Joachim Lohse oder Robert Bücking: Grüne Basis entscheidet über Bausenator

Duell als Machtkampf

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Joachim Lohse packt an. Der 56-jährige Hamburger will Umweltsenator bleiben. Doch auch der ehemalige Viertel-Bürgermeister Robert Bücking (62) will den Job. Die grüne Basis entscheidet am Sonnabend.

Bremen - Von Jan-Paul Koopmann. Joachim Lohse ist bereit für Zoff. Der amtierende grüne Senator für Bau, Umwelt und Verkehr teilte seiner Partei mit, er sei „fest entschlossen“ weiterzumachen. Auf ihrer Landesmitgliederversammlung am Sonnabend entscheidet die grüne Basis über den vom Landesvorstand ausgehandelten Koalitionsvertrag – und über die vorgeschlagenen Senatoren.

In der wohl einzigen Kampfabstimmung des Tages wird sich Lohse gegen den ehemaligen und langjährigen Leiter des Ortsamts Mitte, Robert Bücking, durchsetzen müssen. Der hatte sich, wie berichtet, kurzfristig auf den Posten beworben.

Die Wahl gilt einigen Kommentatoren als Machtkampf zwischen Parteispitze und Basis: Hier der vom Vorstand einstimmig vorgeschlagene Senator Lohse, dort der als beliebter geltende Bücking. Dass die Verhältnisse ganz so einfach nicht sind, war allerdings bereits im November bei der Listenaufstellung zur Bürgerschaftswahl zu sehen. Immerhin rund 75 Prozent der Teilnehmer hatten Lohse auf Listenplatz vier gewählt, während Bücking auf den folgenden Plätzen wiederholt abschmierte.

Einerseits, sagte Lohse nun, seien solche Auseinandersetzungen ja gut für die Partei – als Möglichkeit, „zwischen verschiedenen Alternativen die bessere auszuwählen“. Nur früher hätte das passieren sollen. Jetzt hingegen hätte doch allmählich Ruhe einkehren, die Wunden hätten verheilen können, die die vergangenen Wochen „bei vielen von uns gerissen haben“.

Ganz unerwartet kommt Bückings Kandidatur freilich nicht. Zwar beteuerte er, sich spontan zu diesem Schritt entschieden zu haben. Als Bausenator bringt er sich regelmäßig ins Gespräch.

Lohses Arbeit ist nicht unumstritten. Zwar wurde gerade im März sein Verkehrsentwicklungsplan 2025 wegen der Beteiligunsangebote für Bürger als einer der besten Europas prämiert. Medial aber stand er vielfach in der Kritik, unter anderen wegen etlicher Tempo-30-Zonen und zahlreicher Fahrradstraßen. Auch hinkt Bremen beim Bau von Sozialwohnungen dem Bedarf hinterher.

Häufig fand sich Lohse persönlichen Angriffen aus Reihen der CDU ausgesetzt. Erst als er im vergangenen Jahr nach anhaltender Kritik an seiner Amtsführung die Pressesprecherin ablöste, wurde es ruhiger. Innerhalb der Grünen gab es derweil zwar Angriffe Einzelner, zum offenen Konflikt mit der Partei ist es aber nie gekommen. Hingegen sollen etliche Parteimitglieder ihren Austritt für den Fall eines Siegs von Bücking angekündigt haben. Auf Facebook wurde seine Kandidatur teils hämisch, teils sarkastisch kommentiert.

Lohse war erst 2011 aus Kassel nach Bremen gekommen. Er ist erst damals in die Partei eingetreten. Als Außenseiter in der Abstimmung aber stilisiert sich Bücking, der als 62-jähriger nach 20 Jahren Ortsamtsleitung nun für Erneuerung stehen möchte.

Bei der Frage „Robert oder Joachim“, erklärte Lohse seiner Partei, gehe es nicht um die Wahl zwischen Politikrichtungen, „sondern um Persönlichkeiten“. Mit ihm bekäme die Partei „keinen wortgewaltigen Ankündigungsminister“, verspricht er, sondern einen „erfahrenen Manager“ und „Teamplayer“.

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