Mit „Planeten-Optik“ 360-Grad-Aufnahmen

Ein Internetclip mit Folgen

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Jonas Ginter hat es geschafft, Bewegtbilder zu einer lückenlosen 360-Grad-Perspektive zu montieren. Dank dieser „Planeten-Optik“ erhält der Fotograf Aufträge aus der ganzen Welt.

Bremen - Von Astrid Labbert. Als Jonas Ginter im Frühjahr 2014 ein einminütiges Video von einer Radfahrt am Osterdeich ins Netz stellt, wird der Clip 2,3 Millionen Male geklickt – so originell ist seine Optik. Seither sind Ginters 360-Grad-Aufnahmen in der Werbebranche gefragt.

Diese Kamerakonstruktion auf dem Kopf veränderte Jonas Ginters Leben.

Das Fenster steht offen, ein laues Lüftchen zieht durch den Büroraum, den sich Jonas Ginter mit anderen Kreativen in der Bürogemeinschaft „Plantage 9“ teilt. Der Fotograf sitzt an einem großen Holztisch und öffnet sich eine Brauseflasche. So entspannt wie jetzt war es im vergangenen Jahr wohl eher selten im Alltag des 29-Jährigen. Seine Kamerakonstruktion, die sein Berufsleben so plötzlich verändert hat, steht neben ihm auf einem Stativ: ein schwarzer Kunststoffwürfel, auf dem sechs kleine Kameras montiert sind. Eigentlich eine Spielerei, sagt Ginter.

Drei Jahre lang habe er damit in seiner Freizeit experimentiert; zahllose Aufnahmen gemacht, bis die Kameras in Anzahl und Winkel so justiert waren, dass die simultan gefilmten und sich ergänzenden Bewegtbilder zu einer lückenlosen 360-Grad-Perspektive montiert werden konnten. Er stellte einen ersten Clip ins Internet. Und der ging „durch die Decke“, erzählt Ginter. In dem Einminüter radelt er auf dem Osterdeich an der Weser entlang. Die Bilder der sogenannten Go-Pro-Kameras ergeben zusammengeschnitten ein Bewegtbild und erzeugen die Illusion: Hier radelt einer über seinen eigenen, kleinen Planeten. Was Ginter „Machbarkeitsstudie“ nennt, erntete in kürzester Zeit begeisterte Kommentare im Netz, es folgten Interviewanfragen von Fernsehsendern aus Japan und den USA, dann Aufträge von der Band „Fettes Brot“, von Agenturen und Konzernen wie Mercedes-Benz. „Es war verrückt. Ich bin viel herumgekommen und habe viel gelernt.“

Ginters Clips sind Filme, die auf extreme und zugleich einfache Weise mit der Perspektive spielen. Ein Novum, mit derart einfachen Mitteln solch eine Panoramalandschaft zu produzieren. Und eine Provokation für jeden Betrachter: Wie hat der das gemacht?

In seinem Blog hat Ginter das detailliert beschrieben. Weder Kamera noch Würfel hat er erfunden – aber er hat eine Antwort auf die Frage, wie sich die 360-Grad-Optik, die in der Panoramafotografie „ja ein alter Hut ist“, in Bewegtbilder umsetzen lässt. Er hat das Netz nach Ideen durchforstet, Dinge kombiniert, ausprobiert und zahlreiche Stunden damit zugebracht, Bilder zu montieren. Als er die ideale Kombination aus Winkel und Anzahl von Kameras in dem per 3D-Drucker erzeugten Würfel vereint hatte, postete er das in seinem Blog und rief Leser auf, ihn auf irgendeinem Gefährt mitzunehmen. Seine Kameras sind seither Kanu gefahren, auf einem Segelflugzeug geflogen, später wurden sie für Aufträge am Auto montiert oder auf seinem Helm, während er mit einem Mofa über die Alpen fuhr.

Dem Wahl-Bremer, der sich nach seinem Journalistik-Studium an der Hochschule Bremen auf Business- und Werbefotografie spezialisierte, eröffnete sich so ungeplant ein zusätzliches Tätigkeitsfeld. Als er zeitweise der Nachfrage nicht mehr Herr wurde, nahm er Freunde aus dem Kreativbereich mit ins Boot. Einem Drehtag folgen mehrere Tage am Rechner: Die Bilder müssen aufwendig zusammengesetzt werden, erst dann beginnt die eigentliche Bearbeitung mit Schnitt, Farbkorrekturen und Ton. Es hat Unternehmen gegeben, die es selbst probierten und ihn dann doch am Ende für die Postproduktion engagierten. Selbst beschreibt er sich fast entschuldigend als „technik-bekloppt“. Dass seine „Planeten-Optik“ früher oder später von einer neuen Mode abgelöst wird, sieht der 29-Jährige gelassen.

www.jonasginter.de

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