150 Jahre organisierte Seenotrettung: Der Erfolg der „Theodor Heuss“ – und die Symbolkraft der „32-Zentimeter-Klasse“

Vom Kneipentresen bis zum Senatssaal

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Das Spendenschiff im Blick – Joachim Schumann von „Polyform – Büro für Gestaltung und Produktdesign“ und Kuratorin Marleen von Bargen schauen in die erste fertiggestellte Vitrine der neuen DSM-Ausstellung zum Thema Seenotrettung. Im Hintergrund an der Wand: Kunstwerke des Malers Peter Barthold Schnibbe aus Weyhe-Melchiorshausen.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Theodor Heuss hat bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) eine neue Ära eingeleitet. Nein, nicht der erste Bundespräsident persönlich, versteht sich. Sondern der nach ihm benannte, 1957 in Dienst gestellte Seenotrettungskreuzer.

23,20 Meter lang, 20 Knoten (etwa 37 Kilometer pro Stunde) schnell – die „Theodor Heuss“ ist der erste in Serie gefertigte Seenotkreuzer. Modern! Mit Tochterboot! Und vor allem: extrem seetüchtig. Mit besten Manövriereigenschaften auch unter schwierigsten Bedingungen. Mit den nach dem Prinzip der „Theodor Heuss“ gebauten Schiffen springen die Seenotretter zwölf Jahre nach dem Krieg in eine neue Zeit.

Die „Theodor Heuss“ bleibt bis 1985 in Dienst. In den 80ern lösen 27,50-Meter-Neubauten die „Heuss“- Klasse ab. Das Schiff selbst wird verkauft und umgebaut. Die „Theodor Heuss“, die 1987 auf spektakuläre Weise über Wasser und über Land ins Deutsche Museum nach München transportiert wird, ist ein umbenanntes Schwesterschiff – die frühere „H.H. Meier“.

Ein Museumsstück mit Symbolwert. Größeren Symbolwert für die Seenotretter hat wohl nur noch ein Schiff, das nicht im Rettungsdienst fährt, wohl aber hilft, das Rettungswerk zu finanzieren – das Sammelschiffchen. 1990, zum 125. Jahrestag der DGzRS-Gründung, zierte es eine im Atelier Haase im Schnoor entworfene Sondermarke.

Die Spendenschiffchenflotte fährt seit mehr als 135 Jahren Zuwendungen für die Seenotretter ein. Viele Schiffe der „32-Zentimeter-Klasse“ ankern in Geschäften und auf Kneipentresen. Bundesweit hat die DGzRS 15000 Sammelschiffchen stationiert. Eins davon steht im Bremer Rathaus. Im Senatssaal. Und wenn sich dienstags bei den Senatssitzungen jemand mal, nun ja, im Ton vergreift, dann dürfen die Seenotretter sich über eine weitere Spende freuen.

Jüngst hat die DGzRS den Auftrag zum Bau von fünf Maxi-Sammelschiffchen vergeben. Er ging an die Fassmer-Werft in Berne. Diese 2,40 Meter großen Spendenschiffe aus GFK-Materialen sollen „vor allem bei Ausstellungen und Veranstaltungen im Binnenland“ zum Einsatz kommen, heißt es bei den Seenotrettern.

„Seegangsversuche haben für diesen neuen ‚Schiffstyp‘ meines Wissens nicht stattgefunden“, so Werftchef Harald Fassmer. „Zwar haben wir für die DGzRS bereits zahlreiche Seenotkreuzer und Seenotrettungsboote gebaut, ein Schiff für den reinen Trockeneinsatz der DGzRS ist allerdings auch für uns eine Neuheit.“ Der erste 2,40-Meter-Neubau soll bei den DGzRS-Jubiläumsfeierlichkeiten am Freitag, 29. Mai, in Bremen zum Einsatz kommen.

Die Spendenschiffchen – ein Markenzeichen. Und so steht eines davon auch im Deutschen Schiffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven. Sogar in einer Vitrine!

Zum 150-jährigen Bestehen der DGzRS hat das Deutsche Schiffahrtsmuseum seine Ausstellung zum Thema Seenotrettung neu konzipiert. Heute, Sonnabend, wird sie unter dem Titel „...durch der Stürme böses Wetter...“ eröffnet. Die Vernissage beginnt um 16 Uhr, der Eintritt ist frei, sagt eine Museumssprecherin.

Neben den Großobjekten, die bisher auch in der Ausstellung zur Seenotrettung zu sehen waren, sind jetzt zuvor nicht gezeigte Exponate aus dem Magazin hinzugekommen: „Am Beispiel einzelner Aspekte zeigen wir die technischen Entwicklungen von Hilfsmitteln bis in die Gegenwart und thematisieren die Wahrnehmung von Seenotrettung zu verschiedenen Zeiten“, so die Historikerin und Ausstellungskuratorin Marleen von Bargen, wissenschaftliche Volontärin am DSM.

Heute Eröffnung im

Schiffahrtsmuseum

Peter Barthold Schnibbe, Maler aus Weyhe-Melchiorshausen, präsentiert zur Eröffnung die ersten drei (von insgesamt sieben) Kunstwerken des Sockels seines im Februar vergangenen Jahres der DGzRS gestifteten – und im DSM als Dauerleihgabe gezeigten – Triptychons „Riders on the Storm“.

Und der dramatische Ausstellungstitel? „Das Zitat ‚...durch der Stürme böses Wetter...‘ aus dem Taufspruch für den Seenotrettungskreuzer ‚Theodor Heuss‘ im Jahr 1957 trifft es auf den Punkt: Die Seenotretter sind bei Wind und Wetter in selbstlosem Einsatz unterwegs. Das ist in hohem Maße bewunderns- und unterstützenswert“, sagt Prof. Sunhild Kleingärtner, die geschäftsführende Direktorin des DSM.

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