150 Jahre organisierte Seenotrettung: Der Untergang der „Johanne“ hat Folgen

„Schmach für Deutschland“

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Ein Bild aus den Anfangszeiten der Seenotrettung an der Küste – mit einem Pferdegespann wird ein Rettungsboot in einem Ablaufwagen zum Strand gefahren.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Im Zusammenhang mit der Gründung der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) wird stets auf eine Katastrophe verwiesen. Auf den Untergang der „Johanne“, bei dem anno 1854 vor Spiekeroog 84 Menschen – darunter sieben Babys – ihr Leben verloren haben.

Die Bark, mit 216 Auswanderern an Bord auf der Reise von Bremerhaven nach Baltimore, strandet nach einem heftigen Sturm vor Spiekeroog. Die „Johanne“ gerät in Schieflage, die Flut kommt. Hilflos ertrinken Passagiere im tosenden und eiskalten Nordseewasser. Ebenfalls hilflos müssen die Inselbewohner dem Unglück zusehen. Sie haben nichts, womit sie eingreifen könnten. Erst bei Niedrigwasser können sie Schiffbrüchige retten – und Tote bergen.

Der Untergang der „Johanne“ ist eines der schwersten Schiffsunglücke jener Zeit und sorgt – wie man heute sagen würde – für ein gewaltiges Medienecho. Und womöglich würde es ohne den Untergang des Auswandererschiffs die DGzRS nicht gegeben.

Bald nach dem Unglück jedenfalls rufen Menschen zur Gründung eines Seenotrettungswerks auf, und das sehr eindringlich. Zu ihnen gehört der Navigationslehrer Adolph Bermpohl (1833 bis 1887) aus Vegesack.

Nach einem Schiffsunglück bei Borkum veröffentlicht er am 21. November 1860 mit dem Advokaten Carl Kuhlmay (1830 bis 1886) in der „Wochenschrift für Vegesack und Umgegend“ einen dramatisch formulierten „Aufruf“ zu „Beiträgen“ für die „Errichtung von Rettungsstationen auf den deutschen Inseln der Nordsee“.

„Selten hat das Element des Wassers so viel Opfer an Menschenleben gefordert wie in diesem Jahre“, heißt es in dem Text. Keine Hilfe für Schiffbrüchige – das sei „eine Schmach für Deutschland“. Auf die britische „Royal National Lifeboat Institution“, schon 1824 gegründet, wird verwiesen. Sie habe bereits „mehr als 11000 Menschenleben gerettet“.

Bermpohl und Kuhlmay finden Mitstreiter – so zum Beispiel den Redakteur Arwed Emminghaus (1831 bis 1916) vom „Bremer Handelsblatt“, der zu einer treibenden Kraft bei der Gründung des deutschen Rettungswerks wird.

Die Gefahr der

Zersplitterung

Und sie finden Georg Breusing (1820 bis 1882), der Zollbeamter in Emden ist und im März 1861 den „Verein zur Rettung Schiffbrüchiger in Ostfriesland“ gründet – eine Premiere für Deutschland.

Emminghaus sieht die Gefahr einer Zersplitterung durch einzelne Vereine. Ihm schwebt ein einheitliches Rettungswerk vor, das systematisch Stationen an der Küste aufbaut. So wird Emminghaus zum Initiator der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, die am 29. Mai 1865 – nein, nicht in Bremen – in Kiel gegründet wird. 1868 wird Breusings ostfriesischer Verein in der DGzRS aufgehen.

Sitz der neuen Gesellschaft: Bremen. Ihre Gründung fällt in eine Zeit, in der diese Ortswahl völlig selbstverständlich wirkte, denn in Bremen, da spielte die Musik – unter anderem in Form des 1857 von Hermann Henrich („H.H.“) Meier (1809 bis 1898) und Eduard Crüsemann (1826 bis 1869) gegründeten Norddeutschen Lloyd (NDL).

Die Reederei verdiente ihr Geld nicht allein mit Frachtgut, sondern vor allem mit Passagieren – mit Auswanderern nämlich. Meier wird 1865 erster Vorsitzer der DGzRS.

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