Drei Stunden mit 700 Künstlern

„Bremen Tattoo“: „Musikschau“-Nachfolge-Spektakel kommt beim Publikum gut an

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Sinnlich und richtig laut: 30 junge Frauen aus ganz Europa hauen in der „Crazy Drummers Union“ mächtig auf die Pauke und binden die Europa-Flagge in ihre Choreographie ein. 

Bremen - Von Martin Kowalewski. Trommeln und Dudelsack-Musik erschallen mit voller Wucht aus dem Bremer Rathaus. Dann marschieren die Musiker von „Bremen Tattoo Massed Pipes and Drums“ direkt aus der Vorderfront. Dabei handelt es sich allerdings nicht um das wirkliche Rathaus, sondern um einen großen Nachbau als Kulisse für „Tattoo“ – wie früher bei der „Musikschau der Nationen“.

Die neue Show setzt nach dem Auslaufen der „Musikschau der Nationen“ die Tradition der Marching-Bands und Marschmusik in Bremen fort. Zum Auftakt war die Stadthalle (ÖVB-Arena) mit 5 000 Besuchern bis weit in die höchsten Ränge belegt.

Zehn Marching-Bands, 700 Künstler, Musiker und Tänzer sorgen für mehr als drei Stunden Stimmung. Der Name „Tattoo“ hat nichts mit Tätowierungen zu tun. Er kommt von „tap toe“ – der niederländische Begriff für „Zapfhahn zu“. Das heißt, die Soldaten sollen aus der Kneipe in die Kaserne zurückkehren.

Die Musiker aus der Rathaus-Kulisse verbreiten Flair von der Insel, folkloristische Melodien, eine feierliche Version des Rod-Stewart-Klassikers „Rhythm of my heart“ und natürlich, jedem zumindest vom Hören bekannt, „Auld lang syne“. Ihr Marsch wirkt weich. Alle tragen Schottenröcke, hohe Strümpfe und Mützen. Mit dem „Radetzky-Marsch“ verlässt danach der aus Österreich angereiste „Musikverein Altenhof am Hausruck“ das Rathaus.

Die Musiker teilen sich in mehrere Blöcke auf und treten in wechselnden Formationen nach vorne. Sie beherrschen den stimmungsvollen Walzer, wozu zwei Frauen, sehr traditionell gekleidet mit weißem Hemd, schwarzem Rock und bunt gestreifter Schürze, elegant tanzen. Das musikalische Geschehen nimmt bald eine überraschende Wende mit einem fließenden Übergang zu „Aber bitte mit Sahne“. Die Musiker verneigen sich, das Publikum spendet einen kräftigen Applaus. Der musikalische Bogen geht noch weiter.

Mit „Birdland“ verleiht das Ensemble einem bekannten Jazz-Klassiker mit Pauken und denkbar breitem Bläsereinsatz ein neues Gewand. Die Teilnehmer durchmischen sich in einem feinen Netz von Choreographien. Am Ende ein kräftiges „Hey“. Einige Musiker halten ihre Instrumente hoch. Das kommt an. Die Musiker haben außerdem etwas ganz Besonderes für die Gäste aus Bremen und umzu mitgebracht: das Werder-Lied. Die Besucher klatschen begeistert mit.

James Bond, Walzer und „Radetzky-Marsch“

Das älteste Polizeiorchester der Schweiz – „Polizeimusik Zürich-Stadt“ – gestaltet das Programm mit Humor. Auf „Ohne Krimi geht die Mimi nicht ins Bett“ folgt mit gehörigem Temperament das Titelthema von „Derrick“. Das große Ensemble schafft einen wunderbaren Kontrast zwischen den schnellen, wachrüttelnden Passagen und den ruhigen Teilen. Weiter geht es mit Gefahren auf internationaler Ebene und der James-Bond-Melodie „Goldeneye“. Bereits die ersten, von den tiefen Bläsern umgesetzten Akkorde verkünden eine schicksalhafte Schwere.

Das „Orchester der militärischen Spezialkräfte des Transportes der Ukraine“ tritt in traditionell gehaltener Militärkleidung auf, hat aber mit dem „A-Dance Studio Team“ ein buntes Tanz-Ensemble dabei. Nach den Märschen folgt eine herrliche Showeinlage. Mehrere Männer in weißen Warnwesten kommen mit gebogenen Rohren auf die Bühne. Ein Mann bespielt diese mit Klöppeln.

Ein recht rockiger Klang entsteht. Ein zweites Rohr wird aufgesteckt. Ein Mann ändert die Tonhöhe, indem er das Ende des Rohres auszieht und einschiebt. Die Tänzerinnen kommen mit pinkfarbenen Perücken auf die Fläche und drehen Leuchtstäbe in gleicher Farbe. Zu guter Letzt greifen drei Männer zum Trennjäger. Funken fliegen, ein neuer Sound entsteht.

Eine wahre Augenweide ist das Finale. Alle 700 Künstler kommen erneut. Der Sound ist gewaltig. Am 19. und 20. Januar 2019 soll „Tattoo“ zurückkehren.

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