Ein Projekt der Bremer Heimstiftung und der Universität bringt moderne Technik zu Senioren

Mit 83 Jahren keine Scheu vor dem Skypen

Annegret Gerdes (l.) verabschiedet sich von Tochter Martina. Günter Gerdes (r.) kommt längst schon ohne Hilfe von UweBoeck mit dem Skypeprogramm zurecht. ·
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Annegret Gerdes (l.) verabschiedet sich von Tochter Martina. Günter Gerdes (r.) kommt längst schon ohne Hilfe von UweBoeck mit dem Skypeprogramm zurecht. ·

Bremen - Über ein Projekt der Bremer Heimstiftung mit der Universität Bremen hat moderne Technik Einzug in die Stiftungsresidenz St. Ilsabeen gehalten: Hier hat IT-Assist, eine Software speziell für ältere Menschen, etlichen Bewohnern die Scheu vor Computern und dem Skypen genommen.

Günter Gerdes schaut auf die Uhr, es ist so weit: Schnell rückt er im Computertreff der Residenz die Stühle für sich und seine Frau Annegret vor den Rechner. Mit einem Doppelklick öffnet er das Skypeprogramm, mit dem er kostenlos Videotelefonieren kann. Geübt wählt sich der 83-Jährige ein und frohlockt: „Sie ist schon da!“ Sie, das ist seine 47-jährige Tochter in den USA. Prompt steht die Leitung und Martina strahlt in die Kamera. „Wie geht es Euch im kalten Bremen?“ fragt sie und erzählt, bei ihr in Florida sei es gerade 24 Grad warm. Auf beiden Seiten wird viel gelacht, das Ehepaar Gerdes ist glücklich. Enkelkind Jena konnte heute zwar nicht hinzukommen, dafür blickt der Jack-Russell-Terrier „Ayu“ mit braunen Knopfaugen in die Kamera. „Es ist schön, am Leben unseres Kindes teilhaben zu können“, sagt Gerdes. Seine Frau kann sich noch genau an den Tag erinnern, als sie die Tochter das erste Mal nach zehn Jahren über den Bildschirm wiedergesehen hat. „Da sind Tränen der Freude geflossen“, betont Annegret Gerdes, ihr Mann fügt hinzu: „All die Jahre sind wir ohne Computer ausgekommen und mussten erst in die Seniorenresidenz ziehen, um ihn für uns zu entdecken. Das muss man sich mal vorstellen!“

Im Haus St. Ilsabeen der Heimstiftung kommt schon länger neue Technik zum Einsatz. Hier wurde eine vom Technologie-Zentrum Informatik und Informationstechnik (TZI) an der Uni Bremen gemeinsam mit dem Mobile Research Center und der Igel Technology GmbH speziell für Senioren entwickelte Computer-Benutzeroberfläche erstmals eingesetzt. Das Programm mit dem Namen IT-Assist ist eine elektronische Serviceplattform für Bewohner von Altenheimen. Es ergänzt und verbindet konventionelle Medien wie Telefon und Fernsehen mit Computertechnik. Neben der sozialen Interaktion, zum Beispiel über das Skypen und den vereinfachten Zugang zum Internet mit Hilfe einer vergrößerten Darstellung, bildhaften Symbolen und einem großen Berührbildschirm, unterstützt die Software auch die Betreuung, Gesundheitsvorsorge und Rehabilitation von älteren Menschen.

„Vom Bildschirmkontakt zum Pfleger über die Teilnahme am hauseigenen Gymnastikprogramm und Gedächtnistraining via Fernsehen bis hin zur telemedizinischen Beratung mit Ärzten ist alles möglich. Die Technik soll den Kontakt allerdings nicht ersetzen, sondern erleichtern“, sagt Monika Mehring von der Abteilung Gesundheit und Rehabilitation der Heimstiftung, die das Projekt begleitet. Ihr Fazit: IT-Assist war für viele Senioren im St. Ilsabeen der Einstieg in die Computerwelt. Heute spielen sie regelmäßig Geschicklichkeits- oder Gedächtnisspiele am Rechner, schauen sich individuelle Fotoalben an oder recherchieren über Google und Wikipedia – auch aktuelle Sonderangebote bei Discountern, wie Gerdes erzählt. Ehrenamtliche Helfer wie Uwe Boeck stehen den Senioren zur Seite. · gn/eb

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