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Bremen: Antonius Adamske und der Raths-Chor

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Von: Jörg Esser

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Antonius Adamske mit Taktstock.
„Dirigent zu sein, ist eine Lebensaufgabe“: Antonius Adamske ist seit September 2020 künstlerischer Leiter des Bremer Raths-Chors. © Robert Wilde

„Dirigent zu sein, ist eine Lebensaufgabe“, sagt Antonius Adamske. Der 29-Jährige ist seit September 2020 künstlerischer Leiter des Bremer Raths-Chors.

Bremen – Ein Friedenskonzert mit dem ukrainischen Pianisten Alexey Botvinov in der Glocke (26. Juni), der „Elias“ auf der Seebühne (18. Juli) und Christoph Willibald Glucks „Orpheus und Eurydike“ („Orphée et Euridice“) im Metropol-Theater (16. Oktober) – der Bremer Raths-Chor hat anspruchsvolle Highlights in seinem Programm für Sommer und Herbst.

Der 2008 gegründete Chor hat seit September 2020 mit Antonius Adamske einen jungen künstlerischen Leiter, der für „Alte Musik“ steht, für Werke, die zwischen 1600 und 1800 entstanden sind. Er will Werke wie den „Elias“ historisch-informiert aufführen, fundiert im geschichtlichen Kontext erzählen.

Adamske hat zwei kleine Kinder und ist vor allem deswegen in seine Heimat nach Bad Zwischenahn gezogen, also nicht weit weg von Bremen. „Über Empfehlungen“ haben sich die Wege des Dirigenten und des Raths-Chores gekreuzt. Der Chor hat dann Adamske in seiner Mitgliederversammlung im September 2020 zum künstlerischen Leiter gewählt. Das passt.

Zentrales Arbeitsfeld in Hamburg

Antonius Adamske ist nicht nur Dirigent des Bremer 80 Mitglieder starken Raths-Chores, sondern auch und vor allem Dirigent des Monteverdi-Chors Hamburg. „Das ist mein zentrales Arbeitsfeld“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Der 29-Jährige beschäftigt sich vor allem mit der historischen Aufführungspraxis italienischer Komponisten, als „wichtige Leidenschaft“ bezeichnet er szenisch-konzertierte Barockopern. „Die explodieren derzeit geradezu, sie finden den Weg in die niedersächsische Provinz.“

Adamske lehrt an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Dort sowie in Basel und Würzburg hat er auch studiert. Gastdirigate und Dirigiermeisterkurse im In- und Ausland erweitern seinen Aufgabenbereich. Viel Freizeit bleibt da nicht. „Der Dirigent gehört zu den Berufen, bei denen man selten abschaltet“, sagt Adamske. „Das ist mehr als ein Job. Das ist eine Lebensaufgabe.“

Für einen Dirigenten gehe es nicht ums Kopieren, sagt der Neu-Bremer. „Jede gehörte Aufnahme ist eine Inspiration weniger.“ Doch manche Aufnahmen sind Pflicht. „Von Beethovens 5. Sinfonie sind 200 wichtige Einspielungen auf dem Markt, von denen man einige kennen sollte“, ergänzt Adamske. „Aber bei selten gespielten Stücken kann man sich sofort auf die Partitur stürzen.“ Und seine Kreativität ausleben.

Im Jetzt, in der Zukunft und in der Vergangenheit

„Jeder Moment einer Aufführung ist Inspiration“, fährt der Dirigent fort. Und beschreibt seine Aufgaben in jenen Momenten. Der Dirigent sei im Jetzt, um zu koordinieren und zu formen. Er sei zudem in der Zukunft, um zu spüren und zu wissen, „wann der nächste Tempowechsel kommt, wie dramatisch das nächste Forte wird“. Und er müsse zugleich die Vergangenheit reflektieren und erkennen, was bislang auf der Bühne passiert sei, wie sich Orchester und Chor verhalten und „ob ich noch mehr herausholen kann“.

Antonius Adamske liebt und lebt seinen Job. Das wird im Gespräch spürbar, fast greifbar. Und es soll für die Konzertbesucher sichtbar und hörbar werden – am Sonntag, 26. Juni, ab 19 Uhr in der Glocke an der Domsheide beispielsweise, beim Friedenskonzert des Bremer Raths-Chores mit Alexey Botvinov. dem Leiter der „Odessa-Klassik“. „Das Konzert ist ein Politikum“, sagt Adamske. Und verweist auf die Entstehungsgeschichte der Beethoven-Kantate „Der glorreiche Augenblick“, die im Mittelpunkt des Konzertabends steht und von der es nur eine existierende Aufnahme gibt. Beethoven habe das Stück anlässlich des Wiener Kongresses 1814 komponiert, mit dem ein Jahrhundert voller Krieges, voller Napoleonischer Feldzüge beendet wurde. Beethovens Kantate sei eine „Vision gegen Imperialismus und für dauerhaften Frieden und eine stabile Ordnung“ gewesen. „Europa steht“, intonieren Chor und Orchester. „Das suggeriert eine Aufbruchstimmung, die heute fehlt“, sagt Adamske. „Es ist wichtig, den Frieden als Ziel im Auge zu behalten und zu formulieren.“

„Elias“ auf der „Seebühne“

Bleibt ein Sprung auf die Seebühne am Gröpelinger Weserufer, wo der Raths-Chor und Adamske im vergangenen Sommer mit Händels „Wassermusik“ gastierten und wo sie in diesem Jahr – am Montag, 18. Juli, um 19.30  Uhr – den „Elias“ von Felix Mendelssohn Bartholdy aufführen.

Ein geistiges Meisterwerk wie den „Elias“ aus dem Kirchenraum zu holen und auf die Seebühne zu stellen, sei eine spannende Herausforderung. „Wir verbringen quasi einen Abend mit dem Publikum.“ Der „Elias“ – 1846 uraufgeführt und dem Propheten Elias, dem Gottessucher, gewidmet – sei ein „extrem dramatisches und anspruchsvolles Stück“, sagt Adamske. „Zimperlichkeit ist keine Größe.“ Der „Elias“ sei das kämpferischte der drei großen Oratorien Mendelssohn Bartholdys. Es soll in der ungekürzten Fassung aufgeführt werden – das Konzert dauert damit etwas länger als zwei Stunden.

Karten gibt es online:

www.seebuehne-bremen.de

www.glocke.de

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