben beim „Service-Bureau Jugendinformation“. Um einen Weg zu finden, das Handy doch mal abzuschalten.

http://servicebureau.de

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