Vor 125 Jahren wurde Carl F. W. Borgward geboren

„Ich will Autos bauen!“

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Borgwards „Isabella“ gilt als Design-Stilikone. Und auch im Wolfsburger VW-Museum ist eine Limousine aus der einstigen Bremer Autoschmiede zu sehen – Jahrgang 1960. Ihr Schöpfer, Carl F. W. Borgward, wurde heute vor 125 Jahren geboren.

Bremen - Von Annika Grah. Christian Borgward hat sich nur ein Ziel gesetzt. „Meine Idee ist, seinen Traum fortzuführen: die Mobilisierung der Gesellschaft und die Marke Borgward auf die Straße zu bringen“, sagt der Enkel des legendären Bremer Auto-Fabrikanten.

Heute vor 125 Jahren wurde Carl Friedrich Wilhelm Borgward geboren. Seine Limousinen werden noch heute als Design-Ikonen bestaunt. Genau dieses Jahr hat sich Christian Borgward ausgesucht, um die Marke wiederzubeleben. „Ich finde Menschen, die so etwas schaffen wie Carl F. W. Borgward, faszinierend“, sagt er über seinen Großvater, den er selbst nie kennengelernt hat.

Carl F. W. Borgward kam aus einfachen Verhältnissen. 1890 wurde er als Sohn eines Kohlehändlers in Hamburg-Altona geboren. Nach Schlosserlehre und Maschinenbaustudium wurde Borgward Teilhaber der Bremer Reifenindustrie und brachte einen dreirädrigen Transportkarren – den „Blitzkarren“ – auf den Markt. 1931 übernahm er mit einem Partner die Bremer Hansa-Lloyd-Werke. 1936 wurde Borgward dort alleiniger Chef. Während der Nazi-Herrschaft und vor allem in den Kriegsjahren wurden in den Bremer Fabriken auch Fahrzeuge für die Wehrmacht gebaut – nach dem Krieg verbrachte Borgward Monate in einem Internierungslager.

Seine Glanzzeit begann in den 50er Jahren. „Ich will Autos bauen!“, soll sein Großvater sein Lebensziel beschrieben haben. „Mit dem ,Lloyd‘ lieferte er mit einer Holzstruktur preisgünstige Mobilität, mit ,Goliath‘ zusätzlich Kleinsttransporter. Mit dem ,Hansa 1800‘ war er unter den ersten, die den Dieselmotor im Pkw einbauten, und mit der ,Isabella‘ schuf er eine Design-Ikone“, sagt Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. „Borgward war ein besessener Visionär und Tausendsassa. Heute würde man ihn vermutlich mit Elon Musk, dem Erfinder von Tesla, vergleichen.“

Prototypen des Borgward BX7 auf dem Bremer Marktplatz

Borgward schaffte es zeitweise zum zweitgrößten Autoexporteur Deutschlands. „Er war sehr konsequent und zielstrebig. Nach dem Krieg hat er die Fabriken wieder aufgebaut und das Unmögliche angepackt“, sagt Christian Borgward. Auch im Privaten wurde Disziplin großgeschrieben. „Beim Abendessen kam die Familie an einem großen Holztisch zusammen. Das Essen begann, wenn Carl F. W. Borgward begann, es endete, sobald er aufstand“, berichtet Borgward aus den Erinnerungen seines Vaters. Doch der Erfolg war nicht von Dauer. „Sein Problem war seine Kreativität und sein Umsetzungsdrang, der ökonomisch eben nicht darstellbar war“, sagt Dudenhöffer.

Den Untergang des Unternehmens umranken nach wie vor Verschwörungstheorien. Im Herbst 1960 fehlte Geld, der Export flaute ab, und die verkaufsschwachen Wintermonate standen vor der Tür. Der Bremer Senat bürgte für drei Kredite von je zehn Millionen Mark. Dann wurde in den Medien über die Finanzlage spekuliert, die dritte Kreditrate platzte. Im Februar 1961 übernahm das Land Bremen die AG mit gut 20000 Mitarbeitern – im selben Jahr wurde das Konkursverfahren eröffnet. Der Firmengründer überlebte das Aus nicht lange, er starb am 28. Juli 1963.

Sein Erbe lebt weiter. Das Bremer Werk gehört seit 1971 zu Daimler-Benz – heute produzieren die Schwaben dort ihre C-Klasse. In diesem Jahr folgte das Comeback: Jahrelang tüftelte Borgwards Enkel mit dem Ex-Daimler-Pressesprecher Karlheinz Knöss an dem Plan. „Das liegt vielleicht in den Genen. Unsere Familie hat Benzin im Blut“, sagt Borgward über seine Motivation.

dpa

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