150 Jahre organisierte Seenotrettung: Die DGzRS im Krieg und nach der Teilung

Eigenständigkeit hilft

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DGzRS-Plakat aus der Nachkriegszeit.

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Das Staatsoberhaupt als Schirmherr – das hat bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) Tradition, seit König Wilhelm von Preußen in den Anfangstagen das – wie man damals formulierte – „Protektorat“ über das Rettungswerk übernommen hatte. In den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hieß der Schirmherr plötzlich Hitler.

Und sonst? In den Jahren nach der NS-Machtübernahme 1933 und im Zweiten Weltkrieg „bewahrt die DGzRS ihre Eigenständigkeit, soweit es die Verhältnisse zulassen“, heißt es im aktuellen Jahrbuch der Seenotretter. Die Organisation sei „zu jeder Zeit ein Abbild der Gesellschaft“ gewesen. „Als unpolitische, ausschließlich humanitären Zielen verpflichtete Organisation bleibt ihr jedoch die Gleichschaltung erspart.“

„Relative Neutralität“ – so könnte man das Motto umschreiben. Erstes Gebot ist es stets, Menschen aus Seenot zu retten. Unter dem völkerrechtlichen Schutz der Genfer Konvention ist die DGzRS-Flotte im Zweiten Weltkrieg für „Freund wie Feind“ im Einsatz – die Schiffe werden mit weithin sichtbaren roten Kreuzen gekennzeichnet. Am Heck führten sie ihre traditionelle Flagge mit dem Hanseatenkreuz. In etlichen Einsätzen retten DGzRS-Männer Piloten und Flugzeugbesatzungen, die über See abgeschossen worden sind.

Anfang 1945 etwa war Erwin Ernest Barnes, damals 19, Bordschütze der britischen Royal Air Force. Nach einem Angriff auf Hamburg-Harburg wurde seine viermotorige Lancaster am 7. März über der Elbe-Weser-Mündung abgeschossen. Die Besatzung eines Motorrettungsboots der DGzRS rettete Barnes sowie einen weiteren Engländer und vier Rhodesier am nächsten Morgen. Die Männer kamen von Bremerhaven aus als Kriegsgefangene nach Süddeutschland.

Viele Jahrzehnte später reist Barnes von Southampton nach Bremerhaven, um dort die – vollkommen überraschten – Seenotretter zu besuchen, um einen Dank loszuwerden: „Für mich war es damals der Feind, der mich gerettet hat. Ich kann erst heute wirklich würdigen, was die Männer für mich getan haben.“

Und nach dem Krieg? Die DGzRS hatte ihre Arbeit ja nicht unterbrochen, dennoch muss von einem Neubeginn gesprochen werden. Ostpreußen und Pommern gehören nicht mehr zu Deutschland, in der sowjetischen Besatzungszone entsteht die spätere DDR – insgesamt 70 Rettungsstationen verschwinden aus dem Einflussbereich des Bremer Rettungswerks. Die DGzRS hat nun noch 30 Stationen an der Nordsee- sowie zehn weitere an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste.

Mit der Teilung Deutschlands setzt die DGzRS den Seenotrettungsdienst in der Deutschen Bucht und in der westlichen Ostsee fort. In der DDR wird der Seenotrettungsdienst nun staatlich organisiert. Erst im Zuge der Wiedervereinigung wird die DGzRS 1990 wieder die Arbeit auf (zunächst) elf Stationen entlang der Küste Mecklenburg-Vorpommerns übernehmen. Heute sind es 17.

Staatliche Organisation? Im Westen setzt man bewusst (und souverän) weiter auf Unabhängigkeit, auf Eigenständigkeit. Das bedeutet: auf Unabhängigkeit vom Staat. Die aus Spenden (und Bußgeldern) finanzierten Seenotretter wollen nicht von öffentlichen Geldern abhängig werden. Eine Ausnahme gibt es Anfang der 50er Jahre. Zum Wiederaufbau (und Ausbau) des Rettungsdiensts nimmt die Gesellschaft auch Geld vom Staat an.

1957 erklärt die DGzRS dann zur allgemeinen Verblüffung, auf weitere Steuergelder aus dem Bundeshaushalt zu verzichten, da sie nun wieder über genügend eigene Mittel verfüge.

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