Wurzeln, Biografien, Perspektiven: Quartier-Kulturprojekt zum Themenkreis Migration und Integration

Jugendliche bauen „Einwanderhaus“

Beats, Rap und Tanz: Jugendliche vom Schulzentrum an der Koblenzer Straße in Tenever im Übersee-Museum.

Bremen - Von Thomas Kuzaj· Albanese, Spitta, Özil. Namen bekannter Bremer aus Geschichte und Gegenwart. Namen, die an einer symbolischen Türklingelleiste zu sehen sind. Die Leiste symbolisiert das „Einwanderhaus“ – ein Projekt der gemeinnützigen Quartier GmbH und der Shakespeare-Company. Thema: Einwanderung.

These: Bremen ist seit eh und je eine Stadt der Einwanderer. „Einwanderung hat es immer gegeben“, sagt Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD), der Schirmherr. „Letztlich sind wir wahrscheinlich alle Einwanderer.“ Was bedeutet: „Man hat seine Wurzeln woanders und lässt hier neue wachsen.“

Schüler aus Kattenturm, Tenever und Huchting porträtieren sich gegenseitig.

Tatsächlich? Wie bei den Quartier-Kulturprojekten üblich, werden die Thesen in der Praxis geprüft. Kunst und Geschichte, Tanz und Theater – etliche Einzelprojekte bilden das „Einwanderhaus“. Sie kreisen um die Themen Migration und Integration. Wie üblich, geht Quartier zu den Menschen in den Stadtteilen, um mit ihnen zu arbeiten – vor allem mit Kindern und Jugendlichen, und zwar mit jenen aus den so genannten Randlagen. Wurzeln wachsen lassen – was bedeutet das für junge Menschen, deren „Migrationshintergrund“ oft nicht als Bereicherung der Gesellschaft empfunden wird, sondern sie ausgrenzt, ihnen Perspektiven nicht er-, sondern verschließt? Quartier-Leiter Marcel Pouplier: „Je älter die Kinder und Jugendlichen sind, desto stärker ist die Frage: Was wird aus mir, wo gehe ich hin?“

2 000 Mädchen und Jungen aus Horten, Freizeitheimen und zwölf Schulen bauen mit am „Einwanderhaus“, beteiligen sich – bereits seit Januar – an künstlerischen Werkstätten. Einige von ihnen waren gestern beim offiziellen „Einwanderhaus“-Auftakt, der im Übersee-Museum gefeiert wurde – unter ihnen Grundschüler aus Kattenturm, Tenever und Huchting. Sie arbeiten an „Ich-und-Du-Büchern“. Kerstin Holst von Quartier: „Wir haben in den Grundschulen Ateliers eröffnet, in denen Klassen mit Künstlern arbeiten.“

Thema sind die Biografien der Kinder. Jedem Kind wird eines aus einem anderen Stadtteil zugeordnet – so dass, sagen wir mal, ein türkisches Kind aus Kattenturm mit einem indischen aus Tenever an einem Buch schreibt und zeichnet. Gestern lernten sich viele dieser Paare kennen – und porträtierten sich erst einmal gegenseitig. Am Ende sollen 230 Bücher von 460 Kindern im Übersee-Museum gezeigt werden – ab 28. September. Viele „Einwanderhaus“-Bausteine gibt es rund um den 3. Oktober zu sehen, wenn in Bremen die zentralen Feiern zur Einheit Deutschlands sind. Dazu zählen Ausstellungen, Aufführungen und ein Kongress im Postamt 5 am Hauptbahnhof – sowie die Installation „Check in“ auf dem Bahnhofsvorplatz: Ausweisung oder Chance auf ein Klingelschild in Bremen? Das ist dann die Frage.

WWW.

quartier-bremen.de

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