150 Jahre organisierte Seenotrettung: Die Motorisierung der Flotte

Quantensprung mit 15 PS

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„Bis zum 1. April 1922 sind 4832 Personen gerettet worden“ – auf dieser Tafel steht sie geschrieben, die stolze Bilanz, mit der die DGzRS in den 20er Jahren in Laboe (Schleswig-Holstein) um Mitglieder warb.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Es sind Zahlen, die Eindruck machen. Jahr für Jahr fahren die Seenotretter mehr als 2000 Einsätze. Im vergangenen Jahr zum Beispiel sind es 2183 gewesen, 2013 waren es 2081. Im vorigen Jahr haben die DGzRS-Besatzungen 768 Menschen aus Seenot gerettet oder aus Gefahr befreit (2013: 718). Seit Gründung des Rettungswerks verdankten fast 82000 Schiffbrüchige den Seenotrettern ihr Leben.

Harte Arbeit sind diese Einsätze oft, körperlich und (auch) seelisch belastend – dann etwa, wenn ein Einsatz einmal nicht gelingt.

Ausgefeilte und moderne Technik steht den Seenotrettern heute zur Verfügung. Eingespielte Crews arbeiten auf Seenotrettungskreuzern und -booten, die den Naturgewalten trotzen können. Der zunehmende Seeverkehr und der Klimawandel mit seinen intensiveren Schlechtwetterperioden stellen die Rettungsmänner (und -frauen) vor weitere Herausforderungen.

Rückschau. Anno 1890 hatte die DGzRS 90 Rettungsstationen an der Nord- und Ostseeküste – ausgestattet waren sie mit Raketenapparaten, um Leinen über havarierte Schiffe schießen zu können. Mit Hosenbojen konnten Schiffbrüchige anschließend in Sicherheit gebracht – oder besser: gezogen – werden. Die Rettungsmänner (Frauen waren noch nicht dabei) kamen damals in Ruderbooten, die von Pferdegespannen erst einmal durch die Dünen zum Strand geschleppt werden mussten. All das kostete Kraft, sehr viel Kraft.

1911, drei Jahre vor dem Ersten Weltkrieg, beginnt eine neue Ära, die Zeit der Motorrettungsboote nämlich – ein Quantensprung. Das erste dieser neuen Motorrettungsboote wird in Laboe (Schleswig-Holstein) in Dienst gestellt – die „Oberinspector Pfeifer“, benannt nach einem früheren DGzRS-Inspektor und gebaut auf der Havighorst-Werft in Blumenthal. Zehn Meter lang, 2,94 Meter breit, ausgestattet mit einem 15 PS starken Motor, der das Boot bis zu 6,5 Knoten schnell macht (was etwa zwölf Kilometern pro Stunde entspricht). Benzin speist den Anlasser, Petroleum den Zweizylinder. Für alle Fälle ist an Bord auch noch Platz für acht Ruderer, man weiß ja nie.

„Boot und Motor bewährten sich in schwerer See vorzüglich“, kommentiert der Vormann der DGzRS-Station Laboe. Schon im ersten Jahr rettet die „Oberinspector Pfeifer“ zwölf Menschen aus Seenot.

Zwei Jahre nach Indienststellung der „Oberinspector Pfeifer“ zählten acht motorisierte Neubauten und sechs mit einem Motor nachgerüstete ehemalige Ruderrettungsboote zur Flotte der Seenotretter. Trotz des Lobs aus Laboe ist die Technik unter Extrembedingungen aber noch anfällig. Der Krieg unterbricht zunächst die technische Weiterentwicklung.

Nach dem Krieg folgt dann der nächste Sprung – der Übergang zu gedeckten (nicht mehr offenen) Motorbooten mit robusten, zuverlässigen Dieselaggregaten. Die Entwicklung schreitet voran – bis heute. Am 29. Mai, dem 150. Jahrestag der DGzRS-Gründung, wird auf dem Bremer Marktplatz das neue Seenotrettungsboot SRB 65 getauft, ein modifiziertes und kompaktes Spezialschiff der 9,50-/ 10,10-Meter-Klasse. Und am 30. Mai folgt in Bremerhaven die Taufe eines neuen 28-Meter-Seenotkreuzers.

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